Abo
Semino Rossi

«Opa zu sein, ist das Schönste, was es gibt»

Mit seiner Samtstimme verzaubert Semino Rossi seit Jahrzehnten das Publikum. Nun kommt der Schlagerstar wieder in die Schweiz, um für Gänsehautmomente zu sorgen.

Dominik Hug

Werbung

Vor jedem Auftritt betet Semino ­Rossi, das sei für ihn ein Ritual. «Ich fühle mich dadurch wohl, ­geschützt», erklärt der bekannte 64-­jährige Schlagersänger, der sich zu Beginn seiner Karriere als Strassenmusiker durch­geschlagen hat.
GlücksPost: In einem Jahr werden Sie 65. Andere lassen sich pensionieren. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Semino Rossi: Mit meinen 64 Jahren ­fühle ich mich sehr wohl und spüre Lust, auf die Bühne zu gehen. Ich hatte so viele Jahre darauf gewartet. Es sind jetzt gerade mal 25 Jahre, die ich als Sänger erfolgreich ­singen darf. Ich möchte weitersingen, solange sich das Publikum Semino Rossi wünscht.
Wo spüren Sie das Alter am meisten?
Es gibt gewisse Bewegungen, die mir nicht so leichtfallen wie ­früher. Auch eine Treppe steige ich nicht mehr so flott hoch, doch das gehört zu den Jahren dazu. Das Alter spüre ich nicht wirklich.
Bringt das Älterwerden auch Schönes mit sich?
Du nimmst bewusst wahr, was du vor Jahren vielleicht noch nicht so wahrgenommen hast. Da habe ich viel von meinen Enkel­kindern gelernt. Sie beschäftigen sich mit jedem Augenblick, den das Leben ihnen schenkt. Das Leben passiert gerade jetzt, das habe ich von ihnen ­gelernt.
Was ist heute anders in Ihrem ­Geschäft als damals, als Sie ange­fangen haben?
Der Schlager ist poppig geworden, ­modern. Es sind so viele junge Talente auf den Markt gekommen und haben ­frische Power mitgebracht. Der Schlager war in meinen Anfangsjahren etwas ­anderes, doch die jungen Leute, Stars wie Helene Fischer oder Kerstin Ott, Maite Kelly oder Beatrice Egli, bringen etwas Neues mit, das guttut. Ich habe diese neuen Einflüsse auch in meiner Musik.
Sie sind 20 Jahre als Strassen­musiker durch Europa getingelt. Was war das Beste, das Sie in ­jener Zeit gelernt haben?
Die Lektion in Demut, dass ich dankbar bin für jeden Applaus und für jeden ­Einzelnen, der auf der Strasse stehen­ ­geblieben ist, um mir zuzuhören. Ich war so froh und glücklich, wenn meinem Gesang und mir Aufmerksamkeit geschenkt ­wurde oder wenn ich dafür ­schöne Worte bekam. Das hat gutgetan. Diese Dank­barkeit und Demut habe ich mir bis heute bewahrt.
Was wäre eigentlich aus Ihnen ­geworden, wenn Sie 2004 nicht den Durchbruch ­geschafft hätten?
Einen Plan B habe ich nie gehabt. Ich wollte Sänger werden. Und egal, was passierte: Ich wollte versuchen, meinen Weg zu finden. Ich koche gerne, das hätte vielleicht eine Alter­native sein können, wenn es die Musik nicht gegeben hätte. Vielleicht hätte ich Koch werden können oder ­hätte vielleicht selbst ein kleines Lokal aufgebaut.

Werbung

Eine wichtige Stütze in Ihrem Leben ist Ihre Frau Gabi. Gleichwohl trennten Sie sich 2020, kamen aber zwei Jahre später wieder zusammen. Was machen Sie in Ihrer Ehe heute anders?
Es ist mir sehr bewusst, wie schön es ist, Gabi an meiner Seite zu ­haben. Das ­waren zwei harte Jahre ohne sie, und ich bin froh, dass wir wieder zusammengekommen sind. Wir haben uns, wir geniessen den Alltag, wir lachen mit unseren Enkelkindern, ich bin so froh darüber, dass wir wieder zusammen sein können.
Sie sind dreifacher Grossvater. Was ist der Unterschied zum Vatersein?
Opa zu sein, ist das Schönste, was es für mich gibt. Der Unterschied ist, dass die Kinder nur ein paar Stunden zu mir kommen und ich diese Zeit extrem geniesse. Dann gehen sie wieder nach Hause, und du musst nicht wie ein Vater erziehen, du bist der Opa, du spielst mit ihnen – es ist sehr erfüllend, was sie dir geben. Es gibt grosse Aufgaben und eine Verantwortung, die du als Grossvater nicht hast.
Wie sieht Ihr Alltag aus, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?
Zu Hause geniesse ich den Alltag, wie ­jeder andere auch. Gabi und ich frühstücken ­zusammen, mittags kochen wir manchmal gemeinsam. Obwohl: Meistens kocht Gabi. Dann essen wir zusammen zu Mittag und ­machen einen Spaziergang. Am Nachmittag klingelt es an der Tür, und ­eines oder mehrere Enkelkinder besuchen uns zum Spielen mit Oma und Opa. Wir sind froh, dass wir in ihrer Nähe wohnen. Gabi und ich unter­nehmen auch Ausflüge zu zweit, sie geht gerne in die Berge.

