Sie haben Grosses vor: Die Schwyzer Ländlermusiker wollen das Zürcher Hallenstadion füllen. Privat sind sie am liebsten daheim im Wägital. Ein Familienbesuch.
An jenem Tag regnet es im Wägital, und keiner der markanten Berggipfel der Umgebung ist zu sehen. Hier in Vorderthal, einem idyllischen Dorf im Kanton Schwyz, wohnt die Familie Rusch in einer Eigentumswohnung: die Zwillinge Cyrill und Simon (24), Vater Roger (58) sowie Ehefrau respektive Mami Doris (50).
Barfuss, in T-Shirt und mit der obligaten Kappe auf dem Kopf, bittet Simon Rusch hinein in die gute Stube. Hier sitzt schon der Rest der Familie. Auch Lisa Rusch (26), die grosse Schwester der Zwillinge, die nicht mehr daheim wohnt, schaut vor ihrem Sporttraining kurz vorbei.
Das Wohnzimmer ist mit Erinnerungsstücken dekoriert: An der Wand hängen grosse Fotodrucke mit Porträts von Lisa, Cyrill und Simon sowie das Hochzeitsfoto von Doris und Roger Rusch. «Das ist schon 28 Jahre her», sagt Doris Rusch ungläubig. Der ausziehbare Salontisch und das Sideboard, beides aus Holz, sind die Gesellenstücke von Cyrill Rusch: Der Schreiner hat sie auf kreative Art selber entworfen und gebaut.
Dok-Film als Erinnerung
Seit elf Jahren touren Roger Rusch und seine Söhne als Rusch-Büeblä mit Ländlerpop durch die Schweiz. In den letzten zwei Jahren jagte ein Höhepunkt den anderen: Sie gewannen zwei Swiss Music Awards, waren für den Prix Walo nominiert, feierten ihr 10-Jahr-Jubiläum und traten erstmals am Openair Flumserberg, in der Stadthalle Sursee sowie am Festival von Oesch’s die Dritten auf. Das bisherige Nonplusultra waren ihre Gastauftritte bei Trauffers drei ausverkauften Konzerten im Zürcher Hallenstadion vom November.
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Über ihr verrücktes vergangenes Jahr hat SRF kürzlich einen Dok-Film mit dem Titel «Rusch-Büeblä – Vom Wägital ins Hallenstadion» ausgestrahlt. «Es ist schön, sich gelegentlich vor den Fernseher zu setzen und dank des Films Revue passieren zu lassen, was wir alles erlebt haben. Denn im ganzen Trubel bleibt dafür manchmal zu wenig Zeit», sagt Simon Rusch.
«Es ist natürlich ein Risiko»
Auch nächstes Jahr haben die Rusch-Büeblä viel vor: Am 20. November 2027 wollen sie als Hauptact, aber unterstützt von diversen musikalischen Gästen, im Zürcher Hallenstadion auftreten. Das Motto: «Die ganze Schweiz im Voll-Rusch». «Die Auftritte mit Trauffer haben uns auf den Geschmack gebracht, und es fragten uns immer wieder Freunde, ob wir das nicht auch allein probieren wollen», sagt Cyrill Rusch. Nachdem ihnen sowohl der renommierte Musikproduzent Thomas J. Gyger (52) als auch Marc Trauffer (47) ihre Unterstützung zugesichert hatten, starteten sie dieses Mega-Projekt. «Es ist natürlich ein Risiko, und ich habe schon Muffensausen», sagt Roger Rusch.
Am 2. Juli präsentieren sie im «Donnschtig-Jass» ihr neues Lied «Voll-Rusch», und in den nächsten Monaten erscheint ihr neues Album. Darauf werden auch einige der Hallenstadion-Gäste zu hören sein, deren Namen die Ruschs nun nach und nach verraten werden.
