Während der Sänger auf der Bühne richtig Gas gibt, lässt Pascal Silva sich im privaten Alltag für alles Zeit. Das hat sich der 40-jährige Berner in seiner zweiten Heimat, der Karibik, angewöhnt. Dort laufen seine Lieder im Radio rauf und runter.
Chiara Schmed
Der Bielersee ist für Pascal Silva ein Stück Heimat. Nur wenige Gehminuten entfernt wohnt er gemeinsam mit seiner Schwester im Elternhaus in Ipsach.Chiara Schmed
Ganz entspannt blickt Pascal Silva (40) auf die atemberaubende Kulisse des Bielersees. Im Gegensatz zu seinen Musikvideos, in denen der Berner Seeländer jeweils ausgelassen tanzt, lässt er sich hier selbst für die kleinsten Bewegungen Zeit: Mit bemerkenswerter Ruhe nimmt er einen Schluck seines Getränks. Auf die Frage, ob er immer so gelassen sei, antwortet Silva lächelnd: «Ja, das habe ich mir in der Karibik angewöhnt.»
Als Pascal Silva 16 Jahre alt war, wanderte er mit seiner Familie von Ipsach BE in die Dominikanische Republik aus. Der Teenager musste zwar einige Freunde in der Schweiz zurücklassen, doch seine Begeisterung für die Musik nahm er mit. Seinen ersten Auftritt als Sänger hatte er schon mit acht Jahren – danach sang er immer wieder bei Hochzeiten, Geburtstagen und kleineren Festen.
In der Dominikanischen Republik nahm Silvas musikalische Karriere so richtig Fahrt auf. Der junge Erwachsene begann, auf Spanisch zu singen – obwohl er die Sprache damals noch kaum beherrschte. In seiner neuen Heimat wurde der Europäer, der Bachata, Salsa und Merengue sang, rasch bekannt. Silva machte sich einen Namen und trat in 80 TV-Sendungen auf.
Dieses neue Leben schätzte er sehr. Nur an die «karibische Pünktlichkeit» musste sich Silva erst gewöhnen. Kam jemand zu spät, nervte ihn das anfangs extrem. «Doch ich habe gelernt, alles locker zu nehmen.»
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2007 kehrte Silva in die Schweiz zurück. «Die Berge haben mir wahnsinnig gefehlt», gibt er zu. Bis heute wohnt er gemeinsam mit seiner Schwester, der erfolgreichen Pianistin Ladyva (37), im Elternhaus in Ipsach. Die beiden verbindet nicht nur das Zuhause, sondern vor allem die Musik. Beide verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Immer wieder stehen die Geschwister auch gemeinsam auf der Bühne – als Nächstes am 30. Oktober im Theatersaal des National Bern. Wenn Ladyva wegen ihrer Karriere unterwegs ist, fehlt sie ihrem grossen Bruder. Aber nicht etwa wegen des Haushalts: «Ich mache ohnehin mehr dafür», meint er und grinst.
Ausgelassene Lebensfreude
Mit seinen Eltern, die immer noch in der Dominikanischen Republik wohnen, telefoniert der Sänger fast täglich. Dort laufen seine Lieder im Radio unverändert rauf und runter. Jedes Jahr kehrt er für zwei bis drei Monate in die Karbik zurück – trotz seiner Flugangst. Silva gibt regelmässig Konzerte und nimmt dort auch seine Lieder auf. Diese beiden Welten spiegeln sich in seiner Musik wider: Seine im Sommer veröffentlichte Single «Aloha» klingt nach Sonne, Ferien und Leichtigkeit.
Pascal Silva möchte mit seiner Musik Lebensfreude vermitteln. Genau das, was er in der Karibik gelernt hat. «Man soll den Alltag vergessen können.» Diese Lebensfreude scheint auch abseits der Bühne sein Geheimnis zu sein. Wenn er nicht singt, zieht es ihn in die Natur. Silva wandert gerne in den Bergen und badet in Seen. Seine letzte Wanderung führte ihn vom Eigergletscher nach Grindelwald. In der Dominikanischen Republik bestieg er den Pico Duarte – den höchsten Berg der Karibik.
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Vielleicht ist es die Nähe zur Natur, die Silva seine innere Besonnenheit bewahren lässt. Man hat das Gefühl, den Sänger bringt absolut gar nichts aus der Ruhe. Ausser, seine Schwester beginnt, einen Boogie-Woogie auf dem Klavier zu spielen. Dann bewegt er die Hüften und singt dazu. Schliesslich verbindet die Geschwister nebst der Musik auch der gemeinsame Traum von einer Tournee durch Amerika.