Kronprinzessin Mette-Marit

Blick in eine ungewisse Zukunft

Dem Kronprinzenpaar von Norwegen stehen die schlimmsten Wochen bevor. Inmitten des schweren Gerichtsprozesses, der Gesundheitssorgen und Selbstvorwürfe müssen Prinzessin Mette-Marit und Prinz Haakon ihre Vertrauenswürdigkeit beweisen.

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Auf Kronprinzessin Mette-Marit warten belastende Wochen. Halt bekommt sie von ihrem Mann, Thronfolger Haakon. Getty Images

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Es ist wie ein Albtraum, aus dem Kronprinzessin Mette-Marit (52) einfach nicht aufwachen kann. Und die grösste Qual kommt erst. Ab dem 3. Februar wird ihrem ältesten Sohn, der aus einer früheren Beziehung stammt, der Prozess gemacht. Ursprünglich sollte Marius Borg Høiby (29) sich wegen 32 Anklagepunkten, darunter Vergewaltigung in vier Fällen, häusliche Gewalt, Sachbeschädigung und Bedrohung, vor Gericht verantworten. Doch vor kurzem sind sechs weitere ­dazugekommen – dazu gehört ein schweres Drogendelikt, bei dem es um 3,5 Kilogramm Marihuana geht. Sechs Wochen lang ist das Verfahren ­angesetzt. Sechs Wochen voller Entsetzen, Angst und Leid. Jedes neue Detail ist ein weiterer Stich mitten ins Herz der Kronprinzessin. Man fragt sich, wie viel Schmerz vermag dieses noch zu ertragen?
Gegen aussen lässt sich die Ehefrau von Kronprinz Haakon (52) nichts anmerken. Sie steht tapfer ihre Termine durch, lächelt freundlich. Doch innerlich ist die Situa­tion eine Zerreissprobe. Für die norwegische Royal-Expertin Tove Taalesen (53), die einst die erste weibliche ­Lakaiin am königlichen Hof war, ist klar, dass Mette-Marit unter ausserordentlichem Druck steht. «Sie navigiert durch eine zutiefst persönliche Krise, während sie gleichzeitig eine zentrale Figur des öffentlichen Lebens bleibt, von der Stabilität und Kontrolle ­erwartet werden», sagt sie. Ihr öffentliches Auftreten spiegle Zurückhaltung und Disziplin wider – was im royalen Leben normalerweise ein Zeichen von Pflicht­bewusstsein sei, nicht von emotionalem Wohlbefinden.

Spekulationen durch Schweigen

Zurückhaltung bewiesen Mette-Marit und der Palast auch bei ihren Äusserungen. Die meiste Zeit über hat das norwegische ­Königshaus geschwiegen. Für das Kronprinzenpaar ist klar: Die Angelegenheit ­gehört vor Gericht. Bevor der Fall nicht verhandelt worden ist, wollen sie sich dazu oder zu anderen privaten Angelegen­heiten nicht äussern. Taalesen findet ­diese Haltung zwar verständlich, sieht aber auch eine Gefahr darin: «In hochkarätigen ­royalen Krisen erzeugt Schweigen ein Vakuum, und dieses Vakuum wird durch Spekulationen gefüllt.»
Doch es sind nicht nur die Gerüchte, die Mette-Marit Kräfte rauben. Es ist die beissende Kritik, die die künftige Königin mitten ins Mark trifft. Dass man ihr vorwirft, als Mutter versagt zu haben, schmerzt mehr als jede Schlagzeile. «Was mich vielleicht am meisten traurig macht, ist, dass wir dafür kritisiert werden, wie wir als ­Eltern damit umgegangen sind. Dass wir es nicht ernst genommen haben. Das ­finde ich schwierig», sagte sie in der NRK-­Sendung «Das Jahr mit der Königsfamilie». Denn sie hätten versucht, ihr Bestes zu ­geben, und sich professionelle Hilfe geholt. Als Eltern sei man ganz besonders verletzlich. «Und alle Eltern, vielleicht besonders solche, die in derselben Situation waren wie wir, können sich wohl damit identifizieren, dass damit unglaublich viel Selbstvorwürfe verbunden sind», betont die Norwegerin. Zusätzlich schmerzt die räumliche Distanz zu ihren jüngeren ­Kindern, Ingrid Alexandra (22) und Sverre Magnus (20), die für ihre Ausbildung im Ausland weilen. In den schwersten Stunden ihrer Mutter sind sie weit weg.

