In der Wohnung von Wassilis «Silu» Reigel (44) im Berner Länggass-Quartier klingelt es kurz nacheinander: Zuerst tritt Fabian «Fäbu» Berger (52) ein, dann Martin «Tinu» Burtscher (37). Somit ist Starbugs Comedy jetzt komplett. Kurz bevor sich die drei zwischen ihren Auftritten in Deutschland und in der Schweiz mit ihren Familien eine Woche Ferien gönnen, haben sie die GlücksPost daheim bei Silu zum Interview eingeladen.
Mit ihrer nonverbalen, actionreichen, tanz- und bewegungsfreudigen Komik sind sie seit 29 Jahren in der ganzen Welt unterwegs: Sie waren schon in über 30 Ländern und mehr als 20 TV-Shows zu Gast und tourten dreimal mit dem Circus Knie. Ihre Videos in den sozialen Medien wurden weltweit insgesamt fast eine Milliarde Mal angesehen.
Nadja Sieger glaubte an sie
Die Geschichte von Starbugs Comedy zeigt, welche wichtige Rolle Vereine haben können: Fäbu, Tinu und Silu sind alle in Seedorf BE respektive im Nachbarort Frienisberg BE aufgewachsen und waren im Turnverein Seedorf. Bei einer Soirée führten sie ihre erste Breakdance-Nummer auf. «Weil wir keine besonders guten Breakdancer waren, begannen wir, komische Sachen einzubauen», erzählt Silu. So tanzten sie mal zum klassischen «Ave Maria» statt zu Hip-Hop-Musik. «Von der Szene wurden wir zwar belächelt, aber auch gefürchtet», erinnert sich Tinu. Denn rasch wurden sie immer bekannter.
Dies ist auch dank Nadja Sieger (58) vom bekannten Komiker-Duo Ursus & Nadeschkin geschehen. Sie förderte das Trio von Beginn an und führte bei jedem seiner bislang vier abendfüllenden Programme Regie. Tinu sagt: «In den Anfangszeiten hat sie unseren Jungs-Humor etwas feinfühliger gemacht und uns vorgelebt, dass das, was wir machen, ein Beruf sein könnte.»
In den letzten drei Jahrzehnten ist bei den dreien auch privat viel passiert. Alle sind liiert und haben Kinder: Fäbu ist seit 25 Jahren mit Tanja Mikhail zusammen, ihr Sohn Timo ist 19 Jahre alt. Das Paar lebt in Bern, und Fäbu hilft bei der Tanzschule seiner Partnerin mit, sowohl kreativ als auch tatkräftig wie beim kürzlichen Umzug der Schule. Er hält sich mit diversen Sportarten fit und spaziert als Ausgleich gern mit seinem Hund durch Bern.
Silu ist Papa von Emma (14) und Vincent (12) und frisch liiert. Der überzeugte Stadtberner liebt es, der Aare entlang zu joggen und sich danach in ein Café zu setzen, um zu lesen. «Und meine neueste Leidenschaft ist das Boxen», sagt er.
Auch Tinu lebt nicht allzu weit von seiner alten Heimat am Frienisberg entfernt, nämlich in Biel. Er ist Papa von Max (15), Hanna (13) und Paula (8). In der raren Zeit für sich geht er gern biken oder treibt Wassersport auf dem Bielersee. Als Ausgleich spielt er Klavier und Gitarre.
Der musikaffine Tinu freut sich ganz besonders, dass Starbugs Comedy im neuen Programm «Showtime!» erstmals live musizieren: «Davon träume ich seit Jahren!» Silu dagegen mag am neuen Programm besonders den Moment, in dem die drei aus einer ausgelassenen Stimmung direkt in eine feine Ballettnummer übergehen. «Die Leute vertätscht es dort regelrecht, weil das, was wir machen, so komisch ist.» Zu sehen ist die Show ab Ende Oktober an diversen Orten in der Schweiz.
Zeit für die Freundschaft
Gefragt, ob sie heute immer noch Freunde oder primär «Geschäftspartner» seien, antwortet Fäbu: «Wenn man so viel Zeit zusammen verbringt wie wir, fast ein Drittel eines Jahres, muss man natürlich befreundet sein.» Und doch sei es nicht so, dass sie zusammen jassten oder herumblödelten, wenn sie zum Beispiel zusammen im Zug an einen Auftritt in Deutschland führen: Da nutze man die Zeit eher für Administratives, meint Tinu. Und auch zu Hause sei man zu sehr mit dem eigenen Familienleben und dem Alltag absorbiert, als dass man spontan etwas Privates zusammen unternehme.
Anders sei das aber auf Tournee: Haben sie zwischen ihren Auftritten einen freien Tag, zelebrieren sie es, zusammen etwas Besonderes zu unternehmen: «Wir gehen fein essen, ins Kino, bowlen oder besuchen eine Show von anderen Künstlern», sagt Fäbu. Je nachdem seien auch die Crew oder ihre Familien dabei. Dann gehe es nie ums Geschäft, sondern um die Freundschaft.
Gewiss sei die Stimmung zwischen ihnen nicht immer nur gut und lustig: Dann gehe es meistens um Nebensächlichkeiten. Die Bühne wirke als Therapeutin: «Einerseits ist es gut, dass ich während des Auftritts nicht mit den anderen reden muss», sagt Tinu lachend. «Andererseits löst eine erfolgreiche Show mit Lachen und Applaus so viele Glücksgefühle aus, dass uns das auch zwischenmenschlich hilft», ergänzt Fäbu.
Auch wenn Starbugs Comedy nun erstmals auf der Bühne musizieren, haben sie nicht das Bedürfnis, sich laufend zu verändern. Tinu sagt: «Das Publikum feiert uns so, wie wir sind: unpolitisch und zeitlos.» Schön sei, dass jeweils drei Generationen im Publikum sässen, das gelinge nicht vielen Unterhaltungskünstlern. Regelmässig werden sie von den grossen TV-Shows «America’s Got Talent» und «Britain’s Got Talent» angefragt. Bisher hätten sie stets abgesagt, weil sie derzeit vor allem im deutschsprachigen Raum unterwegs sind und deshalb gar nicht die Möglichkeit hätten, weiter weg zu touren. Aber Fäbu sagt: «Theoretisch stehen uns alle Möglichkeiten offen. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.»