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Königin Mary und König Frederik X.

Regentschaft mit Verschnaufpausen

Das minimalistische Arbeitspensum von König Frederik X. sorgt für Unmut. Doch steckt hinter all den Ferien und Auszeiten ein ernster Grund?

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Glanzvolle Empfänge, viele Kultur­termine und ein Galadinner auf Schloss Christiansborg: Beim viertägigen Staatsbesuch des vietnamesischen Präsidentenpaars in Kopenhagen zeigen sich König Frederik X. (58) und Königin Mary (54) zunächst als perfekte Gastgeber. Doch das makellose Bild bekommt rasch Risse. Mitten im dichten Tagesprogramm klinkt sich der Monarch für mehrere Stunden einfach aus. Während Mary die First Lady zu kulturellen Anlässen begleitet, bleibt der vietnamesische Staatspräsident Tô Lâm (69) ohne royale Begleitung. Frederik taucht ab. Das sorgt in seiner Heimat einmal mehr für Kopfschütteln.
Allein im vergangenen Jahr verliess der Däne seine Heimat ganze elf Mal für Ferien und Kurztrips. Rund 50 freie Tage ­sammelte er so an – doppelt so viele wie die 25 Tage, die der dänischen Bevölkerung üblicherweise zustehen. Adelsexpertin Trine Villemann von der dänischen Zeitung «Ekstra Bladet» urteilt: «Der Kontrast zwischen der Art, wie seine Mutter Königin war, und der Art, wie er König ist, fällt mir besonders auf. Er ist enorm. Jetzt haben wir einen Teilzeitkönig.» Sie mahnt, dass das Volk ihn schliesslich dafür be­zahle, König zu sein, und nicht als Privat­person.

Ferien in der Schweiz

Neben diversen anderen Auslands­reisen fallen auch seine geliebten Aufenthalte in der Schweiz in diese Kategorie der Flucht aus dem Alltag. In Verbier VS besitzt das Königspaar ein schönes Chalet, in das sich Frederik mit seiner ­Familie immer wieder gerne zurückzieht. So reiste er auch seit seiner Thronbesteigung mehrere Male in die Walliser Berge, wurde schon beim Skifahren mit seinen Kindern gesichtet.
Die Dänen sind sich etwas anderes gewohnt. 52 Jahre lang stand für Frederiks Mutter, Altkönigin Margrethe II. (86), die Pflicht über allem. Selbst im hohen Alter und trotz gesundheitlicher Rückschläge ist sie nicht zu bremsen. Nach einem Spitalaufenthalt im September, bedingt durch eine Blutansammlung in der Hüfte und eine leichte Dehydrierung, zeigte sie sich kurz darauf wieder im Einsatz – sogar mit einem Pflaster auf der Nase bei einem öffent­lichen Termin. Für sie, so Villemann, käme das Land immer an erster Stelle. Bei Frederik hingegen wirke es so, als müssten die royalen Pflichten in seine Ferien­planung passen.

Auszeiten als Selbstfürsorge

Der König selbst sieht das anders. In ­seinem Buch «Königswort», das zum Thronwechsel 2024 erschien, erklärte er, wie wichtig regelmässige Verschnauf­pausen seien, da künftig noch mehr Aufgaben auf das Königspaar zukämen. Ein gewagtes Argument, das bei Wirtschaftsvertretern oder Politikerinnen wohl undenk­bar wäre. Doch womöglich greift die Kritik an seiner vermeintlichen Arbeits­scheu auch schlicht zu kurz. Es ist kein Geheimnis, dass Frederik in jüngeren Jahren schwer mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. Er litt unter Depressionen und Ängsten. Der Gedanke an die Thronfolge habe bei ihm eine regelrechte Phobie ausgelöst. Er sprach in der Vergangenheit sogar offen über Suizidgedanken und das beklemmende Gefühl, sein Leben sei vorbei.

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Vor diesem Hintergrund könnten seine Pausen weniger mit mangelndem Pflichtbewusstsein zu tun haben als vielmehr mit einer für ihn notwendigen Form der Selbstfürsorge. Möglicherweise sind die Auszeiten in den Schweizer Bergen und abseits des royalen Trubels König Frederiks Weg, die Balance zu halten und Kraft für die Herausforderungen seines Amtes zu tanken.
Dennoch stellt sich die Frage, ob das fair gegenüber den Däninnen und Dänen ist, die diese Möglichkeit nicht haben. So bleibt abzuwarten, ob der Monarch einen Weg findet, seine eigenen Bedürfnisse mit den verständlicherweise hohen Erwartungen seines Volkes in Einklang zu bringen.
Über die Autoren
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Sarina Bosshard
Sarina Bosshard ist seit 2023 Royal-Expertin und Redaktorin bei der GlücksPost. Ihr Herzensthema: die Königshäuser weltweit.

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