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Sabina Schneebeli

«Ich will auch mit 63 noch träumen dürfen»

Nach über 20 Jahren Schauspielerei wechselte die Zürcherin vor sieben Jahren in die Altenpflege. Heute kümmert Sabina Schneebeli sich um Senioren und Demenzkranke. Nebst dem Beruf findet die zweifache Mutter in alltäglichen Dingen ihr persönliches Glück.

Aurelia Robles

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Jahrzehntelang prägte Sabina Schneebeli (63) Schweizer Publikumserfolge am Fernsehen wie «Die Direktorin», «Lüthi & Blanc», «Tag & Nacht» oder ­«Tatort». Dann schlug die Zürcherin vor sieben Jahren ein neues ­Kapitel auf: «Es hat mich weggezogen von der ­Schau­spielerei. Ich wollte andere Er­fahrungen sammeln und brauchte neue Impulse.» Daraufhin liess sie sich zur Pflege­assistentin ausbilden.
GlücksPost: Sabina Schneebeli, warum gerade die Altenpflege?
Sabina Schneebeli: Ich dachte, es könne nicht schaden, wenn ich in diesem Bereich ein Werkzeugköfferchen an Grundwissen habe. Auch mit dem Gedanken, dass ich vielleicht meine Eltern mal pflegen ­müsste. Während der Ausbildung und eines Praktikums merkte ich schnell, dass ich einen super Draht zu alten Menschen, insbesondere auch zu Dementen, habe und viel ­Geduld mit ihnen aufbringen kann, die ich mir gegenüber nicht immer habe. Die ­Arbeit ist körperlich, mental und ­psychisch anspruchsvoll, aber auch ungemein erfüllend. Es kommt viel Dank­barkeit zurück.
Heute arbeiten Sie zu 70 Prozent in der Aktivierung. Wie sieht Ihr Alltag aus?
Zusammen mit einem kleinen Team ­gestalte ich das Freizeitprogramm der Bewohn­enden: Wir turnen, basteln, ­machen Gedächtnistraining oder erfinden Neues wie Sitzbadminton mit Fliegen­patschen und Ballons. Neue Ideen zu ­kreieren, das liebe ich. Vor allem geht es darum, den Menschen ein gutes Gefühl zu geben. Zuhören, reden oder einfach ihre Hand halten, wenn ein Gespräch nicht mehr möglich ist.
Was gibt Ihnen diese Aufgabe?
Ich habe auf verschiedenen Ebenen viel gelernt. Da ist einerseits die Pflege an sich, andererseits geht es darum, den Menschen als Ganzes wahrzunehmen, seine Bedürfnisse, aber auch seine Grenzen. Das erfordert viel Empathie. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man jemanden abholen kann, vielleicht für etwas motivieren und ihm dann ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Am Ende des Tages bin ich zwar meist leer und müde, aber ich weiss, meine Tätigkeit ist sinnstiftend.
Welches Bild zeichnen Sie von einem Pflegeheim?
Ich nehme die Grundstimmung schon sehr stark als «letzte Station im Leben» wahr. Aber das Leben findet noch statt. Ich erlebe oft lustige, skurrile, aber natürlich auch traurige und manchmal dramatische Momente. Ich trage stets ein Notizbüechli bei mir, um mir Situationen aufzuschreiben, die ich nicht vergessen möchte.
Was braucht der Mensch im Alter am meisten?
Ich denke, das Wichtigste ist, dass Menschen nicht vereinsamen. Wenn jemand sich total verwehrt, nichts mehr will und alles ablehnt, kein Austausch mehr stattfindet, muss man das respektieren, aber man kann zusehen, wie schnell es bergab geht. Das ist dann wirklich traurig.
Die Eltern von Sabina Schneebeli sind verstorben. Ihre Mutter konnte sie in deren letzten Wochen mitpflegen und begleiten, da sie im Heim war, in dem Schneebeli arbeitet. Dies sei eine wichtige Zeit für sie gewesen, eine Art wortlose Versöhnung habe durch die Pflege und Empathie stattgefunden.

