Ein Herz fürEindringlinge

Es tönt wie ein Schabernack, der Einbrecher in die Irre führen soll: Ein Kanadier versteckt einen Schlüssel unter seiner Türmatte. Der öffnet ­jedoch nicht sein Heim, sondern einen Tresor.

Eigentlich war es ein kleines Spass-Experiment, das Alex Biron für sich ausgeheckt hatte. Die Idee dahinter zeugt aber von viel Menschenliebe. «Vor einiger Zeit stand ich in der Einfahrt und dachte mir: Ich möchte etwas Abenteuer und Spannung in mein Leben bringen», sagt der Kanadier.

So legte er einen Schlüssel in das wohl gängigste Versteck – unter die Türmatte. Eine Einladung für Eindringlinge? «In unserer Gegend gibt es tatsächlich immer wieder Einbrüche», sagt Biron. Auch bei ihm hatten es Diebe offensichtlich immer wieder versucht. «Ich sah es daran, dass der versteckte Schlüssel mehrfach weg war, als ich nach Hause kam.»

In sein Heim eindringen liess Biron aber natürlich niemanden einfach so. «Der Schlüssel funk­tioniert nicht bei unserer Haus­türe», enthüllt er nun in einem Online-Video. «Damit kann man nichts hier herum öffnen. Meine Überlegung war: Wenn ein Einbrecher den Schlüssel findet, wird er zuerst vor Freude hüpfen, dass er so einfach ans Ziel kommt. Dann kommt die Enttäuschung, weil es nicht geht. Ich habe die Hoffnung, dass sich derjenige deswegen hinterfragt. Dass er sieht, was er aus seinem Leben gemacht hat – und sich vielleicht ändert.»

Alex bietet aber noch mehr als einen Anstoss zur Selbstreflexion, sollte der Verbrecher sich tatsächlich entschliessen, sich zu ändern. «Wenn einer von euch Dieben dieses Video sieht: Auf dem Schlüssel hat es eine Nummer», gibt er preis. «Er gehört zu einem Schliessfach in der West End Vancity Bank in Vancouver. Darin hat es etwas Geld und ein Buch, das einem Hilfestellung gibt, sein Leben in den Griff zu bekommen.» Also alles, was es braucht für den Start in ein neues Leben.

Biron hatte sich erhofft, dass einer von denen, die die versteckten Schlüssel in den vergangenen Monaten entwendet hatten, von selbst auf die Lösung käme. Durch seine Video-Anleitung hat er nun natürlich endlos viele Menschen angestachelt, sich das Geld zu holen. Auch solche, die es gar nicht brauchen. Man kann für den edlen Spender nur hoffen, dass Alex Biron nicht sein richtiger Name ist und ihm kein Massenkampf um den Schlüssel vor seiner Haustür bevorsteht.