Nach ihrem schlimmen Sturz folgte im Sommer die Traumhochzeit: Die Engelberger Skirennfahrerin hat eine hochemotionale Achterbahnfahrt hinter sich. Noch weiss Michelle Gisin nicht, wie und wann es mit ihrer Karriere weitergeht.
Es geht mir gut! Immer besser, und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.» Dies sagte Skirennfahrerin Michelle Gisin (32) vergangene Woche beim Medientag von Swiss-Ski. In den letzten Monaten durchlebte die gebürtige Engelbergerin die extremsten Gefühle. Im Dezember 2025 schrammte sie bei einem schweren Sturz im Training haarscharf an einer Querschnittlähmung vorbei. Dabei hatte sie sich so sehr auf die Olympischen «Heim»-Spiele in Milano Cortina (I) vom Februar gefreut. Heimspiele darum, weil sie und der Mann an ihrer Seite, der italienische Riesenslalom-Spezialist Luca De Aliprandini (36), seit 2018 am Gardasee (I) zu Hause sind.
Zwei grosse Ziele hatte Michelle Gisin während der monatelangen Reha vor Augen: auf die Skipiste zurückkehren – und so weit genesen, um mit ihrem Liebsten ein rauschendes Hochzeitsfest feiern zu können. Letzteres hat sie geschafft. Nicht zuletzt dank ihrem Luca, der sie nach ihrer Heimkehr aus dem Spital fünf Wochen lang «bei allem» unterstützt hat, wie sie gegenüber «Blick» sagte. Am 20. Juni gaben sie und De Aliprandini sich vor über 100 Gästen und vor traumhafter Kulisse am Gardasee das Ja-Wort. Der Moment stand am anderen Ende der Gefühlsskala, und Michelle Gisins Augen glänzen noch immer, wenn sie über ihre Hochzeit spricht.
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Grenzenloses Glück: Michelle Gisin und Luca De Aliprandini bei ihrer Hochzeit am Gardasee.deanmandile.com via mandile/Instagram
Grenzenloses Glück: Michelle Gisin und Luca De Aliprandini bei ihrer Hochzeit am Gardasee.deanmandile.com via mandile/Instagram
Ebenso wichtig war für sie die standesamtliche Trauung in ihrem Heimatort Engelberg OW: «Luca und ich waren ganz allein für uns, nah am schönsten Berg der Welt, dem Spannort. Das war für mich sehr emotional», sagt sie. Schliesslich musste sie, die das Klettern so liebt, während der Reha lange auf ihre geliebten Berge verzichten.
Stubete Gäng zum Hochzeitstanz
Inzwischen verbringt Michelle Gisin viel Zeit beim Wandern, denn dank der Stöcke kann sie schmerzfrei viele Höhenmeter erklimmen. Nicht nur in der heimischen Bergwelt hat sie diesen Sommer Wandertouren gemacht, sondern auch im italienischen Grödner Tal, bei einem Besuch von Alex Vinatzer (27), einem Teamkollegen ihres Mannes.
Ein weiterer «riesengrosser Höhepunkt» war für sie und Luca De Aliprandini der Besuch des Tennisturniers in Wimbledon (GB): «Das war der Wahnsinn!» Die Spiele der Schweizerin Belinda Bencic (29) hätten sie leider knapp verpasst, dafür hätten sie den kurz darauf zurückgetretenen Marc-Andrea Hüsler (30) anfeuern können.
War dieser London-Besuch die Hochzeitsreise des frisch verheirateten Paars? Darüber seien sich ihr Mann und sie nicht ganz einig: «Für Luca waren das keine klassischen Flitterwochen, aber für mich könnte es nichts Besseres geben als Wimbledon», sagt Gisin verschmitzt.
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Dass sie nicht immer derselben Meinung sind, zeigte sich auch beim SRF-Format «Mini Musig. Mis Läbe», wo Michelle Gisin mit einem Augenzwinkern verriet: «Musik ist eins der heikelsten Themen in unserer Beziehung. Da treffen schon ein bisschen zwei Welten aufeinander.» Während sie am liebsten Mundartmusik oder Mainstream-Pop und gelegentlich Rockmusik hört, könne ihr Liebster stundenlang Dancemusik hören. Einigen können sie sich bei den Liedern von Michael Patrick Kelly (48). Oder bei einem gut schweizerisch-italienischen Kompromiss: Als Hochzeitstanz wählten die beiden Nicht-Tänzer ein Medley aus «Felicità» von Al Bano (83) und Romina Power (74) und dem Party-Hit «De Pizzaiolo» von der Stubete Gäng.
Ein Schock für die Familie
Nun hat das Paar seine erste längere Trennung hinter sich: Luca De Aliprandini weilte mit dem italienischen Team im Sommertraining in Argentinien. Da, wo sich das Paar einst näher kennengelernt hatte. Michelle Gisin dagegen ist noch zu stark mit ihrer vollständigen Genesung beschäftigt, als dass sie mit den Schweizerinnen hätte mitreisen können.
Die zweifache Olympiasiegerin ist zwar mit der Heilung ihres stark lädierten Handgelenks zufrieden, ihren Rücken bezeichnet sie aber als «Handbremse», und im linken Bein fehlt ihr aktuell noch die nötige Kraft. Auf den Skis ist sie zwar schon gestanden, den Trainingsstart hat sie aber nach hinten verschoben: Sie hofft auf baldigen Neuschnee in den Bergen, weil sie sich noch nicht auf das blanke Eis in Zermatt VS wagen wollte.
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Für ihre Karriere sieht sie drei Optionen. Erstens: vollständig genesen und in den Skiweltcup zurückkehren. Denn natürlich wäre es ihr grosser Traum, im Februar an der Heim-WM von Crans-Montana VS starten zu können. Zweitens: ihre Karriere beenden. Drittens: kommende Saison pausieren und 2027/28 noch einmal richtig durchstarten.
Michelle Gisin und ihr Luca feiern dessen Silbermedaille bei der Ski-WM 2021.Sven Thomann
Michelle Gisin und ihr Luca feiern dessen Silbermedaille bei der Ski-WM 2021.Sven Thomann
In diesem emotionalen Auf und Ab führe sie viele Gespräche mit ihrem Mann, aber auch mit ihrer Familie. «Mein Sturz war ein Schock für sie», sagt die Speed-Spezialistin. Die Familie Gisin musste bereits während der Profizeit ihrer Geschwister Dominique (41) und Marc (38) viel durchmachen: Beide erlitten zahlreiche Verletzungen und Operationen. 2018 lag Marc Gisin nach einem Horrorsturz gar tagelang im Koma. Eine wichtige Stütze im aktuellen Genesungsprozess sei aber auch ihr Engelberger Physiotherapeut. Die beiden hätten in den letzten Monaten unzählige Stunden zusammen verbracht, und manchmal helfe er ihr mit der richtigen Portion Humor.
Eine vierte Option kommt für sie derzeit nicht infrage: den Fokus auf die Familienplanung verschieben. «Im Moment ist das noch kein Thema», sagt sie lachend, «jetzt ist erst einmal wichtig, dass mein Körper wieder einigermassen fit und gesund ist. Alles andere eilt nicht.»