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Sie haben kürzlich verlauten lassen, dass Sie jetzt, mit 63, wissen, worauf es im Leben ankomme ...
Ich spreche da natürlich nur für mich: Das Glück im Alltäglichen zu finden, in kleinen Dingen. Dankbar zu sein, offen und wachsam zu bleiben. Ich nenne das: «Barfuss im Herzen bleiben.» Ich habe den Ehrgeiz verloren, andere Menschen beeindrucken zu wollen oder ihren Erwartungen gerecht zu werden.
Wo finden Sie Ihr alltägliches Glück?
Es gibt verschiedene Formen von Glück. Ich strebe das Zufriedenheitsglück an, das auf Verbundenheit sowie innerer Ruhe ­basiert und am stabilsten und nachhaltigsten ist. Daran arbeite ich täglich.
Wie machen Sie das?
Ich übe mich in Dankbarkeit. Abends im Bett halte ich einen Speckstein mit einem darin gemeisselten Kreuz in der Hand, den mein älterer Sohn als Kind gebastelt hat, und bedanke mich für die schönen Erlebnisse des Tages. Das sind kleine Sachen, wie die ­getane Arbeit, Hunde­spaziergänge, Familie und Gesundheit. Und morgens, wenn ich aus der Dusche steige, schreibe ich auf den beschlagenen Spiegel. Sie glauben nicht, was das verändert.
Teilen Sie diese Praktiken mit Ihrem Mann?
Das mache ich nur für mich, mein Mann muss da nicht mitziehen. Ich bin allerdings überzeugt, dass durch meine Praxis automatisch etwas zu ihm überschwappt. Wenn man durch Meditation zur Ruhe kommt, färbt das aufs Umfeld ab. Das Schöne an unserer Beziehung ist, dass wir einander lassen. Es schenkt uns beiden Freiheit und Raum zum Atmen.

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Mit 53 heiratete Schneebeli noch einmal: 2016 gab sie dem Unternehmer Paul ­Kurath (64) am Comersee das Ja-Wort. Aus ihrer ersten Ehe mit Schauspieler Bernhard Bettermann (61) stammen die Söhne Tim (35) und Luca (31). Vor sieben Jahren kam Mischlingshündin Kaia in ihr Leben. Schneebelis Kinder fanden den Welpen in Griechenland.
Welche Rolle spielt Hündin Kaia für Sie?
Tiere schenken einem bedingungslose Liebe. Niemand freut sich so sehr, wenn ich nach Hause komme, wie Kaia. Sie beruhigt mich sofort – sobald ich bei ihr bin, fährt mein gesamtes System herunter. Tiere leben ganz im ­Moment, sie sind unsere wahren Lehrer. Ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht mehr vor­stellen.
Wo stehen Sie heute im Leben?
Lassen Sie mich mein Leben zu einem Dreigang-Menü herunterbrechen: Vorspeise, Hauptgang, Dessert. Mit 63 Jahren bin ich jetzt beim Dessert ange­langt.
Und schmeckt ­dieses?
Also ein Dessert musst du dir selber zusammenstellen, das wird dir nicht einfach hingestellt. Aber ich schaue mir das Dessertbuffet natürlich ganz genau an. Was will ich herauspicken, was hab ich noch nicht probiert, was kommt nicht mehr in Frage?
Haben Sie eine Antwort darauf?
Das Ziel ist, glücklich zu sein. Sich selber Zeit schenken, Milde und Mitgefühl sich gegenüber zu kultivieren. Bedürfnisse erkennen und umsetzen. Und ich komme immer wieder zurück zur Dankbarkeit und damit zusammenhängend zum ­Loslassen.

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Fiel es Ihnen damals schwer, die ­Schauspielerei loszulassen?
Das war einfach. Loslassen bedeutet, klar zu sehen. Mir war damals klar, dass ich eine Veränderung brauche.
Ist die Rückkehr vor die Kamera ­endgültig vom Tisch?
Nein. Ich habe damals aufgehört, weil ich neue Inspiration suchte. Mein Rucksack ist jetzt wieder vollgepackt mit neuen Erfahrungen, Geschichten, Emotionen und Bildern. Ich spüre, wie ich mich innerlich wieder öffne und diesen Rucksack kreativ nutzen möchte.
Wir werden Sie also in ­Zukunft wieder als Schauspielerin sehen können?
Es geht mir jetzt darum, mich wieder für die Schauspielerei sichtbar zu machen, auch wenn ich schon Stimmen von aussen höre, die sagen: «Oh, das wird schwierig.» Doch ich lasse mich nicht eingrenzen. Ich will auch mit 63 noch träumen dürfen, offen und interessiert bleiben für neue Herausforderungen, die Mut und Überwindung brauchen. Jetzt einfach mal schauen. Alles ­andere wird dann schon ­geschehen. (Lächelt.)
Über die Autoren
Aurelia Robles
Aurelia Robles
Seit 2023 arbeitet Aurelia Robles bei der GlücksPost als Stv. Chefredaktorin mit Fokus auf Unterhaltungsthemen.

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