Wenn Eva Marie Saint heute in ihrem Apartment in Los Angeles in Erinnerungen schwelgt, kann sie auf ein ganzes Jahrhundert zurückblicken. Mit stolzen 101 Jahren ist sie die älteste lebende «Oscar»-Preisträgerin der Welt. Die zierliche Frau hat einst alle Hollywood-Giganten gezähmt und nimmt ihr biblisches Alter nun mit viel Humor. «Das Alter ist nur eine Zahl, aber in meinem Fall ist es eine verdammt grosse Zahl!», scherzte sie jüngst.
Ihre Karriere hat zwei glanzvolle Höhepunkte. Erst das sensationelle Kinodebüt in «Die Faust im Nacken» (1954) mit Marlon Brando (1924–2004), das ihr das Gold-Männchen als beste Nebendarstellerin einbrachte. Und dann der unvergessene Auftritt in Alfred Hitchcocks Meisterwerk «Der unsichtbare Dritte» (1959). Als verführerische Spionin verdrehte sie darin Cary Grant (1904–1986) den Kopf.
Schwere Umstellung nach Tod ihres Mannes
Doch der grösste Erfolg ihres Lebens spielte sich abseits der Scheinwerfer ab. In einer Show-Welt, die für Kurzzeit-Ehen berüchtigt ist, blieb Eva Marie Saint 65 Jahre mit dem Regisseur Jeffrey Hayden († 90) verheiratet – bis zu dessen Tod 2016. Ein Verlust, der sie tief traf. Das Alleinsein war eine harte Lektion: «Nach Jahrzehnten gemeinsamen Essens plötzlich einen Tisch für eine Person zu decken, war die schwerste Umstellung meines Lebens.»
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Heute geniesst sie ihren Lebensabend im Kreis ihrer Familie. Ihre Kinder, Darrell (71) und Laurette (67), sowie drei Enkelkinder und zwei Urenkel halten die Ikone jung. Erst kürzlich feierte die Familie ein rauschendes Fest, bei dem vier Generationen zusammenkamen. Den Starrummel von einst betrachtet sie mit amüsierter Distanz. «Ich habe den Erfolg nie als mein Zuhause gesehen, sondern nur als ein sehr schönes Hotel, in dem man mal Urlaub macht», reflektiert sie weise.
Eva Marie Saint 2018 an einer Filmparty. imago/Newscom / AdMedia
Eva Marie Saint 2018 an einer Filmparty. imago/Newscom / AdMedia
Eva Marie Saint brauchte nie Filter oder Schönheits-OPs. «Jede Falte erzählt eine Geschichte von Liebe, Verlust und Leidenschaften», sagt sie. Wenn man sie fragt, wie sie auf ihr monumentales Leben zurückblickt, antwortet sie mit diesem unnachahmlichen, funkelnden Lächeln: «Ich habe immer mein Bestes gegeben. Und wissen Sie was? Es war eine verdammt gute Reise.»