«Es wäre schön, eine Frau an meiner Seite zu haben»
Für den früheren Skistar schliesst sich bald ein geschäftliches Kapitel. Dafür wird Peter Müller wieder mehr Zeit für den Sport haben. Es fehlt ihm nur eine Partnerin, mit der er sein Leben teilen kann.
Medaillen und Kristallkugeln dekorieren das Schaufenster von Mythen-Sport in Einsiedeln SZ. Im Laden hat der Inhaber Peter Müller (68) weitere Trophäen aus seiner erfolgreichen Skikarriere platziert. Doch dieses Geschäftsprojekt ist bald Geschichte: Müller zieht sich zurück. Gespräche über eine mögliche Übernahme des Ladens seien noch im Gang. «Heutzutage ein Sportgeschäft zu führen, ist undankbar», erklärt er. So komme es immer wieder vor, dass sich Kundinnen und Kunden ausführlich beraten liessen, um den Artikel schliesslich bei einem anderen Anbieter online zu kaufen.
Bevor er nach Einsiedeln kam, führte Müller in Zürich ein Sportgeschäft sowie einen Fitnessclub. Sein «Ausflug» in die Immobilienbranche endete 2001 mit einer Geldstrafe. «Nach meiner Karriere habe ich das eine oder andere versucht, und das eine oder andere ist dabei in die Hosen gegangen», sagt er selbstkritisch. Denn: «Manchmal bin ich ein Chaot. Um Dinge, die mich nicht interessieren, kümmere ich mich nicht.» Geldsorgen habe er aber keine: Das Geld, das er als Skifahrer verdiente, hatte einst sein Vater für ihn verwaltet, und er habe es dann erfolgreich angelegt.
Auf 4000er mit Tourenski
Nun freut sich Peter Müller darauf, noch mehr Zeit für seine sportlichen Leidenschaften zu haben. Skifahren zählt nur noch bedingt dazu. In der Abfahrt, seiner Paradedisziplin, gewann er zwei olympische Silbermedaillen und wurde 1987 Weltmeister. Insgesamt heimste er 24 Weltcupsiege ein. Er sagt: «Manchmal gehe ich frühmorgens auf einer Skipiste ‹chli goge freese›. Aber eigentlich mache ich fast nur noch Skitouren.»
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Müller, der in Zug wohnt und in Schänis SG ein Ferienhaus besitzt, macht zwischen 50 und 80 Skitouren pro Jahr und teilt in den sozialen Medien seine Impressionen. Schon mehrere 4000er-Berge hat er dabei erklommen, zum Beispiel die Dufourspitze oder das Matterhorn. «Ich mag Touren, bei denen man etwas kraxeln muss», sagt er. Auch wenn sein Rücktritt als Skirennfahrer schon bald 35 Jahre her ist: Peter Müller ist noch genauso ehrgeizig wie damals. Er misst sich zum Beispiel bei Bike-OLs oder beim Bodensee-Radmarathon: Für die 300 Kilometer lange Strecke pedalte er letztes Jahr 12,5 Stunden lang.
In seinem Sportgeschäft in Einsiedeln kann man einen Teil seiner Trophäen bewundern.Valeriano Di Domenico
In seinem Sportgeschäft in Einsiedeln kann man einen Teil seiner Trophäen bewundern.Valeriano Di Domenico
Die Leidenschaft für den Sport verbindet ihn mit seiner Tochter Sandrine (30): «Wir haben relativ viel Kontakt und gehen zusammen biken oder an Orientierungsläufe», sagt Müller. Das war nicht immer so: Nachdem seine erste Ehe 2003 geschieden wurde, sah er seine beiden Töchter nicht mehr oft. Seine ältere Tochter (32) sehe er nur sporadisch. Das sei ihre Entscheidung. «Ich bin halt manchmal etwas zu direkt», sagt Müller über ihr Verhältnis.
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Seine direkte Art bescherte ihm schon die eine oder andere Schlagzeile. Etwa über seine Rivalität mit Pirmin Zurbriggen (63). Dabei hätten sie einander stets respektiert, auch wenn sie völlig verschiedene Typen seien. Anfang Jahr begegneten sie sich beim Weltcup-Rennen in Crans-Montana VS. Danach veröffentlichte Müller ein Selfie, wie Zurbriggen und er ein Glas Wein genossen: «Wir sprachen über Gott und die Welt.»
Den Herrgott hat Müller in seinem Leben schon einige Male herausgefordert. Zweimal stürzte er in der Abfahrt schwer. «Eine Abfahrt ist halt kein Kindergeburtstag», meint er lakonisch. Vor drei Jahren habe ein Kollege bei einer Skitour ein Schneebrett ausgelöst. In felsigem Gelände seien sie etwa 300 Meter in die Tiefe gefallen. «Das fühlte sich an wie in einer Waschmaschine.» Dank viel Glück konnte Müller sich und den Kollegen befreien.
«Ich glaube an etwas»
Mit der Kirche habe er keine Berührungspunkte, aber Peter Müller sagt: «Ich glaube an etwas.» Seine Eltern seien sehr gläubig gewesen und hätten daheim in Adliswil ZH jeden Sonntag den reformierten Gottesdienst besucht. Ein schwerer Schlag war für ihn, als ihm seine betagten Eltern vor zehn Jahren verkündeten, gemeinsam in den Freitod gehen zu wollen. Den Ausschlag gab die Krebserkrankung von Müllers Vater, die dieser nicht behandeln lassen wollte. «Fünf Monate lang konnte ich nicht mehr schlafen», sagt er.
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Inzwischen habe er den Verlust verarbeiten können. Peter Müller wirkt zufrieden. Einzig: «Es wäre schön, eine Frau an meiner Seite zu haben.» Seine zweite Ehe mit einer gebürtigen Russin wurde vor drei Jahren geschieden. Jemanden kennenzulernen, sei nicht einfach. «Es müsste schon fast eine Sportlerin sein, damit sie einigermassen mithalten kann», sagt Müller. Schon seine Eltern hätten ihm vorgelebt, dass man gewisse Interessen teilen müsse, um glücklich zu sein.