«Ich möchte meinen grössten Traum verwirklichen»

Im Mai will ­Daniela Moser aus Recherswil mit ihrer Freundin zu ­einer Reise ins 1100 Kilometer entfernte ­Cambrils in Spanien ­aufbrechen − im Elektro­rollstuhl!

Es ist ein warmer, sonniger Novembertag. Daniela Moser ist mit ihrem Elektrorollstuhl und dem neunjährigen Pudel Ivo in der Umgebung ihres Dorfes Recherswil SO unterwegs. Rundum glücklich träumt sie davon, einfach so weiter und weiter zu fahren. «Du spinnst ja, sagte ich mir», meint die 51-Jährige und lacht. «Doch dann kam mir ein Gedanke: Warum eigentlich nicht? Und schon hatte ich auch das Ziel vor Augen: die spanische Küstenstadt Cambrils in der Nähe von Tarragona.»

Während 30 Jahren hat Daniela Moser mit ihrer Mutter die Ferien dort verbracht. Im Laufe der Zeit entstanden tiefe Freundschaften. «Meine Mutter, die vor knapp vier Jahren starb, wünschte sich, dass die Hälfte ihrer Asche unter einem Olivenbaum in Cambrils verstreut wird. Diese Reise wäre die Erfüllung eines Traumes, denn die eine Hälfte meines Herzens ist dort unten», schwärmt sie.

Die Frau sprüht vor Lebensfreude, obwohl sie seit der Geburt an einer zerebralen Lähmung leidet. Das Zentrum für Koordination, der Gleichgewichtssinn, die Feinmotorik und das Sprachzentrum sind beeinträchtigt. Das macht das Gehen ohne Hilfe praktisch unmöglich. «Ich habe mich daran gewöhnt und geniesse das Leben. Mir kommt niemand auf dieser Welt in den Sinn, mit dem ich tauschen möchte.» Munter fügt sie hinzu: «Am besten funktioniert, abgesehen von der leicht undeutlichen Aussprache, mein Mundwerk – und ich rede gerne und viel.»

Und sie redet. Über ihr abenteuerliches Projekt mit ihrer langjährigen Freundin Esther Lattmann (36). Die Sozialpädagogin sitzt mit am Stubentisch, zu ihren Füssen ihr sechsjähriger Boxer Samu: «Wir zwei Frauen sind etwas verrückt, darum war ich sofort Feuer und Flamme.» Ein Name für ihr Abenteuer war schnell gefunden: «Vayamos! Die Rollstuhl-Challenge meines Lebens».

Sie sind sich bewusst, dass nicht nur die zweieinhalb Monate dauernde und 1100 Kilometer lange Reise mit dem Aussenrollstuhl eine Herausforderung bedeutet, sondern auch deren sorgfältige Vorbereitung. Zum Glück helfen Verwandte, Freunde und Bekannte. Sie sind daran, die ideale Reiseroute auf Velo- und Wanderwegen oder Nebenstrassen sowie Zeltplätze zum Übernachten zu finden, und versuchen, das für die Reise benötigte Material zu beschaffen. Ihre gemeinsame Freundin Cornelia Hess erklärte sich spontan bereit, den Materialbus zu fahren. Sie wird den beiden vorausfahren, auf den Campingplätzen das Zelt aufstellen, einkaufen und kochen. Esther Lattmann begleitet ihre Freundin Daniela auf einem Cargo-E-Bike. In der darauf montierten Transportkiste können sich ihre beiden Hunde, wenn nötig, ausruhen.

Ein grosses Problem ist die Finanzierung. «Hauptsponsor ist die Firma Gloor Rehabilitation in Eptingen», betont Daniela Moser. «Der Rollstuhlspezialist stellt uns Ersatzteile sowie Werkzeug zur Verfügung und zeigte uns in einem Crashkurs, wie man einen Rollstuhl repariert. Ohne diese Unterstützung wäre unser Projekt von Anfang an ins Wasser gefallen.»

Das exakt errechnete Reisebudget beträgt 30 000 Franken. Da sie erst einen kleinen Teil davon zusammen haben, richteten die findigen Frauen ein Crowdfunding ein (siehe unten). «Wir hoffen, dank Spenden auf die von uns errechnete Summe zu kommen», sagt Daniela Moser, «wenn nicht, müssen wir unsere Pläne begraben und den Spendern, die uns via Crowdfunding unterstützten, wird ihr Geld zurückerstattet.»

Doch sie sind zuversichtlich, trotz noch fehlendem Geld und Material, das ehrgeizige Ziel zu erreichen: Abfahrt in Recherswil am 4. Mai dieses Jahres, Ankunft in Cambrils nach 47 Etappen voraussichtlich am 18. Juli. Dann 14 Tage Ferien und anschliessend im Auto Rückkehr in die Schweiz. «Wir haben Danielas Freunden in Cambrils unsere Reisepläne mitgeteilt», erzählt Esther Lattmann, «sie versprachen, uns einen festlichen Empfang zu bereiten und wollen sogar die spanische Presse dazu einladen.» Daniela Moser: «Mit diesem Abenteuer möchte ich beweisen, dass eine so lange und anstrengende Reise auch für jemanden mit einer Behinderung möglich ist. Aber vor allem möchte ich anderen Menschen mit einem Handicap Mut machen, ihre Träume zu verwirklichen.»

«Vayamos!»

Spendenkonto: Raiffeisenbank Sensetal; IBAN: CH 12 8080 8002 6515 2233 9 an Esther Lattmann, Bernstrasse 52, 3400 Burgdorf.Crowdfunding: bis 4. März (wemakeit.com/projects/vayamos). Homepage: vayamos.ch Mail: hola@vayamos.ch