Veronica Fusaro

Auf dem Weg zum Popstar

Die Thunerin vertritt die Schweiz dieses Jahr am Eurovision Song Contest in Wien. Dabei kann Veronica Fusaro auf familiäre Unterstützung aus den Nachbarländern ­zählen.

Aurelia Robles

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Veronica Fusaro singt ihr Lied «Alice» am 14. Mai im zweiten ESC-Halbfinale. Thomas Meier

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Manchmal braucht es nicht nur etwas Glück, sondern auch Geduld. Veronica Fusaro hat beides. Die 28-jährige Thunerin lebt schon seit einem Jahrzehnt von der Musik und hat in den letzten paar Jahren bereits mehrere Lieder in den Wettbewerb um die Teilnahme am Eurovision Song Contest geschickt. Dieses Jahr hat’s nun geklappt: Ihr Lied «Alice» wurde von einer nationalen und interna­tionalen Fachjury als Schweizer Beitrag ausgewählt. «Mich freut es sehr, dass nun ‹Alice› diese sehr grosse Bühne bekommt», sagt Fusaro.
Das von ihr geschriebene Stück handle von dem leider alltäglichen Thema Gewalt an Frauen, wie die Sängerin erklärt. «Alice steht stellvertretend für alle Personen, ­deren Grenzen nicht respektiert werden. Sie wird im ganzen Song von einer anderen Person beschrieben und dirigiert.» Die ­Interpretin nennt Michael Jackson (1958– 2009) als eines ihrer musikalischen Vor­bilder und begründet: «Er hat Lieder ­geschrieben, um die Welt ein Stück weit zu verändern. Ich bin ein sehr hoffnungs­voller Mensch und hoffe, dass auch meine Musik zum Denken anregt.»

Von Thun bis nach Toronto

Neben Glück und Geduld hat Veronica ­Fusaro aber vor allem Talent. Aufgewachsen mit einem jüngeren Bruder in Thun BE als Tochter einer Schweizerin und eines Ita­lieners, beginnt sie in der dritten Klasse Gitarre zu spielen. Dies, damit sie eigene Lieder schreiben kann. Im Elternhaus richtet sie sich dafür im ­Keller ein Studio ein. «Ich schreibe generell über ­Dinge, die mich beschäftigen», sagt sie. 2016 folgt ihr Durchbruch: «Nichtsahnend» sei sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder an den ­Musik-Wettbewerb M4­Music nach ­Zürich gereist. Dort gewinnt sie zu ihrer Über­raschung in den Kategorien Pop und «Demo of the Year». Im ­selben Jahr wird sie zum SRF-3-«Best ­Talent» gekürt.
Mumbai, Johannesburg, Hongkong, ­Toronto: Veronica Fusaro hat schon auf der ganzen Welt Konzerte gegeben, spielte auf dem Gurten, am Montreux Jazz Festival, am legendären Glastonbury Festival. «Die bisher tollste Bühne war jedoch, als ich im Vorprogramm von Mark Knopfler spielen durfte», schwärmt sie von ihrem Auftritt in Nîmes, Frankreich, an einem «sehr ­kitschigen Juli-Abend». «Abgesehen ­davon, dass er von Dire Straits und eine ­Legende ist, war es schon ­immer ein Traum von mir, in einem Amphitheater spielen zu ­können.»

Sie will den Sieg

Am 14. Mai wird Fusaro, die heute in Bern wohnt, nun auf der Bühne des grössten Musikwett­bewerbs der Welt stehen. Die genaue Startnummer ist noch unklar, aber sie wird unter den ­ersten sieben Darbietungen sein. Schade, denn Fusaros Lieblingszahl ist die 11. «Mit dieser Nummer gewann ich in der siebten Klasse einen Triathlon», erklärt sie, die Musik gerne mit Sport vergleicht und den ESC denn auch wie Olympia oder die Paralympics sieht. «Ich fühle mich wirklich wie eine Athletin. Es ist eine grosse Ehre und ich bin stolz, die Schweiz zu ­repräsentieren», sagt Fusaro, die zwar in Englisch singt, aber drei unserer Landessprachen spricht. Auch in Österreich, wo der ESC dieses Jahr stattfindet, hat sie Wurzeln. Ihre Oma lebt dort, wird den Auftritt der Enkelin jedoch nur am TV mitverfolgen. «Sie ist 92, aber im Herzen natürlich dabei.» Auch auf die Unterstützung ­ihrer Verwandten in Italien kann sie zählen. «Meine Familie ist bereits am Organisieren. Diese Kampagne läuft», sagt Fusaro lachend und zeigt ihren Sportsgeist. «Ich gehe schon an den ESC, um zu gewinnen.»

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Ihr «Sport» ist übrigens «Schutte». «Ich war nie im Klub, aber früher war nach der Schule kicken auf dem roten Platz Programm.» Und so wollte sie als junges ­Mädchen auch Fussballerin bei der ita­lienischen Männer-Nationalmannschaft werden, «weil ich das Frauen-Team noch nicht kannte». Ihr alternativer Berufswunsch war Rockstar. «An diesem Traum arbeite ich noch», meint sie lächelnd. Die Teilnahme am ESC ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

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