Werbung

Nun gehen Sie mit dem neuen Album «Blanca Navidad» auf grosse Weihnachtstournee. Was darf das Publikum ­erwarten?
Ich freue mich riesig, wieder mit dem ­Publikum zusammen zu sein und ein ­bisschen vom Weihnachtsgefühl meiner Heimat Lateinamerika mitzubringen. Ich versuche, dieses Gefühl, das ich aus meiner Kindheit in Argentinien liebe, ­damit zu mischen, wie ich das Weihnachtsfest in Österreich erlebe, und dies mit dem Publikum zu teilen. Ein ­bisschen Temperament, ein bisschen Lachen und auch etwas ­Besinnlichkeit. Wir touren in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Der Advent und Weihnachten: Das sind für mich die schönsten Wochen im Jahr. Ich hoffe, dass viele Menschen mich bei meinen Tourneekonzerten besuchen. Wir werden wun­derschöne Stunden zusammen verbringen.
Beten Sie noch immer vor jedem Konzert?
Ja, vor jedem meiner Auftritte bete ich ein Vaterunser, das ist Teil meines ­Lebens. Ich habe das immer ­gemacht und werde das auch weiter ­beibehalten, solange ich auf die Bühne gehe. Ich fühle mich dadurch wohl, ­geschützt – das be­ruhigt mich sehr.
Wie feiern Sie privat Weihnachten?
Gemeinsam mit der ganzen Familie. Am 24. Dezember treffen wir uns im Haus ­unserer Tochter Laura – meine beiden Töchter, unsere Schwiegersöhne und ­unsere drei Enkelkinder, Gabi und ich. Laura kocht an Heiligabend für uns alle. Am schönsten finde ich es, die Reaktionen der Kleinen zu beobachten, wenn sie die Geschenke auspacken, ihre Augen, ihr Strahlen. Das bleibt in meinem ­Herzen. Am ersten Weihnachtsfeiertag essen wir alle bei uns. Dann koche ich, manchmal Paella, manchmal andere Gerichte – was ich in diesem Jahr kochen werde, habe ich aber noch nicht entschieden. Bisher gab es noch keine Beschwerden, egal, was ich an Weihnachten auf den Tisch ­gebracht habe.

Werbung

Was bereuen Sie in Ihrem Leben?
Nichts. Ich glaube, ich habe vieles richtig gemacht, denn mein Leben ist wunderschön, ich habe eine tolle Familie, wunderbare Freunde, und ich habe mich bemüht, anderen Menschen Gutes zu tun. Vielleicht habe ich nicht alles zu jeder Zeit richtig gemacht, jeder hat seine kleinen Fehler, doch insgesamt gesehen schaue ich zufrieden zurück.
Was möchten Sie noch ­erleben?
Ich träume davon, mit Gabi ­zusammen auf eine grosse ­Reise zu gehen, ein paar ­Monate mit einem Schiff. Um unsere wunderschöne Welt noch besser kennenzu­lernen. Ich hoffe, dass das Leben mir ­diese Chance gibt, mir diesen Traum zu erfüllen. Noch steht ­dafür aber noch kein Termin in meinem Kalender.
Wie wollen Sie Ihren ­Lebensabend ­verbringen?
Am liebsten mit Gabi und meiner Familie. Irgendwann möchte ich stolz und zu­frieden sein, dass ich mein Talent als ­Sänger genutzt habe. Und ich hoffe, dass ich den Menschen nicht nur als gross­artiger Sänger, sondern auch als Mensch in Erinnerung bleibe, der etwas Gutes aus seinem Leben gemacht und Gutes in das Leben von anderen gebracht hat. Ich er­fülle meine Aufgabe so gut, wie ich kann, und ich glaube, bisher sehr gut.
Was ist das Geheimnis, um glücklich zu sein?

Werbung

Ich folge meinem Herzen. Es lügt dich nicht an. Und es zeigt dir die richtige ­Richtung in deinem Leben.

Persönlich

Semino Rossi wurde 1962 im argentinischen ­Rosario als Sohn eines Tangotänzers und einer ­Pianistin geboren. 1985 kam er über Spanien nach Österreich. Seinen Lebensunterhalt verdiente er lange Zeit als Strassenmusiker. Den Durchbruch schaffte er 2004 mit seinen Auftritten im «Winterfest der Volksmusik» und im «Musikantenstadl». Seit 1991 ist Semino Rossi mit der ehemaligen ­Hebamme Gabi verheiratet, er hat zwei Töchter und drei Enkel. Das Paar wohnt im Tirol. Rossi ­engagiert sich in verschiedenen sozialen Projekten in seiner Heimat.

Werbung