Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Beim traditionsreichen Uhrmacher Tissot in Le Locle NE schaut der Berner Spitzenschwinger hinter die Kulissen.
Doch beim Zuschauen bleibt es nicht: Fabian Staudenmann (26) setzt sich an einen der Arbeitsplätze und wagt sich an das filigrane Innenleben einer mechanischen Uhr. Es brauche vor allem eine ruhige Hand, wie der bodenständige Eidgenosse schmunzelnd gesteht. Es sei faszinierend zu sehen, wie unvorstellbar klein ein solches Uhrwerk aufgebaut ist: «Schon nur die einfachste Schraube zu lösen, entpuppt sich als grosse Herausforderung. Ich bin mir vom Schwingen wohl eher etwas weniger feinmotorische Tätigkeiten gewohnt.» Zutiefst beeindruckt zeigte er sich von den vielen Handgriffen und der meisterhaften Präzision der Uhrmacher. «Da steckt unglaublich viel Handwerkskunst dahinter.»
Dabei zeigt sich Geduld bei ihm im Alltag von zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Wenn er Dinge selbst in der Hand habe, könne er mitunter extrem ungeduldig werden, meint er. Da schlage das Warten auch in Frust über das eigene Unvermögen um. Kann er selbst aber nichts beeinflussen, bleibt Staudenmann gelassen. «Das lässt mich meistens ziemlich kalt, und ich kann gut abwarten.»
Zeit für Freunde und Familie
Diese Ruhe schöpft der Schwinger nun in der wettkampffreien Zeit. Fabian Staudenmann erzählt: «Der Herbst gehört deshalb in erster Linie meinem privaten Umfeld.» So oft es geht, trifft er sich mit seinen Liebsten. «Ich geniesse es, wieder mehr Zeit für gemeinsame Ausflüge und Aktivitäten zu haben, die sich während der Saison nur bedingt einplanen lassen.»
Trotzdem: Staudenmann hat auch nach Saisonende ein dichtes Programm. An der Universität in Bern studiert er Volkswirtschaft, und auch das Training im Schwingkeller ist in vollem Gange. «Es ist sicher etwas ruhiger als während der Saison, aber genau jetzt wird der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. In dieser Zeit wird hart gearbeitet, auch wenn davon gegen aussen noch nicht allzu viel zu sehen ist.»
Begeisterter Fischer
Kraft tankt er bei seinem neuen Hobby. «Seit einiger Zeit versuche ich mich nämlich als Fischer», erzählt der Berner. An traumhaften Plätzen wie dem Engstlensee unweit des Titlis könne er herunterfahren und für einige Stunden alles um sich herum vergessen. «In der Natur gelingt es mir besonders gut, den Kopf freizubekommen und etwas Abstand vom Alltag zu gewinnen.» Bei ihm spielt alles zusammen – fast wie bei einem Uhrwerk.