«Nadjas Erkrankung hat unsere Liebe noch stärker gemacht»

Ab dem 26. Juli wird um Medaillen gekämpft. Dann packt auch Kugel-Werni wieder das Olympiafieber. Er ist der letzte Schweizer Leichtathlet, der eine Olympia-Medaille gewonnen hat. Gattin Nadja wird ebenfalls mit Begeisterung zuschauen.

Von Thomas Wälti

Die Eröffnungsfeier in Paris wird bei mir Gänsehaut auslösen – und Erinnerungen wecken», prophezeit Werner Günthör (63). Die Schweizer Kugel­stosslegende freut sich schon jetzt auf den aussergewöhnlichen Einmarsch der 10  500 Athletinnen und Athleten am 26. Juli in Frankreichs Hauptstadt. Zum ersten Mal in der Geschichte sollen die Olympioniken nicht in einem Stadion ­begrüsst werden, sondern in Booten auf der Seine. Kugel-Werni sitzt dannzumal mit seiner Frau Nadja (59) daheim vor dem Fernseher, in einem Einfamilienhaus-Quartier in Erlach BE, direkt am Bielersee. «Grillen, chillen und Olympia schauen – das nenne ich Lebensqualität», sagt der Zwei-Meter-Riese mit sanfter Stimme.

Werner Günthör hat dreimal an Olympischen Sommerspielen teilgenommen. An der Schlussfeier in Barcelona 1992 trug er die Schweizer Fahne. «Stärkere Emotionen als diese Zeremonien kann nur der Gewinn einer Medaille auslösen. Als ich in Seoul auf dem Podest stand, hat es
mich durchgeschüttelt», sagt der Olympia-­Dritte von 1988 (21,99 m). Der Thurgauer ist der letzte Schweizer Leichtathlet, der eine Olympia-Medaille gewonnen hat. Das ist nun 36 Jahre her.

Der dreifache Kugelstoss-Weltmeister (1987, 1991 und 1993) kann sich vor­stellen, dass die Abgesandten von Swiss ­Athletics in Paris mit beherzten Auf­tritten in Medaillen­nähe kommen. Stabhochspringerin Angelica Moser (26), Hürden­läuferin Ditaji Kambundji (22) und Sieben­kämpferin Annik Kälin (24) traut er zu, mit einem Exploit, sprich neuem Schweizer Rekord, aufs Podest zu steigen. 

Es grenzte fast an Sabotage

Seine grösste Enttäuschung erlebt Werner Günthör an den Olympischen Sommerspielen 1992. Er reist als Favorit nach Barcelona. Viele halten ihn für fähig, erstmals für die Schweizer Leichtathletik eine Olympia-Goldmedaille zu gewinnen. Er wird Vierter. Die Vorbereitung gerät zum Desaster: Der Buschauffeur verfährt sich auf dem Weg ins Stadion. «Das Ganze grenzte schon fast an Sabotage. Ich schaffte es gerade noch an den Wettkampf. Mir blieben nur 20 Minuten und zwei Ver­suche beim Einstossen», erzählt der Leid­geplagte. Um anzufügen: «Ich war nicht in der Lage, diese Störfaktoren auszublenden. Ich konnte meinen Tunnelblick nie schärfen.» Nadja Günthör hört aufmerksam zu, dann sagt sie: «Die Enttäuschung von Barcelona hat unsere Beziehung gestärkt. Uns wurde bewusst, dass es im Leben auch solche Phasen zu meistern gilt.

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