Seine erfolgreiche Schauspielkarriere in Russland hat der Zürcher aufgegeben und nun sein Familienglück in der Schweiz gefunden. Dieses Jahr ist Philippe Reinhardt gleich in drei Filmen zu sehen, auch seine Frau Anastasia wird bald vor der Kamera stehen.
Chiara Schmed
Gehen zu viert durchs Leben: Schauspieler Philippe Reinhardt ist mit Frau Anastasia, Töchterchen Sonia und Hund Paul in Zürich zu Hause. Thomas Meier
Warm eingepackt in Winterjacke und Hose watschelt die kleine Sonia (1,5 Jahre alt) neben ihrem Papa, Schauspieler Philippe Reinhardt (44), daher. Ihre Backen sind vom kühlen Wind gerötet, dennoch strahlt die Kleine während dem kurzen Spaziergang nach dem Mittagessen über das ganze Gesicht. Heute ist ein grosser Tag für sie: Ihr erstes Fotoshooting steht an.
«Sonia ist das grösste Geschenk in meinem Leben», sagt Philippe Reinhardt, während er mit seiner Tochter die Treppen zu ihrem Zuhause in der Stadt Zürich hinaufsteigt. Kaum hat er die Tür geöffnet, rennt ihm Hund Paul entgegen und bellt vor Freude. Auch Frau Anastasia (30) begrüsst ihre Liebsten und nimmt ihre Tochter auf den Arm. Die Ukrainerin spricht mit Sonia in ihrer Muttersprache, während sie mit ihrem Mann auf Englisch kommuniziert. Philippe gibt seinem «Häsli», wie er seine Tochter nennt, einen Kuss auf die Wange, bevor er sich Zeit für das Gespräch mit der GlücksPost nimmt.
Drei Filme in diesem Jahr
Der 1,94 Meter grosse Philippe Reinhardt berichtet begeistert von seinen neuen Projekten. Es sind nicht ein oder zwei, sondern gleich drei Filme, in denen der Zürcher dieses Jahr zu sehen sein wird; im Horrorfilm «Ever After», in «The Barrel» an der Seite des deutschen Schauspielers Til Schweiger (62) sowie in «Ghost Bastard». Das letztgenannte Projekt liegt dem 44-Jährigen sehr am Herzen. Diesen Film – ein modernes Mystery-Drama, bei dem es um Vergebung geht – hat er selbst mitproduziert. Ab dem 9. April ist der Film in den Kinos zu sehen.
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Philippe Reinhardt spielt an der Seite von Aliyah Acar in «Ghost Bastard» einen zynischen Geist, der Frieden finden will.Hadlaub Pictures GmbH
Philippe Reinhardt spielt an der Seite von Aliyah Acar in «Ghost Bastard» einen zynischen Geist, der Frieden finden will.Hadlaub Pictures GmbH
2023 gründete Reinhardt seine eigene Produktionsfirma Hadlaub Pictures. «Die Firma ist aus Not entstanden», gesteht er. Denn bis dahin stand er von 2012 bis 2022 für mehr als 30 russische Filme vor der Kamera, darunter auch «Stalingrad» (2013). Reinhardt machte sich so in Russland als Schauspieler einen Namen und baute sich ein Leben auf – bis er 2022 alles hinter sich lassen musste. «Der Krieg in der Ukraine hat leider viele schöne Dinge zerstört. In meinem Fall war es nicht nur meine Karriere, sondern auch tolle Freundschaften.» Reinhardt sieht sich als komplett unpolitischen Menschen. «Aber aus Solidarität meiner Familie gegenüber will ich dort nicht mehr vor der Kamera stehen, bis ein langfristiger und gerechter Friede erreicht worden ist», fügt er hinzu. Doch wenn sich eine Türe schliesst, öffnet sich bekanntlich eine andere.
Im Sommer 2022 entdeckte Philippe auf Instagram die ukrainische Kommunikationsspezialistin Anastasia. Er schrieb sie an und die beiden kamen ins Gespräch. Für das erste Kennenlernen reiste Reinhardt von Zürich nach Mailand, wo Anastasia seit sechs Jahren wohnte. Schnell merkten die beiden, dass es ernst zwischen ihnen ist – so ernst, dass Anastasia ein halbes Jahr später ihre Koffer packte und zu ihm nach Zürich zog.
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Verbunden durch kreative Leidenschaft
Philippe, ein leidenschaftlicher Schauspieler, und Anastasia, eine begeisterte Theaterspielerin, verbindet eine kreative Leidenschaft. So gründete das Paar 2023 seine eigene Produktionsfirma und baute diese gemeinsam auf. 2024 folgte ein privates Highlight: ihre Hochzeit in Zürich. Kurz darauf standen die Dreharbeiten zum Film «Ghost Bastard» an, in dem Reinhardt eine der beiden Hauptrollen spielt. Sonia, die sich damals noch im Bauch ihrer Mama befand, hätte zu keinem besseren Zeitpunkt das Licht der Welt erblicken können: «Am 8. August, vier Tage vor Drehbeginn, kam Sonia auf die Welt», erinnert sich Reinhardt. «Philippe musste seinen Filmtext im Spital lernen», ergänzt Anastasia lachend.
Philippe Reinhardt gibt bezüglich Erziehung der gemeinsamen Tochter zu: «Den schwersten Teil macht Anastasia». Er selbst ist beruflich viel unterwegs, besonders jetzt, wo viele Premieren anstehen. Gattin Anastasia betont dennoch: «Philippe ist ein wundervoller Vater, er unterhält die Kleine und bringt sie zum Lachen.» Ihr Mann unterstütze sie, wo er nur könne. Besonders, wenn sie keine Energie mehr habe. Denn davon hat Reinhardt genug.
Sein unglaublicher Elan lässt sich durch seine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erklären. Früher nutzte Reinhardt Sport als Ventil: Bevor er Vater wurde, lief er wöchentlich 60 Kilometer und machte achtmal zusätzlich Sport. Seit 2012 verzichtet er zudem auf Alkohol. Doch fürs Joggen bleibt ihm inzwischen kaum noch Zeit: «Meine Energie gehört Sonia.» Schlaflose Nächte gehören ebenfalls zum neuen Lebensabschnitt dazu. Zweisamkeit mit seiner Frau gibt es kaum – ausser die Kleine schläft. Dann schaut das Paar gemeinsam einen Film oder steht zusammen in der Küche. «Anastasia kocht wesentlich besser als ich», findet Reinhardt lachend. Er selbst bereite immer nur die gleichen fünf Gerichte zu.
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Nebst ihrem Familienglück fokussiert sich das Paar Reinhardt auf seine Produktionsfirma. Als Nächstes realisieren sie den Film «Fat Boy». «Es ist eine sehr persönliche Geschichte, aber dennoch fiktiv», verrät Reinhardt. Anastasia wird darin die Hauptrolle spielen. «Das ist eine tolle Herausforderung für mich», sagt die 30-Jährige. Wer weiss, vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis die kleine Sonia ihre erste Filmrolle ergattert – schliesslich liegt die Schauspielerei den Reinhardts im Blut.