Fünf Jahre ist es her, dass Prinz Philip zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag seine Augen für immer schloss. Am 9. April 2021 trauerte die Welt um den Mann, der über sieben Jahrzehnte für Queen Elizabeth II. (1926–2022) der Fels in der Brandung gewesen war. Doch wie viel Kraft ihn seine letzten Lebensjahre wirklich gekostet haben, kommt erst jetzt durch ein neues Buch ans Licht.
In «Queen Elizabeth II» enthüllt Biograph Hugo Vickers (74), dass der Herzog von Edinburgh acht Jahre lang schwer krank gewesen sein soll. Nachdem er 2011 bereits wegen einer verstopften Herzkranzarterie behandelt werden musste, lag der vierfache Vater 2013 erneut mehrere Tage im Spital. Dort machten die Ärzte eine schreckliche Entdeckung. Um den Ursprung eines Schattens auf seiner Bauchspeicheldrüse festzustellen, musste er sich einer Bauchoperation unterziehen. «Die Diagnose lautete: inoperabler Bauchspeicheldrüsenkrebs», schreibt Vickers.
Pflicht vor allem
Ein gnadenloser Befund, den er mit der ihm eigenen stoischen Haltung ertrug. Ganz im Sinne der ungeschriebenen royalen Devise «Never complain, never explain» (zu Deutsch: Niemals beschweren, niemals rechtfertigen) machte er aus seinem Leiden kein öffentliches Drama. Er gehörte einer Generation an, für die Pflichterfüllung alles bedeutete. «Mein erster, zweiter und letzter Job ist es, die Queen niemals im Stich zu lassen», sagte er einst. Und so arbeitete er noch vier Jahre weiter, bevor er sich grösstenteils aus der Öffentlichkeit zurückzog. Bei wichtigen Familienanlässen wie Hochzeiten oder Taufen trat er noch auf. Ansonsten genoss er seine private Zeit – etwa beim Kutschenfahren.
Werbung
In jungen Jahren: Prinz Philip und Queen Elizabeth II. im August 1951 mit ihren Kindern, dem heutigen König Charles (l.) und Prinzessin Anne.Bettmann Archive
In jungen Jahren: Prinz Philip und Queen Elizabeth II. im August 1951 mit ihren Kindern, dem heutigen König Charles (l.) und Prinzessin Anne.Bettmann Archive
Zuletzt kämpfte der in Griechenland geborene Prinz mit gesundheitlichen Problemen, die auch die Öffentlichkeit mitbekam. Vor seinem Tod verbrachte er mehrere Wochen wegen einer Infektion und einer Herzoperation im Spital. Nach seiner Entlassung, von den Behandlungen sichtlich gezeichnet, konnte er seine letzten, friedlichen Tage auf Schloss Windsor verbringen.
Letzte Rebellion
Doch Philip wäre nicht Philip gewesen, wenn er sich von Ärzten oder besorgten Palastangestellten etwas hätte vorschreiben lassen. Sein Leben lang liess er sich nicht verbiegen – auch wenn er für seinen schwarzen Humor und seine unroyalen Sprüche oft Kritik einstecken musste. Philip tat stets, was er für richtig hielt. Und so offenbart das neue Buch eine Anekdote, die typischer für den Prinzgemahl nicht sein könnte.
Mit dem Rollator schlich er sich in der letzten Nacht seines Lebens an den Krankenschwestern vorbei und genehmigte sich im Oak Room, einem Salon im Schloss, ein Bier. Inmitten all der Sorgen genoss der ehemalige Marineoffizier noch einmal ein Stück unbeschwerte Normalität. Es war sein letzter Akt der Rebellion. «Am nächsten Morgen stand er auf, nahm ein Bad, sagte, er fühle sich nicht gut, und entschlief still», so Vickers. Die Queen sei zutiefst bestürzt gewesen, dass er «wie so oft im Leben» gegangen sei, ohne sich zu verabschieden.
Werbung
Doch Prinz Philip ging so, wie er gelebt hatte: aufrecht, mit einem Augenzwinkern und immer als sein eigener Herr.