Schweden ist in Partylaune: Wenn König Carl XVI. Gustaf am 30. April seinen 80. Geburtstag begeht, zieht der Palast alle Register. Vom feierlichen Dankgottesdienst über Salutschüsse und einem Luftwaffenüberflug bis hin zum glanzvollen Galadinner im Stockholmer Schloss – an diesem Tag feiert ein ganzes Land seinen Monarchen. Zahlreiche hochkarätige Gäste – darunter Royals aus aller Welt – ehren den Schweden. Zuletzt hatten die Turbulenzen in anderen europäischen Königshäusern die schwedischen Royals etwas in den Hintergrund gedrängt, doch für einmal gehört die Bühne ganz ihnen. Denn der Jubilar blickt auf ein bewegtes Leben zurück, das von frühen Tragödien und grossen Kontroversen geprägt war.
Sein Schicksal war früh besiegelt, und das auf tragische Weise: Carl Gustaf war gerade einmal neun Monate alt, als sein Vater und damaliger Kronprinz bei einem Flugzeugabsturz starb. Daher wurde er mit 27 Jahren 1973, nach einer strengen militärischen Ausbildung, abrupt auf den Thron katapultiert. Die Bürde wog schwer. Gerade in den Anfangsjahren wirkte der junge König bei öffentlichen Reden oft unsicher und hölzern – eine Folge seiner Legasthenie. Dass er offen über seine Lese-Rechtschreib-Störung sprach, brachte ihm über die Jahrzehnte viel Respekt ein.
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Skandalöses Buch
Doch sein Weg war nicht immer glanzvoll. Vor seiner Ehe eilte ihm der Ruf eines Playboys und Partyprinzen voraus. Eine Vergangenheit, die 2010 ein royales Beben auslöste: Das Enthüllungsbuch «Der widerwillige Monarch» thematisierte angebliche Party-Exzesse, pikante Affärengerüchte und dubiose Kontakte. Dass die Krone an dieser Krise nicht zerbrach, lag massgeblich an Königin Silvia (82). Sie hielt dem enormen Druck stand und bewies sich einmal mehr als unerschütterlicher Anker in der Ehe und Familie.
Politisch zeigte er sich oft starrsinnig, besonders beim Thema Thronfolge. Er machte nie einen Hehl daraus, dass er die rückwirkende Gesetzesänderung ablehnte, durch die Victoria (48) statt seines Sohnes Carl Philip (46) zur Kronprinzessin wurde. Obwohl Victoria heute beim Volk weitaus beliebter ist als er, denkt der König nicht an Abdankung.
Der König mit Ehefrau Silvia (M.), Sohn Carl Philip (3. v. r), seinen Töchtern Victoria (2. v. l) und Madeleine sowie deren Partnern.RMS
Der König mit Ehefrau Silvia (M.), Sohn Carl Philip (3. v. r), seinen Töchtern Victoria (2. v. l) und Madeleine sowie deren Partnern.RMS
Abseits des Protokolls liebt er die Kontraste: Auf der einen Seite hat er ein Faible für schnelle Autos und das Tempo, auf der anderen Seite sucht er die Entschleunigung in der Natur. Schon von klein auf ist Carl XVI. Gustaf begeisterter Pfadfinder. So kommt es wenig überraschend, dass er vor seinem Geburtstag eine Pfadistiftung ins Leben gerufen hat. Besonders die Zusammengehörigkeit gefällt ihm: «Im Pfadfinderdienst helfen wir uns immer gegenseitig und lösen alle Probleme gemeinsam. Es gibt keine Ersatzbank.» Auch ist er passionierter Langläufer. In diesen unbeschwerten Momenten fernab des Hofes und in seiner Rolle als liebevoller Grossvater von neun Enkelkindern zeigt der oft so stoische Regent seine weiche Seite. Er ist und bleibt Schwedens eigenwilligste, aber festeste Konstante.