Severin Schwander holt für die Mittelländer Kranzschwinger die kulinarischen Sterne vom Himmel. Mit seinem Catering-Service sorgt der Eidgenosse aus Riggisberg im Kanton Bern am Wettkampftag für ein Mittagessen, das die Bösen stärkt.
Thomas Wälti
Das Siegeressen der bösen Berner: Chefkoch Severin Schwander verarbeitet pro Saison 25 Kilogramm Poulet und 40 Kilogramm Reis.Thomas Wälti
Noch ist Severin Schwander (30) kein Sternekoch. Im Restaurantführer «Guide Michelin» sucht man den Namen des Berner Eidgenossen vergebens. In Schwingerkreisen allerdings vertrauen viele Böse auf das sportlergerechte Mittagessen des Riggisberger Kochs und Metzgermeisters: ein sous-vide-gegartes, 150 Gramm schweres Pouletbrüstchen mit vorgekochtem Reis, dazu eine feine Sauce, gewürzt mit Honig, Rapsöl, Kräutern, Salz und Pfeffer, gekrönt von einem aromatischen Rosmarinzweig. Das macht offenbar Appetit auf mehr! So hat etwa Fabian Staudenmann (26) die letzten fünf Kranzfeste in Folge allesamt gewonnen.
Grosser Sieg: Severin Schwander legt 2021 König Christian Stucki auf den Rücken.Sven Thomann
Grosser Sieg: Severin Schwander legt 2021 König Christian Stucki auf den Rücken.Sven Thomann
«Wenn sich die Fans mit Fleischvogel und Kartoffelstock vergnügen, müssen wir Schwinger leichtere Kost essen, die weder schwer im Magen liegt noch aufstösst und dennoch viel Energie für den Nachmittag liefert», sagt der Küchenchef der Mittelländer. Am Festtisch sitzen gewöhnlich die Kranzschwinger Staudenmann, Adrian Walther (25), Michael Ledermann (25), Nicolas Zimmermann (25), Nicolas Walther (31), Lorenz Berger (29), Lukas Renfer (30) und Schwander selbst. Am prestigeträchtigen Kilchberger Schwinget greifen auch die Emmentaler Hoffnungsträger Michael Moser (21) und Matthias Aeschbacher (34) auf den Catering-Service von Severin Schwander zurück.
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Im Wasserkocher aufgewärmt
Schwander und Staudenmann sind langjährige Weggefährten. Sie pflegen eine enge Freundschaft und gönnen sich schon mal einen Städtetrip nach Dublin. Schwander machte bei Staudenmanns Grossvater im «Sternen» in Guggisberg BE die Lehre als Koch. «Fäbu und ich philosophieren oft zusammen. Dabei steigen wir gerne tiefer in eine Thematik ein – zum Beispiel, wie das optimale Essen am Wettkampftag zu sein hat», sagt der 2,02 Meter grosse und 128 Kilogramm schwere Hüne. Im Mai 2025 habe er eine entsprechende Rezeptur ausgearbeitet und das vorgekochte Essen erst mal für sich selbst an ein Fest seines Schwingklubs Schwarzenburg mitgebracht. «Fäbu machte grosse Augen und wollte sich fortan auch so verpflegen», erzählt er schmunzelnd von den Anfängen der Mahlzeit, die den Bösen so gut mundet.
Die Kranzschwinger holen das Kraftfutter in der Regel persönlich in der Metzgerei Schwander in Belp BE ab, wo er als Geschäftsführer fungiert. Meist kaufen sie auf Vorrat ein. Am Schwingfest lagern die vakuumierten Säckchen bis zum Mittag in einer gekühlten Styropor-Isolierbox. Danach erhitzen die Schwinger die Portionen im Wasserkocher. Warme Mahlzeiten kann der Magen leichter verdauen.
Der Tisch für die bösen Berner am Kilchberger Schwinget ist gedeckt. Auf den Saisonhöhepunkt folgt für Severin Schwander und Freundin Celina Brügger (21) das private Glück: Die Geburt ihres Kindes Anfang Oktober krönt ein ohnehin unvergessliches Jahr.
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Kilchberger Schwinget
Er ist Höhepunkt und krönender Abschluss der Kranzfestsaison: der 18. Kilchberger Schwinget am 5. September. Das prestigeträchtige Fest hat eidgenössischen Charakter und findet nur alle sechs Jahre statt. Nur die 60 besten Athleten des Landes dürfen am Zürichsee in die Zwilchhosen steigen und um den Siegermuni Ultimo kämpfen. Als Titelverteidiger treten Fabian Staudenmann, Samuel Giger und Damian Ott an. Der Anlass auf dem Gutsbetrieb «Uf Stocken» in Kilchberg ZH wird vom Schweizer Fernsehen ab 7.50 Uhr live übertragen. Eine Besonderheit des Festes ist der Schönschwingerpreis, der an den ästhetischsten und technisch saubersten Schwingerstil vergeben wird. Als einziger Schwinger konnte bisher Karl Meli den Kilchberger Schwinget zweimal für sich entscheiden – 1967 und 1973. Mehr Informationen finden Sie unter kilchberger-schwinget.ch