So gleichen Sie Ihr Hormon-Chaos aus

Ob Heisshungerattacken, Energiemangel oder Stimmungsschwankungen: Spielen die Hormone verrückt, gibt es natürliche Wege, sie zu harmo­nisieren. Wie das geht, weiss die holländische ­Bestellerautorin Marjolein Dubbers.

Frauen reagieren sensibler auf Hormonschwankungen als Männer und sind deshalb viel empfindlicher für ein gestörtes Hormongleichgewicht – so die Erkenntnis der holländischen Bestsellerautorin Marjolein Dubbers. Sie spricht aus eigener Erfahrung: Vor sechs Jahren erlitt die damals 52-jährige Business-Frau einen heftigen Burnout. Trotz vollkommener Erschöpfung wollte sie sobald wie möglich wieder arbeiten – inklusive Geschäftsreisen und endloser Besprechungen.

Doch ihr Körper war damit nicht einverstanden! Und zwang sie zum Umdenken.

Der Arzt meinte, dies sei völlig normal, dass sie mit über 50 Jahren nicht mehr so fit sei. Damit wollte sich Marjolein Dubbers allerdings nicht abfinden: Schliesslich hatte sie noch so viel vor …

Und so kündigte sie ihren Job als Führungskraft, liess sich zum Vitalitätscoach ausbilden und lernte, was sie ändern muss, um ihren durch Arbeitsstress entgleisten Hormonhaushalt wieder ins Lot zu bringen. Um dieses natürliche Wissen mit möglichst vielen Frauen zu teilen, gründete Dubbers dann die «Energieke Vrouwen Academie» (Akademie für energiegeladene Frauen) und schrieb einen Ratgeber, der leicht verständlich erklärt, wie unsere Hormone ticken.

GlücksPost: In Ihrem Buch schreiben Sie: «Heisshungerattacken sind kein Mangel an Willenskraft. Es sind die Hormone, die uns zum Kühlschrank schicken». Sind Frauen ihren Hormonen tatsächlich derart willenlos ausgeliefert?
Marjolein Dubbers: Zahlreiche Frauen leiden unter Heisshungerattacken, insbesondere in den Tagen vor ihrer Periode. Oft haben sie ein schlechtes Gewissen und glauben, es liege an ihrem mangelnden Willen, wenn sie nicht aufhören können, Süssigkeiten zu verschlingen oder wenn sie generell zu viel essen. Ich möchte betroffene Frauen von Gefühlen der Schuld, Scham oder Wertlosigkeit befreien und ihnen aufzeigen, dass unsere weiblichen Hormone stärker sein können als unsere Willenskraft. Ich habe dieses Buch geschrieben, damit Frauen lernen, wie die Hormone in ihrem Körper funktionieren und wie sie mehr Kontrolle darüber gewinnen können.

Woran erkenne ich, ob ich tatsächlich an einem Hormon-Ungleichgewicht leide?
In meinem Buch erwähne ich mehr als 30 Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass die Hormone aus dem Gleichgewicht geraten sind. Das erste
und wichtigste Signal ist, meiner Meinung nach, ein Mangel an Energie und Lebensfreude. Er zeigt, dass etwas in die falsche Richtung geht.

Was sind die drei häufigsten Hormonprobleme, mit denen Frauen ab 40 Jahren kämpfen?
Die häufigsten hormonellen Störungen sind ein Körper, der zu viel Insulin produziert (weil frau zu viel Süsses isst) oder zu viel Cortisol herstellt (weil frau zu viel Stress hat). Sowie ein Ungleichgewicht zwischen den weiblichen Sexualhormonen Östrogen und Progesteron.

Nach den Wechseljahren wird oft ein Östrogenmangel befürchtet. Heutzutage ist das weitaus grössere Probleme aber oft ein
zu tiefer Progesteronspiegel im Vergleich zum Östrogen. Woran liegt das?
Der erste Grund ist der zu hohe Stresspegel, dem zahlreiche Frauen ausgesetzt sind. Da unser Organismus das Stresshormon Cortisol aus Progesteron aufbaut, führt immenser Stress dazu, dass Cortisol die verfügbare Menge an Progesteron «wegplündert». Der zweite Grund ist ein zu tiefer Progesteronspiegel – gemessen am vorhandenen Östrogen. Dieses Ungleichgewicht entsteht, wenn sogenannte Xeno-Östrogene in unseren Körper gelangen. Das sind toxische Chemikalien, die unser eigenes Östrogen nachahmen. Sie gelangen über unsere Nahrung, Kosmetika, Haushaltsreiniger oder Umweltverschmutzung in unseren Organismus.

Wie macht sich dieser relative Progesteronmangel bemerkbar?
Es gibt viele Symptome, aber am häufigsten sind Müdigkeit, PMS, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, schmerzhafte Menstruationen, Angstzustände und sogar Depressionen. Im schlimmsten Fall kann es gar zu hormonellem Krebs kommen.

Was hilft, das Gleichgewicht Östrogen–Progesteron grundsätzlich wieder herzustellen?
Zuallererst: Hände weg von sämtlichen giftigen Chemikalien in Essen und Haus. Essen Sie vorzugsweise biologische, frische Vollwertkost und verwenden Sie 100% Naturkosmetik.

Was sind Ihre persönlichen Tipps, um einen Progesteronmangel auszugleichen?
Beginnen Sie den Tag mit einem frischen Zitronensaft in warmem Wasser. Essen Sie viel grünes und farbenfrohes Gemüse sowie Früchte. Trinken Sie wenig Alkohol. Ein Vitamin-C-Nahrungsergänzungsmittel kann sinnvoll sein.

Gibt es sonst noch was bezüglich Hormonpower, das Ihnen am Herzen liegt?
Hormonelle Ungleichgewichte sowie jedes Gefühl von Unbehagen in Ihrem Körper sind eine Einladung, besser auf sich selbst zu achten. Machen Sie sich zur wichtigsten Person Ihres Lebens! Die Zeit dafür ist jetzt. Was immer Sie entspannt: Tun Sie es. Sei es laufen, Yoga, Meditationen, Achtsamkeitsübungen, spazieren gehen oder in der Badewanne einen Roman lesen. Tun Sie das, was Ihr Wohlbefinden erhöht. Wenn Sie sich um Ihren Körper kümmern, wird sich Ihr Körper um Sie kümmern. Das verspreche ich.

Buchtipp

Zentraler Bestandteil des Ratgebers «Hormonpower» von Marjolein Dubbers ist ihr 7-Punkte-Programm, das helfen soll, das Wechselspiel der weiblichen Hormone mittels Ernährung positiv zu beeinflussen. Ideal für Frauen, die ihre Ausstrahlung, ihre Leistungsfähigkeit und ihre psychische Gesundheit erhöhen wollen.(Heyne Verlag, Fr. 29.90, auch als E-Book).
Weitere Infos: www.marjoleindubbers.de