Altkönig Juan Carlos

Einsame Tage im Wüsten-Exil

Sorge um den emeritierten Spanier: Während er Krankheitsgerüchte weglacht, bremsen ihn seine Ärzte aus. Die Sehnsucht nach der Heimat bleibt.

Former King Juan Carlos I returns to Spain after releasing memoir 'Reconciliation'
Juan ­Carlos empfindet sich zwar selbst als fit, doch laut seinen Ärzten soll er es ­ruhiger angehen. Keystone

Werbung

Aus der Ferne wehen Gerüchte von Abu Dhabi nach Europa, dass der Gesundheitszustand von Altkönig Juan Carlos (88) Anlass zur Sorge gebe. Das schreckt offenbar sein Umfeld auf. Die ­Familie und enge Freunde erkundigen sich ­öfter telefonisch nach seinem Wohl­ergehen. Diese Veränderung hat der ehemalige spanische König auch bemerkt – und sieht sich gezwungen, Entwarnung zu geben.
Im Telefongespräch mit der spanischen Zeitschrift «¡Hola!» nimmt er die Speku­lationen mit Humor, dementiert aber klar, dass er krank ist. «Hört auf, mich umzubringen. Mir geht es sehr gut, ich achte auf mich und treibe jeden Tag Sport», ­betont er. Das bestätigt auch Laurence ­Debray (50), die seine Biographie «Recon­ciliación» (zu Deutsch «Versöhnung») geschrieben hat. Sie besuchte ihn letzten ­Monat in seinem völlig vereinsamten Exil. «Er hat gute Laune, das ist das Wichtigste», sagt sie über seinen Zustand. Er werde zwar älter, aber sei ­immer noch aktiv.
Doch der Schein trügt ein wenig. Es sind ausgerechnet seine Mediziner, die dem leidenschaftlichen Segler nun die Grenzen aufzeigen. «Seine Ärzte empfehlen ihm, sich mehr aus­zu­ruhen, aber das fällt ihm schwer, es liegt nicht in seiner Natur», erklärt seine Biographin. Besonders schmerzlich: Lange Reisen sind vorerst tabu. Seit Anfang des Jahres sitzt er in seiner Wahlheimat Abu Dhabi fest. Die Erschöpfung nach seinem letzten Kurz­besuch in Madrid im ­November – ein siebenstündiger Flug für nur wenige Stunden im Palast – war offenbar zu gross.

Traurig über Absage

Deshalb verpasste er im Januar mit grossem Bedauern die Beerdigung von Prinzessin Irene (†83) im griechischen Athen. Dass er sich nicht von seiner Schwägerin verabschieden konnte und Altkönigin ­Sofía (87) in dieser schweren Zeit nicht ­beistehen konnte, mache ihn sehr traurig.
Seine Reisebeschränkung bedrückt ihn gleich doppelt. Die Beerdigung von Irene wäre eine Chance gewesen, seine Familie wiederzusehen. Während er zu seinen Töchtern Elena (62) und Cristina (60) zwar ein enges Verhältnis pflegt, ist die Beziehung zu seinem Sohn, König Felipe VI. (58), und dessen Familie zerrüttet. Die harsche Kritik an Königin Letizia (53) in seiner ­Biographie hat diese Kluft zuletzt vergrössert. Während sein Sohn zur Ehefrau hält, fühlt sich der emeritierte Monarch im Stich gelassen. Auch dass er seine Enke­linnen kaum sieht, schmerzt den Gross­vater ungemein. Als einstiges Oberhaupt der ­Familie abgeschottet in Abu Dhabi zu sein, ist herausfordernd für Juan Carlos.
Die Familie um König ­Felipe VI. hält in schweren Zeiten, wie hier bei der ­Beerdigung seiner Tante in Athen, zusammen.
Die Familie um König ­Felipe VI. hält in schweren Zeiten, wie hier bei der ­Beerdigung seiner Tante in Athen, zusammen.Getty Images
Die Familie um König ­Felipe VI. hält in schweren Zeiten, wie hier bei der ­Beerdigung seiner Tante in Athen, zusammen.
Die Familie um König ­Felipe VI. hält in schweren Zeiten, wie hier bei der ­Beerdigung seiner Tante in Athen, zusammen.Getty Images
Doch er gibt nicht klein bei. Trotz ärzt­li­chen Warnungen arbeitet er bereits an seiner Rückkehr nach Spanien. «Er findet es sehr schwer, zur Ruhe zu kommen, und hat ständig neue Projekte in Arbeit. 2026 plant er, weiterhin zu segeln und nach Sanxenxo zurückzukehren», verrät seine Biographin. Distanz hin oder her, Altkönig Juan ­Carlos weigert sich, im goldenen Käfig der Wüste einen Gang zurückzuschalten.

Werbung

Über die Autoren
Sarina Bosshard
Sarina Bosshard ist seit 2023 Royal-Expertin und Redaktorin bei der Glückspost. Ihr Herzensthema: die Königshäuser weltweit.

Relevante Themen

Werbung