Die Medizin, die glücklicher macht

Wussten Sie, dass ­Erwachsene im Durchschnitt pro Tag nur 15-mal lächeln, während Kinder es 400-mal tun? Eine Schande, aber ja, wir verlernen es! Lachen Sie bewusst wieder öfter.

Wann haben Sie zuletzt so richtig gelacht? Wann zumindest die Mundwinkel etwas nach oben gezogen? Den wenigsten ist bewusst, dass sie viel zu selten lachen. Doch Untersuchungen belegen dies sogar länderspezifisch – und wir Schweizer gehören in dieser Studie leider zu den eher «humorlosen». Denn genau in Ländern, die wirtschaftlich und gesellschaftlich effizient funktionieren, kommt das Lachen tendenziell zu kurz: Je mehr Stress, desto weniger wird gelacht. Einfache Logik.

Lachen verändert

Lachen ist die beste Medizin, heisst es – und wenn nicht, dann immerhin ein sehr guter Rat. Davon ist Rolf Locher, Trainer für interaktive Kommunikation (www.hoho-hahaha.ch), überzeugt. Er findet: «Lach dich krank, so bist du gesund!» Der Lach-Spezialist weiss aber auch: «Es wäre unseriös zu sagen: ‹Lach doch einfach mal deinen Krebs oder deine Depression weg!› Aber ich darf aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich mehrere sehr erstaunliche und auch medizinisch nicht erklärbare, positive Veränderungen erleben und beobachten durfte. Die Gelotologie, die Wissenschaft des Lachens, befasst sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema und hat auch interessante Studien veröffentlicht.» Rolf Locher war, wie er selber sagt, ein «effizient funktionierender Unternehmer», der mit der Zeit gegen aussen immer mehr den Humor zeigte, den er im Innern empfand. Ein Fernsehbericht über Lach-Yoga brachte ihn zu seiner Berufung. Und zum Lachen.

Lachen heilt

Aber wie kann lachen heilen? Ganz einfach und naheliegend ist, dass Lachen für eine bessere und tiefere Atmung sorgt, dadurch die Sauerstoffversorgung erhöht und die Lungenelastizität verbessert wird. Doch das ist längst nicht alles: Die Herztätigkeit wird angeregt und der Kreislauf kommt in Schwung, der Blutdruck sinkt, und die Muskulatur wird stimuliert. Zudem soll das Lachen – und dies wurde in Studien glaubhaft nachgewiesen – Substanzen freisetzen, die entzündungshemmend und schmerzstillend wirken. Herzhaftes Lachen beeinflusst auch die Psyche und das nicht wenig. Hier gilt, wie der indische Arzt und Lachyoga-Entwickler Madan Kataria es beschreibt: «Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind – wir sind glücklich, weil wir lachen.»

Lachen heilt also nicht nur, sondern beugt auch Krankheiten vor. Gerade auch im Alter ist Humor somit sehr sinnvoll und wichtig für die Gesundheitsförderung. Aber auch die Ausstrahlung, das Selbstwertgefühl, die Haltung und die Kommunikation verändert sich dadurch. Wer lacht, hat eine andere, positivere Ausstrahlung – und die zeigt ihre Wirkung.

Therapieformen

Lach-Yoga? Richtig gelesen. Eine einzige Lach-Yoga-Stunde, in der leichte Körper-Übungen mit Atem und Lachen kombiniert werden, hilft, lockerer und entspannter durch den Alltag zu gehen. Aus einem grundlosen Lachen, das sich zu Beginn recht seltsam anfühlen kann, wird mit der Zeit ein «echtes» Lachen. Vor allem in der Gruppe entsteht eine Dynamik, die ansteckt und alle herzlich lachen lässt. Ziel erreicht.

Auch in Lachclubs geht es lustig zu und her: über 6000 davon gibt es weltweit! Rolf Locher: «Ein Lachclub ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich dem Lächeln annähern und das Lachen wiederentdecken wollen, ohne dabei komisch wahrgenommen zu werden. Ein Treffen, das regelmässig und unter Anleitung stattfindet.» Auch der Lachtherapeut selbst leitet einen Lachclub und weiss: «Man braucht nur einen lachfähigen Körper sowie Lust und Zeit, sich darauf einzulassen. Dann kommt das Lachen von alleine.»

Selbsttherapie

Lachen ohne Grund? Ganz alleine, einfach so? Geht nicht? Geht wohl! Stellen Sie sich vor den Spiegel und lächeln Sie. Rolf Locher: «Von den Mundecken bis zu den Ohren Zähne zeigen und laut die Vokale hihihihi, hohohoho oder hahahahaha sagen, bis daraus ein echtes Lachen wird. Freuen Sie sich darüber, dass es lächerlich ist!» Und wenn es nicht auf Anhieb klappt, üben Sie es – das wird schon. Besonders wichtig ist Lachen übrigens dann, wenn Ihnen der Atem stockt. Also dann, wenn Ihnen so gar nicht danach ist. Nutzen Sie diese Gelegenheit zum Atmen, Lächeln und herzhaft lachen!