Das Leid sichtbar machen

Man kann kaum hinschauen. Doch Tierretter Viktor Larkhill will, dass die Menschen sehen, was er sieht – unfassbar geschundene, verwahrloste Kreaturen.

Sie irrt in den Bergen Südspanens umher. Blind. Beide Vorderbeine gebrochen. Irgendjemand findet die arme Kreatur, verbindet das eine Bein und lässt sie wieder allein zurück. Immerhin gelangt ein Video an Tierretter Viktor Larkhill (48). Die Aufnahmen der geschundenen Hündin gehen um die Welt.

Larkhill zögert nicht lange und bringt Luna, wie er die Hündin tauft, ins Valencia Sur Hospital Veterinario, mit dem er regelmässig zusammenarbeitet. In der hochspezialisierten Einrichtung werden der Hündin die vermutlich vorsätzlich gebrochenen Beine geschient, ihre Wunden versorgt. Eine Operation rettet eines ihrer getrübten Augen. Zudem stellt sich heraus, dass sie zwei tote Babys in sich trägt.

Nach sechs Monaten kann Luna wieder laufen, ist gesund und sieht auch so aus. Larkhill bringt sie in ihr neues Zuhause. Eine junge Spanierin, die bereits zwei Hunde besitzt, nimmt sie auf. In dem grossen Haus und dank der Liebe ihres neuen Frauchens blüht Luna auf, rennt mit ihren neuen Spielgefährten durch den weitläufigen Garten.

Für Viktor Larkhill ist das eines von vielen tragischen Tierschicksalen, die er in den vergangenen zehn Jahren erlebt hat. Der Spanier war ursprünglich in allen möglichen Ländern als Unternehmer tätig. Während er in Istanbul lebt, findet er Strassenhündin Simba. «Sie war schon alt, ihre Beine gebrochen», erzählt Viktor der GlücksPost. Er kann nicht mehr viel tun. An einem trüben Wintertag muss er von Simba Abschied nehmen. «Sie hatte das nicht verdient. Die Wut kochte in mir. Ich war so schockiert, dass ich mich entschied, etwas zu tun. Sofort.»

Simbas Schicksal wird zu seinem Schicksal: Viktor geht zurück in seine Heimat Spanien, gründet die Tierschutzorganisation «Let’s adopt international». Inzwischen hat er Tausende von Tierleben gerettet. Verwahrloste, ausgesetzte, misshandelte Vierbeiner mit schrecklichen Verletzungen erhalten durch Spenden eine hochwertige veterinäre Behandlung. Den im Stich gelassenen Tieren organisiert er ein neues Heim. «Gerade aus der Schweiz erhalten wir viel Unterstützung.»

Seine Rettungsaktionen dokumentiert Viktor Larkhill und stellt sie auf einen YouTube-Kanal unter seinem Namen. Es ist schwer erträglich, die Videos anzusehen. Doch genau das will er: «Geschichten wie die von Luna würde mir keiner glauben, so entsetzlich sind sie! Nur wenn die Leute das ganze Elend sehen, verstehen sie. Und sind eher bereit, mitzuhelfen.»