Der Atlantik trennt den Eishockey-Star Roman Josi von seiner Mutter. Obwohl sie mehrmals pro Woche telefonieren, fliessen bei jeder Abreise die Tränen. Besonders gross ist die Freude dafür, wenn die Enkel Luca und Ivy ihre «Gogo» in Nashville oder Bern sehen.
Chiara Schmed
Sommerpause in der Schweiz: Der Berner NHL-Star Roman Josi besucht in der warmen Jahreszeit Mutter Doris in Bern. Stefan Kröhnert
Endlich kann Doris Josi (61) ihren Sohn wieder in die Arme schliessen. Seit Roman Josi (36) vor 15 Jahren zu den Nashville Predators in die USA ausgewandert ist, sind solche Mutter-Sohn-Momente selten geworden. Umso mehr geniessen der Captain der Schweizer Eishockey-Nati und seine Mutter die gemeinsame Zeit während der Sommerpause in Bern. An diesem Tag nehmen die beiden an einer Podiumsdiskussion des Vereins «Future Now» in Stettlen BE teil, die von Moderatorin Nicole Berchtold (48) geleitet wird. Dort sprechen die beiden darüber, wie Nachwuchssportler mit Leistungsdruck im Spitzensport am besten umgehen und mentale Stärke aufbauen.
Früher verbrachte Roman Josi die gesamte Sommerpause in der Schweiz – bis zu drei Monate lang. Heute reist der zweifache Vater gemeinsam mit seiner Frau Ellie Ottaway Josi (33) und den beiden Kindern Luca (5) und Ivy (3) an. «Wir versuchen, jeden Sommer etwa einen Monat nach Bern zu kommen. Mit den Kindern ist alles anders», sagt der NHL-Star. Daheim ist die vierköpfige Familie etwas ausserhalb von Nashville im US-Bundesstaat Tennesse – und somit über 7000 Kilometer von Mama Doris entfernt.
Dass Roman heute Captain der Nashville Predators ist, verdankt er nicht nur seiner Disziplin, sondern auch der Unterstützung seiner Eltern, Doris und Peter Josi. Mit 13 Jahren sei sein NHL-Traum konkret geworden. «Roman wusste, was er will, und hat sein Leben konsequent darauf ausgerichtet», sagt das stolze Mami. Für Doris Josi war es immer das Wichtigste, dass ihr Sohn Freude an dem hat, was er macht. «Wir mussten ihn nie pushen, er ging immer gerne ins Training.»
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Zurückgesteckt aus Liebe
Heute blickt Roman Josi mit grosser Dankbarkeit auf diese Zeit zurück. «Meine Eltern haben ermöglicht, dass ich meinen Traum leben kann. Ich merke erst jetzt, da ich selbst Kinder habe, was das wirklich bedeutet.» Druck habe er von Mama und Papa nie verspürt, sie liessen ihn stets seinen eigenen Weg gehen. Ausser denjenigen ins Training – schliesslich genoss er dort das Taxi Mama.
Für Doris Josi waren die Sportkarrieren ihrer beiden Söhne – auch Bruder Yannick (38) spielte Eishockey – mit viel Verzicht verbunden. «Als Mutter habe ich oft meine eigenen Interessen zurückgesteckt», sagt sie. «Das Hockey wurde immer intensiver. Aber wenn du siehst, mit welcher Begeisterung deine Kinder dabei sind, machst du das gerne.»
Die Unterstützung zahlte sich aus: Roman Josi hat längst den grossen Sprung in die NHL geschafft. Mit dem sportlichen Erfolg kam allerdings auch die Distanz. «Wir telefonieren mindestens ein- bis zweimal pro Woche», erzählt der Ver-teidiger. Dazu kommen regelmässig WhatsApp-Nachrichten. Doris Josi reist, wenn es Romans Spielplan zulässt, etwa zweimal pro Saison für mindestens eine Woche in die USA, wo es ihr sehr gefällt: «Nashville finde ich toll. Die Amerikaner sind in der Regel hilfsbereit, offen und freundlich.»
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Kinder freuen sich auf ihre Grossmutter
Besonders freut sie sich jeweils auf die Zeit mit ihren beiden Enkelkindern. Roman sagt: «Meine Kinder haben viel Energie, aber mein Mami hat mehr Energie!». Einen ganzen Tag mit Luca und Ivy zu verbringen, sei für Doris überhaupt kein Problem. «Die Kinder freuen sich jedes Mal riesig, wenn sie bei ihr sind.»
Roman Josi wohnt mit Gattin Ellie Ottaway Josi und den Kindern Luca (r.) und Ivy in der Nähe von Nashville, USA.Sven Thomann
Roman Josi wohnt mit Gattin Ellie Ottaway Josi und den Kindern Luca (r.) und Ivy in der Nähe von Nashville, USA.Sven Thomann
Luca und Ivy nennen ihre Grossmutter übrigens «Gogo». Der Spitzname entstand, weil Luca als Kleinkind «Grosi» nicht aussprechen konnte und stattdessen immer «Gogo» sagte. «Wir fanden das so süss, dass wir es beibehalten haben», erklärt Doris Josi.
«Am liebsten würde ich dauernd bei ihnen sein, aber das geht halt nicht», seufzt sie. Bis heute – auch nach 15 Jahren – falle ihr jeder Abschied schwer. «Ich dachte, ich gewöhne mich irgendwann daran. Aber das habe ich bis heute nicht», gibt sie zu. Roman Josi tröstet sein Mami jeweils, bevor sie wieder zurück in die Schweiz fliegt. «Früher hat sie wegen mir geweint, heute weint sie wegen den Enkelkindern», sagt er und schmunzelt.
Auch wenn der Atlantik zwischen den beiden liegt, bleibt Doris Josi immer eine wichtige Stütze für ihren Sohn. Das weiss der Eishockeyspieler zu schätzen. «Wenn ich irgendetwas von meinem Mami brauche, kann ich mich auf sie verlassen – wirklich immer. Egal, womit ich zu ihr komme, sie ist für mich da.»