Michela Figini

«Ich träume davon, ein Museum zu eröffnen»

Was macht die legendäre Skisportlerin Michela Figini heute? Und was sind ihre Zukunftsträume? Wir haben die unvergessliche Fahnenträgerin der Schweizer Olympia-Delegation von 1988 im Tessin besucht, um noch viel mehr zu erfahren.

Thomas Wälti

Michael Figini 2026
Bereit für den Ballwechsel: Michela Figini auf dem Court im Padel-Zentrum Biasca TI. Sven Thomann

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Benvenuti!», begrüsst Michela Figini (59) ihre beiden Gäste im Padel-Zentrum in Biasca TI. Die Tessiner Skilegende steht hinter der Theke und fragt mit einem ansteckenden Lächeln: «Darf ich euch einen Kaffee servieren? Ihr seid sicher müde nach der langen Reise.» Was für eine Frage, natürlich lassen sich der GlücksPost-Redaktor und der Fotograf von der charmanten Barista bedienen! Die hochdekorierte Abfahrtsspezialistin (siehe Box) führt mit Geschäftspartner Marlon D’Amico seit vier Jahren «The Padel Lab», eine Anlage mit fünf Plätzen, auf denen die Trendsportart Padel – eine dynamische Mischung aus Tennis und Squash – ausgeübt werden kann. In den Räumlichkeiten sind auch ein Restaurant, ein Schwimmbad, eine Sauna und Massageräume an­gesiedelt. «Im Padel-Zentrum möchten wir mit einem familiären Ambiente dafür sorgen, dass die Leute dem Alltagstrott entfliehen können», sagt die Unternehmerin.
In einer Glasbox macht Valentina ­Camozzi (32) ein paar Schnappschüsse. ­Figinis Tochter aus erster Ehe ist Web- und Grafikdesignerin. Sie unterstützt ihre Mutter bei Aktivitäten in den sozialen ­Medien und beim Webauftritt. Marco ­Camozzi (30), Figinis Sohn ebenfalls aus erster Ehe, lebt in Lausanne VD. «Valentina und Marco bedeuten mir mehr als alle ­Medaillen zusammen. Es gibt nichts ­Schöneres, als mit ihnen Ausflüge zu ­machen oder gemeinsam Weihnachten und Neujahr zu feiern», schwärmt sie von schönen Zeiten mit ihren Liebsten. Eben reiste sie mit Valentina an die «Hermann Maier Star Challenge» ins österreichische Flachau, wo Skilegenden in einem Charity-­Rennen gegeneinander antraten. Michela Figini ist inzwischen in zweiter Ehe ver­heiratet und wohnt in Bellinzona TI.

Lebensqualität dank künstlichen Hüftgelenken

Gesundheit sei das Beste, was sie sich wünschen könne, meint sie. «Mir geht es gut. Dank zwei künstlichen Hüftgelenken habe ich meine Lebensqualität zurück­gewonnen.» Sie treibe aus beruflichen Gründen nur noch wenig Sport. Das ­müsse sich ändern. «Ich möchte mit Pilates oder Yoga etwas für meine Fitness tun und ein bisschen abnehmen.»
Das Padel-Zentrum soll bald mehr ­Gäste anziehen. «Ein grosser Traum von mir ist, im oberen Stock ein Sportmuseum zu eröffnen. Ich möchte mit persönlichen Gegenständen an die grössten Tessiner Sportlerinnen und Sportler erinnern und etwas Nachhaltiges schaffen», kündigt Figini an. Sie ­versuche noch in diesem Jahr, Exponate von Clay Regazzoni († 67, Formel 1), Doris De Agostini († 62) und Lara Gut-Behrami (34, beide Ski Alpin), Alfio Molina (77, ­Eishockey), Mario Prosperi (80, Fussball) sowie Noè Ponti (24, Schwimmen) und ­vielen anderen mehr aufzutreiben. Wer ist nun die ultimative Tessiner Sport-­Legende? «Oh, dieser Titel gebührt allen. Sie haben Herausragendes geleistet», sagt die zweifache Schweizer Sportlerin des Jahres bescheiden. Im Sportmuseum ­sollen auch die Leistungen der Tessiner ­Parasportler sowie von Teilnehmenden der Special Olympics (Menschen mit geistiger Beeinträchtigung) gewürdigt werden.