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Mette-Marit hat aber nicht nur mit den Vorwürfen gegen ihren Sohn und die Kritik an ihrer eigenen Person zu kämpfen, sondern auch mit ihrer Gesundheit. Vor Jahreswechsel gab der Palast bekannt, dass sich ihre Lungenfibrose verschlechtert hat und sie in Zukunft ein Spender­organ braucht. Eine Entwicklung, die die ganze Familie mitnimmt. Ehemann Haakon steht ihr so gut es geht zur Seite, ist ihr Fels in der Brandung. Ihre Arbeit kann Mette-­Marit aber nicht mehr so ­ausführen, wie sie es sich wünscht. Die Kombination aus Krankheit und der ­emotionalen Belastung ist ein Teufelskreis, der sich zusätzlich negativ auf ihre ­Gesundheit auswirken kann. «Konflikte und öffentlicher Druck zehren natürlich an den Kräften, machen müde und ver­ringern die Motivation, sich zu bewegen, die eigene Wohnung zu verlassen. Akuter Stress und Anspannung lassen auch Herzschlag und Atmung schneller werden» erklärte Prof. Dr. med. Christian Clarenbach, leitender Arzt der Klinik für Pneumologie des Universitätsspitals ­Zürich, schon vergangenen Herbst, als sie in die Reha musste. Es ist also fraglich, ob Mette-Marits ­Gesundheit ihre Präsenz im Gericht ­überhaupt zulässt. Und welches Mutterherz würde es ertragen, im ­Gerichtssaal die Verfehlungen des eigenen Kindes im Detail anhören zu müssen? Royal-Expertin Tove Taalesen vermutet, dass das Königshaus wohl bewusst bereits jetzt über den Gesundheits­zustand von Mette-Marit informiert hat, um Spekulationen im Rahmen des Prozesses gering zu halten.

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Grosser Schaden

Bei einer Verurteilung drohen Marius Borg Høiby, der bei seiner Mutter und seinem Stiefvater aufgewachsen ist, bis zu zehn Jahre Haft. Ein Schuldspruch hätte auch rufschädigende Konsequenzen für Mette-Marit und ­Haakon. «Eine Verurteilung würde die Prüfung ihres Urteilsver­mögens, ihrer Grenzziehung und ihres Krisen­managements intensivieren. Vom künftigen Königs­paar würde erwartet werden, klar und konsequent zu demonstrieren, dass familiäre Loyalität nicht in institutionelle Privi­legien umschlägt», erklärt Taalesen. Der Schaden sei schon jetzt gravierend. Nicht weil Borg Høiby einen königlichen Titel trage – das tut er nicht –, sondern weil die Anschuldigungen die Kronprinzessin direkt betreffen. «Die norwegische ­Monarchie stützt sich nicht auf Macht, sondern auf Ver­trauen. Wenn dieses ­Vertrauen auf die ­Probe gestellt wird, sind die Auswirkungen unvermeidlich.» Auch die Sorgen einer Bevorteilung im Prozess ­seien da.

Grundlegende Diskussion

Der Fall hat längst eine immense Dimension in Norwegen angenommen: Das ­Gerichtsverfahren spaltet das Land. Viele Menschen hätten sich emotional bereits festgelegt, da die Vor­würfe schwerwiegend sind und die Bericht­erstattung intensiv ist. Dazu wurde eine grundlegende Diskussion über die symbolische Rolle der Kronprinzessin ausgelöst. ­Dieser Fall habe eine schwierige, aber notwendige Unterscheidung erzwungen: Mette-Marit als Mutter und Mette-­Marit als Institution. «Die meisten Menschen akzeptieren ihre private ­Loyalität zu ihrem Sohn als selbstverständlich. Was jetzt ­geprüft wird, ist, wie diese Loyalität mit einer öffentlichen Rolle koexistiert, die Fairness, Zurückhaltung und Respekt vor dem Rechtsstaat verkörpern soll.» In diesem Sinne wird dies nicht mehr nur als Familienkrise betrachtet. Es geht um weit mehr: «Es ist zu einem Test dafür geworden, was die Norweger von ihrer Monarchie erwarten, wenn private Tragödie auf öffentliche Verantwortung trifft.»

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Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die Liebe ihrer Familie und der Halt ihres Ehemannes Mette-Marit durch diese finstere Zeit trägt. Denn egal, ob Kronprinzessin oder nicht: Im Herzen bleibt sie eine ­Mutter, die sich um ihren Sohn sorgt.
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