Ihr Terminkalender glich in den letzten Wochen dem einer Königin. Zunächst begleitete Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) ihren Vater erstmals zum Galadinner für das norwegische Parlament Storting, kurz darauf folgte der nächste Meilenstein: Ganz allein empfing die Norwegerin im Osloer Schloss Vertreter des Projekts «Operasjon Dagsverk» zu ihrer ersten Solo-Audienz als Kronprinzessin. Bei dieser Solidaritätsaktion sammeln Schülerinnen und Schüler in Norwegen Spenden für Ausbildungsprojekte in ärmeren Ländern. Der Ort für den Empfang barg grosse Symbolik. Sie begrüsste die Jugendlichen im Arkadenzimmer. Es ist genau jenes Büro, das zuvor jahrelang ihr Vater genutzt hatte. Während König Haakon VIII. (53) ein neues Arbeitszimmer bezogen hat, rückte sie an seinen früheren Schreibtisch nach.
Nicht nur ihre Souveränität fiel auf, sondern auch eine optische Verwandlung. Passend zum neuen Lebenskapitel überraschte Ingrid Alexandra mit ihrem Aussehen: Ihre Haare strahlen jetzt in einem helleren Blond. Ein Auftritt, der an ihre Mutter erinnert.
Unterstützung für ihren Vater
Für Ingrid Alexandra beginnt eine historische Ära. Weil sich Königin Mette-Marit (53) nach ihrer Lungentransplantation noch schonen muss, rückt sie vorübergehend an vorderste Front. Ihretwegen ist sie in erster Linie für ein Austauschsemester aus Australien nach Oslo zurückgekehrt. Immer wieder nimmt sie seit Haakons Thronbesteigung den Platz an der Seite ihres Vaters ein, der eigentlich Mette-Marit gehört. Wie gross die Dankbarkeit ist, zeigte sich beim Galadinner für das Parlament. König Haakon VIII. würdigte seine Kinder in seiner Rede mit berührenden Worten: Ingrid und ihr Bruder Sverre Magnus (20) seien «immer dann zur Stelle, wenn sie am dringendsten gebraucht werden».
Und auch in Norwegen kommt sie mit ihrer Art gut an. Adelsexperten loben die bemerkenswerte Sicherheit der 22-Jährigen. Mit Frische und Intellekt gewinne sie eine neue Generation für die Krone. Durch die Wahl ihrer ersten Gäste setzt sie zudem ein klares Zeichen für die Jugend und Solidarität. Ob das schon die Richtung ihrer künftigen Herzensthemen vorgibt?
Pause in der Schweiz
Dass derzeit so viel Verantwortung auf ihr ruht, liegt auch am knappen Personal im Palast. Königin Sonja (89) nimmt sich nach dem Tod von König Harald († 89) verständlicherweise Auszeiten. Kürzlich tankte die Monarchin mit Freundinnen in den Schweizer Alpen Kraft: Im Bündner Hotel Berghuus Radons fand sie bei Wanderungen Erholung, ehe offizielle Termine sie ins spanische Málaga führten.
Trotz aller Hingabe bleibt Ingrid Alexandra vorerst eine Königin auf Zeit. Denn die Norwegerin vergisst trotz ihrer Pflichten nicht das Recht auf die eigene Jugend.
Bereits im Februar reist sie zurück nach Australien, um ihr Vollzeitstudium der Sozialwissenschaften fortzusetzen. Down Under tauscht sie die Palastsäle wieder gegen Hörsaal und Strand. Weit weg in Sydney kann sie einfach nur Ingrid Alexandra sein und eine Freiheit geniessen, die sie in Norwegen niemals haben wird. Eine bedeutende Zeit für die künftige Regentin, ehe die Krone sie endgültig fordert.