Flüchtlingskind wird Schach-Star

Noch im März dieses Jahres lebte Tanitoluwa «Tani» Adewumi mit seiner Familie in einer Obdachlosen-Unterkunft in New York. Sie waren 2017 aus Nigeria in die USA geflüchtet. Als der Achtjährige an seiner Schule Schach spielen lernt, ändert sich alles.

What a difference a day makes», sang Aretha Franklin (†) 1964. Welch ein Unterschied ein einziger Tag macht – das stimmt auch für Tanitoluwa Adewumi (8). Noch vor drei Monaten lebte Tani, wie er genannt wird, mit seinen Eltern und dem älteren Bruder als Flüchtling in New York. Ein Zuhause haben sie nicht. Adewumis müssen 2017 aus Nigeria in die USA flüchten. Als Christen werden sie in ihrer Heimat von der islamischen Terrorgruppe Boko Haram verfolgt.

Tani darf an die örtliche Grundschule, wo ihm ein Lehrer vor etwas mehr als einem Jahr das Schachspiel beibringt. Der Junge ist sofort fasziniert. Doch der Familie fehlt das Geld, um ihn in seiner neuen Leidenschaft zu unterstützen. Sein Lehrer sorgt dafür, dass Tani kostenlos in den Schach-Club der Schule darf. Jede freie Minute übt er zu Hause am Computer seiner Eltern. An den Wochenenden bringt ihn die Mutter zu freien Trainings. Er nimmt an ein paar kleineren Turnieren teil, die er alle gewinnt.

Dann folgen die Schachmeisterschaften des Bundesstaates New York. Auch hier heisst der Gewinner in seiner Altersklasse Tani! Das Bild des Buben mit dem riesigen Pokal geht um die Welt. Und plötzlich steht das Leben der Familie kopf: Als ihre Geschichte publik wird, rollt eine riesige Solidaritätswelle über sie. Den Adewumis wird teilweise luxuriöser Wohnraum angeboten. Eine Fundraisingaktion bringt 245 000 Dollar für Tani ein.

Doch statt im Luxus zu schwelgen, bleiben Adewumis bescheiden: Sie entscheiden sich für eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe von Tanis Schule. Ein Gönner zahlt die Miete für ein Jahr. Möbel und Haushaltsgegenstände spendet jemand anderer.

Auch das für Tani gesammelte Geld soll nicht auf dem eigenen Konto bleiben: Ein Teil geht an die Kirche, die die Familie nach der Flucht unterstützte. Der Rest fliesst in die neu gegründete «Tanitoluwa Adewumi Foundation». Die Stiftung soll afrikanischen Einwanderern helfen, in den Vereinigten Staaten Fuss zu fassen.

Auch die von diversen Privatschulen angebotenen Stipendien möchten Tanis Eltern erst später geltend machen. Vorerst soll er an der Schule bleiben, die den Grundstein für alles gelegt und ihm das Schachspielen beigebracht hat.

Diese Haltung beschert Tanis Familie weitere Sympathien: Sie wird am Tribeca Film Festival mit dem «Disruptive Innovation Award» für Menschen geehrt, die andere mit ihrem kreativen Aktivismus inspirieren. Tani will sein Schachspiel natürlich weiter perfektionieren. Alle sind sich einig: Dieser Junge hat eine grosse Karriere vor sich.