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«Ich finde diesen Plan sehr cool und bin gespannt, was sie alles auf die Beine stellen werden», sagt Lisa Rusch. Anders als ihre Brüder wurde sie nicht von Vater Rogers Musikvirus angesteckt, sondern treibt lieber Sport. Sie unterstützt die Zwillinge und ihren Dädi aber, wo sie kann: Im Musikvideo von «Meitli tanz» schwingt sie mit Cyrill das Tanzbein, und auch im neuesten «Voll-Rusch»-Video ist sie mit vielen weiteren Freunden der Familie zu sehen.
Die Zwillinge sind selten daheim
Seit die 26-Jährige daheim ausgezogen ist, wird ihr ehemaliges Kinderzimmer als Musikraum genutzt. Nun stehen da Vaters Bassgeige, Cyrills Schwyzerörgeli, Simons Akkordeon, eine Gitarre und ein Klavier.
«Wir proben aber fast nie gemeinsam, jeder übt für sich, wenn es gerade passt», sagt Cyrill Rusch. Schliesslich arbeiten alle drei Männer unverändert Vollzeit auf ihrem Beruf: Roger als Dachdecker, Cyrill als Schreiner und Simon als Metallbauer.
Insbesondere die Zwillinge sind ständig auf Achse: Cyrill ist seit drei Jahren in festen Händen und trifft seine Freundin so oft wie möglich; Simon dagegen hält sich zum Thema Beziehung bedeckt. Beide sind in der Feuerwehr und treffen regelmässig ihre Freunde zum Jassen. «Wenn wir ‹furthocke›, gibt es kein heim, dafür sehen wir am Morgen wie Leichen aus», sagt Cyrill lachend. Unter der Woche reiche ihnen wenig Schlaf, aber am Wochenende kämen sie kaum aus dem Bett.
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Die ganze Familie Rusch: Lisa, Cyrill, Simon (o. von links) und ihre Eltern Roger und Doris daheim in Vorderthal SZ. Am häufigsten trifft man sich zum gemeinsamen Znacht. Ab und zu gibt es einen Spieleabend.Thomas Meier
Die ganze Familie Rusch: Lisa, Cyrill, Simon (o. von links) und ihre Eltern Roger und Doris daheim in Vorderthal SZ. Am häufigsten trifft man sich zum gemeinsamen Znacht. Ab und zu gibt es einen Spieleabend.Thomas Meier
Doris Rusch hält ihren Männern den Rücken frei und kümmert sich um den Haushalt. «Mir ist es wichtig, dass wir nach Möglichkeit zusammen Znacht essen», sagt sie. Ab und zu spielen Ruschs eine Runde «Eile mit Weile» oder das «Leiterlispiel» aus dem uralten Spielset. «Obwohl alle ausser Doris gern jassen, tun wir das nur auswärts, nie daheim», sagt Roger Rusch.
Auszeit im September
Im September gönnt sich die Familie eine längere Auszeit. Die Zwillingsbrüder wollen einen ganzen Monat lang nach Kanada. Zuerst besuchen sie einen ausgewanderten Freund, anschliessend wollen sie gemeinsam mit Schwester Lisa das Land erkunden. Derweil werden sich Roger und Doris eine Kreuzfahrt durch die Karibik gönnen.
Danach wird es für die Rusch-Büeblä gewohnt durchgetaktet weitergehen. Nach dem Grossprojekt vom nächsten Jahr steht bei Ruschs auch 2028 Grosses an: Cyrill und Simon möchten da mit dem Bau ihres Doppel-Einfamilienhauses beginnen. «Wir wollen nirgendwo anders hin, zu Hause sind wir am glücklichsten», sagt Simon Rusch, «hier haben wir all unsere Freunde, und für die sind wir nicht die Rusch-Büeblä.» – «Und es ist schön, dass wir so nah bei Mami und Dädi sein werden», ergänzt sein Bruder Cyrill. So könne man jederzeit daheim vorbeischauen. «Vielleicht gibt es dann ab und zu auch gleich noch ein Znacht für uns?»