Heiligabend pflegt sie Kranke

Sie würde eigentlich über die Feiertage selber viel Trost brauchen. Aber die Entertainerin denkt zuletzt an sich selbst und kümmert sich im Spital aufopferungsvoll um Covid-Kranke.

Vor zwei Jahren starb kurz vor Weihnachten ihre grosse Liebe Fritz Künzli. Während dieser besinnlichen Tage stellt sich die Präsidentin der Show Szene Schweiz und «Prix-­Walo»-Chefin wieder in den Dienst ihrer Mitmenschen. «Das erfüllt mich», sagt sie.

An den Wochenenden, auch vom 24. bis 26. Dezember, ist Monika Kaelin (67) oft als Pflegehelferin in der Zürcher Hirslanden Klinik tätig. «Ich möchte Menschen helfen, denen es gesundheitlich nicht gut geht, um sie wieder auf die Beine zu bringen. Aufmunterung tut allen gut, damit es den Patienten auch moralisch wieder besser geht.» Ihr Lebensmotto hiess schon immer: «Gutes tun und Freude bereiten.» Das könne sie hier im Spital bestens ausleben. «Wir sind hier in der Klinik Hirslanden Zürich eine ganz tolle Ärzte- und Pflege-Familie, haben in dieser schwierigen Zeit einen grossen Zusammenhalt.» Als Teilzeit-Pflegehelferin ist Monika Kaelin auch auf der Covid-Station anzutreffen. «Ich bin überall dort, wo Hilfe und Unterstützung dringend gebraucht werden – ausser in der Geburtenabteilung. Da ich selber ja keine Kinder habe, wäre ich da wohl überfordert.»

Weihnachten ist die Zeit, als vor zwei Jahren ihre grosse Liebe, Fussball-Legende Fritz Künzli, starb. «Ich denke zwar auch jetzt immer wieder an Fritz, und deshalb habe ich mich für diese Weihnachtsschichten entschieden. Auch weil ich in den letzten Jahren ein paarmal das Christfest in der Hirslanden Klinik mit Fritz verbracht habe, der verschiedene Operationen und Krankheiten über sich ergehen lassen musste. Deshalb weiss ich, wie hart es ist, diese Zeit statt mit der Familie im Spital verbringen zu müssen. Die Familienbesuche mache ich vorher und nachher.» Auch wenn sie Fritz nicht mehr habe, spüre sie ihn im Hirslanden überall. «Letztes Jahr war besonders hart. Aber ich fand Trost bei meiner eigenen Familie, meinen zwei Schwestern und meinem Bruder.» Dieses Jahr werde sie Fritz’ Todestag am 22. Dezember mit dem FCZ-Mami Mary-Lou Güntensperger verbringen, die an diesem Tag ihren 85. Geburtstag feiern kann.

Monika Kaelin hatte in der Klinik einschneidende Erlebnisse mit Covid-Patienten. «Ich arbeite nicht auf der Intensivstation. Aber öfters auf der Covid-Abteilung danach, wo die Menschen sehr viel Pflege und Hilfe brauchen. Sie müssen oft mühsam wieder lernen zu schlucken, zu gehen, ein Glas Wasser zu halten. Sie werden nur sehr langsam wieder etwas selbständig und müssen nachher oft Monate in der Reha verbringen, um wieder auf den Damm zu kommen. Das Virus greift den ganzen Körper an. Wenn man sieht, wie gestandene Mannsbilder nicht mehr funktionieren, dann macht man sich schon Gedanken darüber, warum so viele unter uns sich nicht impfen lassen wollen. Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, ist Impfen die einzige richtige Lösung.»

In den letzten Novembertagen hat sich Monika Kaelin vom «Prix-Walo»-Stress für eine Woche in ihrer Wohnung in Cannes an der Côte d’Azur erholt. «Wofür ich sonst vier Monate Zeit habe, gelang uns in sechs Wochen ein Riesenhosenlupf. Ich wollte und schaffte es, die Veranstaltung durchzuziehen, und bin sicher, dass mich Fritz dazu angetrieben hat. Mit der Omikron-Variante würde es jetzt nicht mehr klappen.» Cannes sei herrlich gewesen. Endlich einmal nichts tun, das habe sie total geniessen können. Fühlt sie sich manchmal auch einsam? «Ganz und gar nicht, weder in Cannes noch in der Schweiz. Klar bin ich zuweilen traurig, wenn mein Schätzli nicht mehr ‹umä isch›. Aber Fritz’ gute Ratschläge hallen nach. Ich war der Kiel, Fritz der Steuermann. Das ist noch heute der Fall. Sein Gedankengut ist noch tief in mir drin, und das hilft mir oft über Schwierigkeiten hinweg. Die geistige Ebene bleibt, auch wenn Fritz jetzt im Jenseits ist.» Dass sich Monika Kaelin wieder verlieben könnte, «kann ich persönlich eigentlich nicht glauben. Diese Frage kann ich nicht beantworten. Dabei wäre ich sicher für manchen Mann noch eine ‹gäbige› Frau. Ich denke, ich sehe für mein Alter noch nett aus», sagt sie und lacht. «Wenn es so sein sollte, dann schickt mir sicher Fritz diesen Mann.» Im neuen Jahr wird sich Monika Kaelin mit vollem Elan an die Arbeiten zum «Prix Walo 2022» machen und auch ihre Karriere als Entertainerin forcieren. «Hoffentlich hat sich bis dann die Corona-Situation beruhigt.»