Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit vor der grössten Herausforderung seiner Ehe. Um diese überwinden zu können, braucht es einen Vertrauensvorschuss und absolute Ehrlichkeit.
Als sich Kronprinz Haakon (52) und Kronprinzessin Mette-Marit (52) 2001 das Versprechen «in guten wie in schlechten Zeiten» gaben, haben sie wohl kaum gedacht, wie prekär ihre Lage einmal werden würde. Nicht nur steht der Sohn der Norwegerin, Marius Borg Høiby (29), wegen mehrerer Vergewaltigungs- und Gewaltvorwürfe vor Gericht, auch sie selbst sorgt für einen Skandal. Ihr früherer Kontakt zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953–2019) löst im Volk Empörung aus. Und die Situation belastet ihre Ehe. So berichtet das norwegische Magazin «Se og Hør»: «Insider beschreiben das, was jetzt passiert, als eine Krise – nicht nur für die Institution, sondern auch für die Beziehung zwischen Mette-Marit und Haakon.» Auch das Verhältnis zum Königspaar leide darunter. «Am Hof ist eine Eisfront entstanden.»
Das Verhältnis von Königin Sonja und König Harald V. zu ihrer Schwiegertochter soll abgekühlt sein.Getty Images
Das Verhältnis von Königin Sonja und König Harald V. zu ihrer Schwiegertochter soll abgekühlt sein.Getty Images
Besonders ihre an die Öffentlichkeit geratenen Nachrichten an Jeffrey Epstein dürften den Thronfolger tief getroffen haben, hatten diese doch auch einen flirtenden Ton. Wie schmerzhaft ein solcher Vertrauensbruch sein kann, weiss Paarberaterin Belinda Daniele von Paarberatung im Kanton Zürich. «Die Beziehung, die Paargeschichte und auch das Bild des Partners werden beschädigt, was erst mal in das eigene Erleben integriert werden muss. Enttäuschung und Wut sind Folgen der Verletzung eigener Grenzen», erklärt sie. Für Haakon bedeutet dies ein emotionales Dilemma. Werden die eigenen Grenzen verletzt, folgt oft tiefes Misstrauen. Man hinterfragt plötzlich alles, was der Partner sagt oder tut. «Es kann auch eine innere Distanzierung vom Partner stattfinden, um sich zu schützen», so die Expertin.
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Herausfordernde Krankheit
Erschwerend kommt hinzu, dass Mette-Marit an einer schweren Lungenfibrose leidet. Ende letzten Jahres gab der Palast bekannt, dass sie in Zukunft auf ein Spenderorgan angewiesen ist. In den letzten Wochen hat sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie plane, sich noch zu ihrer Epstein-Verbindung zu äussern, ihr Gesundheitszustand lässt es aber momentan nicht zu. Vor wenigen Tagen betonte der Palast, sie habe einen «zunehmenden Bedarf an massgeschneiderter Bewegung, Ruhe und Erholung».
Nun könnte man meinen, Haakon solle Konflikte vermeiden, um seine kranke Frau zu schonen. Doch Belinda Daniele warnt davor, die Klärung der Konflikte hinauszuzögern. «Es ist ja nicht so, dass das Thema vom Tisch ist, nur weil man nicht darüber redet. Das liegt ja auch unausgesprochen zwischen den beiden.» Durch die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit könne eine schwere Erkrankung ein Wiederzueinanderfinden auch fördern. «Zudem wissen wir, dass Versöhnung sich positiv auf alle gesundheitlichen Marker auswirkt», sagt die Paarberaterin.
Offene Gespräche nötig
Doch wie gelingt es, wieder Vertrauen zueinander aufzubauen und seinem Partner zu vergeben? Für Belinda Daniele braucht es dafür einen Vertrauensvorschuss und offene Gespräche. «Sehr zentral ist vor allem auch, dass die Person mit dem Fehlverhalten die eigenen Anteile erkennt und Verantwortung übernimmt.» Mette-Marit muss also echte Einsicht zeigen. Denn für Haakon steht mehr auf dem Spiel als das private Glück. Er ist zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Frau und der Pflicht gegenüber der Krone.
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Ein kleiner Lichtblick: Die beiden wissen, wie man als Paar Widerstände überwindet. Schon zu Beginn ihrer Beziehung mussten sie um ihre Liebe kämpfen. Die einstige Partyvergangenheit der Norwegerin machte beim Volk keinen guten Eindruck. Doch Haakon hielt zu ihr. Solche Rückblicke können das Paar nun stärken. Doch vor allem braucht es eine ehrliche Entschuldigung und Reue. Nur so können sie bewusst nochmals Ja zueinander sagen. «Kaum etwas ist schwieriger und kaum etwas ist befreiender als Versöhnung.» Bleibt zu hoffen, dass das Kronprinzenpaar diese Befreiung findet.
So geht es weiter
Mit dem letzten Prozesstag am 19. März beginnt nun das grosse Warten für Marius Borg Høiby. Wann das Urteil zu seinen 38 Anklagepunkten kommt, ist noch nicht offiziell bestätigt. Norwegische Medien gehen jedoch davon aus, dass mit einer Urteilsverkündung im Mai zu rechnen ist. Vorerst muss der Norweger in Untersuchungshaft ausharren. Ein Antrag auf Freilassung wurde vom Gericht wegen Wiederholungsgefahr abgelehnt.