Diesen Sommer gönnt sich Simu Fankhauser (50) zwei Wochen Familienferien am Murtensee. Endlos sind diese beiden Wochen zwar nicht – sein neues Mundart-Lied heisst trotzdem «Ändlose Summer». Der Gute-Laune-Song des Solothurners läuft derzeit regelmässig auf Radio SRF 1.
Diese Auszeit hat sich der Sänger mehr als verdient. Fankhauser arbeitet 70 Prozent als Oberstufenfachlehrer für Musik, und «nebenbei» gibt er schweizweit bis zu 70 Kinderkonzerte pro Jahr. Mit der Figur Pumpelpitz, einem selbst erfundenen Kobold, begeistert der dreifache Vater seit über zehn Jahren Kinder in der ganzen Schweiz mit Geschichten und Liedern. «Kinder sind ehrlich und spontan. Sie zeigen sofort, ob ihnen etwas gefällt oder nicht. Das liebe ich», sagt der 50-Jährige.
Als «Simu» schreibt er zudem Mundartlieder für Erwachsene. Nach einer längeren Pause meldet sich der Musiker nun mit der Single «Ändlose Summer» zurück. Auch privat wird es ihm nie langweilig: Der Familienvater lebt in Solothurn mit seiner Partnerin, der gemeinsamen fünfjährigen Tochter und seinem dreizehnjährigen Sohn. Seine älteste Tochter (19) wohnt bei ihrer leiblichen Mutter.
Hirnschlag auf dem Weg zur Arbeit
Dass der ehemalige «Bagatello»-Sänger heute wieder mit so viel Freude auf der Bühne steht, ist gar nicht selbstverständlich. Am 30. April 2024 erlitt Fankhauser auf dem Weg zur Arbeit einen Hirnschlag. Er erinnert sich noch genau an den Tag: «Ich stieg in Bern aus dem Zug, und plötzlich sah ich alles wie durch eine zerbrochene Scheibe.» In schwindligem Zustand konnte er sich noch in ein Geschäft schleppen. Dort brach er zusammen, eine Mitarbeiterin alarmierte sofort die Ambulanz. Auf der Intensivstation kam er zwischen Schläuchen und medizinischen Geräten wieder zu sich. «Ich hatte riesiges Glück. Wäre es im Auto oder auf dem E-Bike passiert, hätte es ganz anders ausgehen können», meint er nachdenklich.
Heute lebt Fankhauser mit den Folgen dieses unerwarteten Ereignisses: Sein Gedächtnis hat bleibende Schäden, auch die Feinmotorik ist eingeschränkt. «Ich musste wieder lernen, ein Glas richtig zu halten.» Vor allem aber hat sich sein Energiehaushalt verändert. «Ich habe viel weniger Energie und muss diese bewusster einteilen.»
Waldspaziergänge und Entschleunigung
Aus diesem Grund entschied er sich, sein Leben zu entschleunigen. Er verkaufte sein grosses Haus und zog mit seiner Familie in eine Vierzimmerwohnung. «Wir leben viel minimalistischer, das befreit mich.» Auf Alkohol und Fleisch verzichtet er mehrheitlich. Kraft tankt er vor allem bei langen Waldspaziergängen, beim Malen oder auf dem Tennisplatz mit Freunden.
Früher habe ihn jede rote Ampel genervt, heute sieht er sie als kleine Pause. «Ich atme bewusst durch und nutze den Moment, um zu entschleunigen.» Diese neue Gelassenheit begleitet ihn auch auf der Bühne. Mit seinem Mundartprojekt als «Simu» erfüllt er sich einen lang ersehnten Traum. Nach einem Auftritt sei er zwar erschöpft, gleichzeitig aber auch erfüllt. «Die Energie, die ich vom Publikum zurückbekomme, ist ein riesiges Geschenk.»