Berührende Einblicke in ihr Leben – und in ihre Seele

Ungewöhnlich offen sprach die «Tagesschau»-Frau über ihre Kindheit mit ihrem behinderten Bruder, den Tod der Mama und ihren speziellen Weg zum Babyglück.

Souverän und sympathisch präsentiert sie die News, ist aus der «Tagesschau» und unseren Wohnzimmern nicht mehr wegzudenken. Das verbindet Cornelia Boesch (41) mit anderen beliebten und kompetenten Fernsehgesichtern – und doch ist sie keine unter vielen.

Es ist ihr Mut, der sie abhebt. Der Mut, den Zuschauern nicht nur die Moderatorin zu zeigen, sondern auch die Frau dahinter. Angefangen 2014, als die leidenschaftliche Soul-Sängerin in der SRF-Sendung «Kampf der Orchester» ihr musikalisches Talent mit der Schweiz teilte. Im ProminentenSpecial von Roman Kilchspergers Quizshow «Top Secret» drückte  ihr kürzlich nicht nur ihr Gatte, Radiomann und Schlagzeuger Thomas Wild (63), im Publikum die Daumen, auch Sohn Florian (8) stand für einmal kurz im Rampenlicht.

Die Familie ist ihr Fundament, gerade in der heutigen, unruhigen Zeit. Ihr Beruf sei spannend, überraschend, vielseitig und sehr bewegt. Ihr Zuhause der totale Gegenpol. «Es ist wohlig warm und solide. Das ist, wenn man das Gefühl hat, es bleibt rundherum kein Stein auf dem anderen, sehr wohltuend, ich bin froh, dass es ist, wie es ist», erzählte sie eben in «Persönlich» auf Radio SRF 1 – und gab dann tiefe und berührende Einblicke in ihr Leben.

Kindheit

Cornelia Boesch hat einen älteren Bruder, der geistig behindert ist, er sei relativ stark autistisch. «Lange habe ich es gar nicht gemerkt, er war überall dabei, ‹eifach dä Chrigel›.» Irgendwann habe sie sich allerdings gefragt, warum sie daheim mehr tun müsse als er. Als sie etwa vier Jahre alt war, habe die Mutter mit ihr gesprochen. «Sie erklärte mir, dass Chrigel nicht gleich sei wie wir, und dass ich zwar die Kleine, aber irgendwie auch die Grosse sei. Sie meinte: ‹Du kannst ein bisschen mehr, aber musst auch ein bisschen mehr, du bist ein Teil der Familie, und wir brauchen dich, er braucht dich.›

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl: Okay, das ist jetzt meine Aufgabe, und diese habe ich bis heute ein bisschen, dass ich etwas zu ihm schaue. Wir haben eine recht enge Verbindung.»

Das Aufwachsen mit ihrem Bruder habe sie geprägt. Weil er lange nicht mit seinen Emotionen umgehen konnte, sei er manchmal am Boden gelegen, habe versucht, sich selbst wehzutun. Das seien Ausnahmesituationen gewesen, die im Familienalltag dazugehört hätten, auch wenn sie manchmal Angst hatte.

«Ich bin meinen Eltern dankbar, dass er immer dabei war. Ich hatte immer Mühe damit, wenn man Menschen mit Behinderung an den Rand der Gesellschaft drängt.» Sie habe durch diese Erfahrung viel gelernt. «Das Streben nach Hochglanz war für mich zum Beispiel nie erstes Ziel. Ja, ich finde es auch etwas uninteressant.»

Eltern

Beide Elternteile von Cornelia Boesch sind an Krebs verstorben, ihre Mutter vor etwa elf Jahren, was sie tief getroffen hat. «Ich glaube, gerade in unserer Generation, wo die Mütter noch viel zu Hause waren, ist das Verhältnis zueinander wahnsinnig innig», sagte sie in «Persönlich». «Gerade auch mit meinem behinderten Bruder, sie war eine zentrale Figur, eine tragende Säule.»

Sie sei beim Tod der Mama zwar schon erwachsen gewesen, habe ihn dennoch als viel zu früh empfunden. Damals hatte Cornelia Boesch noch keine Familie, auch die «Tagesschau» war noch kein Thema.

«Ich hatte wirklich grösste Mühe mit dem Zeitpunkt. Was ich beruflich erreichen kann, dass ich meinen Weg finde, hat sie nie gesehen. Sie war immer so gespannt, was aus mir wird und wen ich mal ‹nach Hause bringe›. Auch das hat sie nicht wirklich mitbekommen, vor allem auch unseren Sohn nicht. Das ist für eine junge Frau einfach etwas, das fehlt.»

Babyglück

Der Altersunterschied von über 20 Jahren zwischen ihr und Ehemann Thomas Wild falle zwar auf, wenn es zum Beispiel um Themen wie Lieblingsmusik gehe, Probleme mache er aber keine, viel eher fände sie ihn bereichernd.

Bemerkbar machte er sich auch bei der Familienplanung, wie die TV-Frau freimütig gestand. Weil ihr Mann aus erster Ehe bereits eine Tochter hatte, war er seit 14 oder 15 Jahren unterbunden. «Als wir zusammenkamen, sagte er, dass er gerne  nochmals eine Familie gründen würde.» Er habe dann gemeint, er müsse sich halt vorher flicken lassen, erzählt sie schmunzelnd, es sei quasi ein Experiment gewesen. Der Arzt habe gemeint, die Chancen stünden 50 zu 50. «Immerhin eine Chance, dachten wir. Eigentlich hätten wir etwa zwei Monate nach dem Eingriff zur Kontrolle gemusst. Da war ich dann aber schon schwanger.»

Ungewöhnlich offene Worte von Cornelia Boesch, die aber zeigen, dass die «Tagesschau» nur eine Seite von ihr ist, sie vielschichtig ist und ein Leben hat mit Höhen und Tiefen. So wie wir alle.