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Ihre Karriereerfolge (1983 bis 1990)

  • 26 Weltcupsiege
  • 8 Weltcup-Kristallkugeln (zwei grosse, sechs kleine)
  • 2 Olympiamedaillen(1 × Gold, 1 × Silber)
  • 3 WM-Medaillen(1 × Gold, 2 × Silber)
Figini serviert einen zweiten Cappuccino. Auf dem Tisch liegen ihr pink-schwarzer Rennanzug, die Startnummer 5 und eine Goldmedaille – Erinnerungsstücke an ihren Abfahrts-Olympiasieg 1984 in Sarajevo, wo sie als 17-jähriger Teenager in die ­Herzen der Skifans fuhr. Drei Exponate für das Sportmuseum? «Oh, vielleicht stelle ich sie hinten in einer Ecke aus», ­lächelt die Frohnatur. ­Früher schwärmte sie für die schwedische Ski-Ikone ­Ingemar Stenmark (69). «Er war mein ­Vorbild. Sein Poster hing in meinem ­Kinderzimmer!» Auch Figinis Konterfei ist populär. So druckte die Post von Paraguay Figini in der Abfahrtshocke 1987 auf eine Sonderbriefmarke. Vor einem Jahr haben die Post und Swiss-Ski zu Ehren der ­Tessinerin eine Krypto-Briefmarke herausgegeben. Sie ist Teil einer Kollektion, in der elf Schweizer Schneesport-Idole gewürdigt werden, die sowohl im Gesamtweltcup als auch an Olympischen Spielen und WMs zuoberst auf dem Podest standen.

Emotionaler Flug nach Sarajevo

Spricht man mit Michela Figini über die Winterspiele in Mailand und Cortina (I), gerät sie ins Olympiafieber: «Die Eröffnungsfeier wird bei mir eine Gänsehaut auslösen. Ich durfte 1988 in Calgary die Schweizer Olympia-Delegation als Fahnenträgerin anführen. Das war schon sehr emotional.» Sie werde die Skirennen im Padel-Zentrum vor dem Fernseher verfolgen. Mit starken Gefühlen musste Figini auch 2020 umgehen, als sie für eine Youtube-Dokumentation von RSI Sport nach Sarajevo ­zurückkehrte. Am Steuer der Cirrus-Maschine sass ­Dominique Gisin (40). Sie gewann 30 Jahre nach Figini, 2014 in Sotschi (Rus), als nächste Schweizerin Olympiagold in der Abfahrt. «Ich ­unterstützte Dominique als Co-Pilotin. Der Flug verlief ruhig und war wunderschön.»

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Foto mit Maradona

Auch acht Kristallkugeln schmücken das Palmarès von Michela Figini, die im Alter von knapp 24 Jahren nach Differenzen mit dem damaligen Cheftrainer Jan Tischhauser (76) zurückgetreten ist. Noch stauben die Kugeln in einer Kiste vor sich hin. ­«Diese Trophäen trage ich in meinem ­Herzen», sagt die in Prato TI im Bezirk ­Leventina aufgewachsene Skirennläuferin. So ist es auch nicht weiter schlimm, dass sie das Foto mit Fussball-­Idol Diego Maradona († 60) nicht mehr findet, denn die Erinnerung lebt: Figini hat Maradona im August 1989 an ­einem Weltcuprennen in Las ­Leñas in Argentinien getroffen. «Maradona genoss mit seiner ­Familie im gleichen Hotel wie wir das Abendessen. Ich bin zu seinem Tisch gegangen. Worüber wir uns unterhalten haben, weiss ich allerdings nicht mehr», sagt Michela Figini. Über Skisport wohl kaum.

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