«Ich bin wohl nicht der Typ, den alle lieben»

Die Familie ist dem TV-Mann zwar wichtiger als jeder Job, dennoch freut er sich, bald wieder mit dem «Donnschtig-Jass» auf Tour zu gehen. Mittlerweile fühlt er sich in der Jass-Gemeinschaft akzeptiert – weiss aber, dass er nie jedermanns Liebling sein wird.

«Ziit für en Jass?» Roman Kilchsperger (47) wird von den Wandersleuten kumpelhaft begrüsst. Bekannte? Nein, Verbündete im Geiste: Jasser, die ihn aus dem TV kennen und wie er in der Waldschenke auf dem Zürcher Altberg ein Päuschen einlegen. Ansonsten ist er meist mit seinen Söhnen Niccolo (11) und Leandro (8) hier. Mit ihnen und Ehefrau Viola Tami (36) wohnt er in der Nähe. Die drei müssen nun wieder jeden Donnerstag auf ihn verzichten: Am 6. Juli startet sein «Donnschtig-Jass».

GlücksPost: Für Sie geht es mit der Sendung ins «verflixte siebte Jahr». Schon Krisenstimmung angesagt?
Roman Kilchsperger: Ach was, ich freue mich. Unter dem Strich ist es zwar auch Arbeit, aber eine, die ich sehr gerne mache.

2016 gab es mehr Sendezeit, Einspieler, Spiele, eine fünfte Jass-Runde. Soll die Sendung modernisiert werden?
Die Änderungen hat kaum einer gemerkt – wie es sein soll. Es muss traditionell bleiben. Ich hätte zwar viele Ideen, aber wenn ich galoppieren will, zieht Produzentin Sibylle Marti die Zügel an. So kommen wir Schrittchen für Schrittchen vorwärts.

Anfangs gab es ja den einen oder anderen, der Ihnen als Moderator skeptisch gegenüberstand.
Viele! Die Jasser sind ein eigenes Volk, aber mittlerweile haben sie mich in der Familie aufgenommen. Ich glaube, sie haben gemerkt, dass der Kerl aus Zürich es ernst meint und sich auf der Landi-Bank wohler fühlt als auf dem goldenen Stühlchen im Kaufleuten. Natürlich werden mich trotzdem nie alle lieben, dazu bin ich nicht der Typ, schätze ich.

Wurmt Sie das?
Das gehört dazu. Ich bin weder Nik Hartmann noch Röbi Koller. Wenn die aufs Land gehen, funkeln sie wie Bergkristalle. Mich sehen die Leute immer noch als Pflasterstein aus der City. Aber ich halte mich seit 13 Jahren im Geschäft, so schlimm kann es also  nicht sein.

Seit 13 Jahren Quiz-Onkel, seit 2017 der «Donnschtig-Jass»: Haben Sie nicht Lust auf Neues?
Nein, ich habe nie auf etwas Lust: «Stillstand» liegt mir in Sachen Lebenstempo am besten. Ich halte wenig von der hochgelobten Rastlosigkeit. Ich muss nicht alles erlebt und gesehen haben, wenn ich irgendwann abtrete.

An was liegt dieser überschaubare Ehrgeiz?
Vielleicht hat es mit der Familie zu tun. Sie ist mir das Wichtigste, und ich habe es nach elf Jahren nicht geschafft, einen lockeren Umgang mit dem Vatersein zu finden. Ich bin da etwas verspannt!

Inwiefern?
Was ich früher mit Viola für Partys gefeiert habe! Kürzlich wollte ich an einem 50. Geburtstag mal wieder richtig reinhauen – am Ende bin ich doch früh und nüchtern heim, damit ich um acht Uhr die Jungs zum Fussball-Turnier fahren konnte, obwohl wir es eigentlich mal sausen lassen wollten. Ich schaffe es irgendwie nicht, auch mal loszulassen.

Aus welchem Grund?
Keine Ahnung. Viola kann das viel besser, mit ihr kann man immer noch super feiern. Vielleicht ist es eine Altersfrage, ich habe es einfach etwas satt. Und zudem bin ich ja unheimlich gerne mit den Jungs unterwegs – manchmal auch hier auf dem Altberg. Und hey, jetzt wollen sie mich noch dabeihaben.

Was ist Ihnen in der Erziehung am wichtigsten?
Ganz simpel: diese Nähe zu ihnen. Nicht dass ich beim Training etwa ständig am Spielfeldrand stehe, aber ich will, dass sie wissen, dass ich da bin, in der Nähe.

Haben Sie eine engere Beziehung zu Ihren Kindern als Papis, die einen «normalen» Job haben?
Das habe ich schon von anderen Vätern gehört. Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass die Radio- und Fernseharbeit es mir ermöglicht, viel Zeit für sie zu haben, und ich, wenn Viola Theater spielt, auch mal etwas weniger arbeiten kann.

Ihre Frau hat eben den «Prix Walo»-Publikumspreis gewonnen – und sich bei Ihnen bedankt, dass Sie sie beim ersten Kind ermunterten, weiter ihren Weg zu gehen.
Ich finde, das gehört heute in eine Beziehung, das haben wir Männer uns selber eingebrockt (er lacht). Ich weiss, was es heisst, Hausfrau zu sein! Hierhin fahren, dorthin fahren, Essen machen, die Waschmaschine ausräumen – grauenvoll!

Sind Sie eigentlich stolz auf Viola?
Schon, aber meine Gefühle haben sich durch den Publikumspreis null verändert. Im Unterschied zu vielen weiss ich ja seit 13 Jahren, was sie kann, und habe immer gesagt, dass ihre Zeit kommen wird.

Sie beide wirken wie ein wahres Traumpaar!
Neeein, was wir manchmal für «Lämpä» haben! Aber was heisst schon Traumpaar? Für mich ist es eine Qualität in unserer Beziehung, dass wir uns auch mal sagen können: «Du nervst!» Und keiner fühlt sich vom anderen eingesperrt. Kürzlich hat mich Viola hinter den Kulissen bei «Hello Again!» besucht. Sie stand dann da und plauderte mit Helene Fischer. Ich dachte: «Da steht zwar die schöne Helene, aber Viola gefällt mir besser.» Mit ihr hatte ich einfach Glück. Zumal ich für sie eigentlich zu langweilig bin.

Wie bitte?
Nicht dass ich sie gefragt hätte. Aber ich sorge nicht gerade für viel Action. Aber als Mutter ist sie vielleicht ja auch froh, dass daheim etwas Ruhe herrscht.

Nebst dem, dass Sie gelassener und ruhiger geworden sind: Spüren Sie das Alter?
Ja, es frustriert mich täglich! Die Jahre gehen halt nicht spurlos an einem vorbei, auch wenn ich versuche, auf mich zu schauen.  Wenn ich alte Sendungen sehen, denke ich schon: «Heieiei!»

Würden Sie etwas an sich machen lassen?
Eine Kandidatin von «Top Secret» hat mir kürzlich dazu geraten. Und die Zuschauer haben geklatscht. Ich habe jetzt mal die Bodenseeklinik «gegoogelt», vielleicht finde ich im Herbst mal Zeit.

Dann sehen wir Sie im «Donnschtig-Jass» also noch in «alter Frische». Auf was freuen Sie sich eigentlich besonders?
Wieder mit dem ganzen Zirkus durchs Land zu ziehen, sonst sitze ich ja immer hier im Limmattal (er lacht). Wir sind bereit!