Michel Villa

«Dr Tiifel» hat auch mit 70 noch zu tun

Der Walliser Entertainer Michel Villa steckt auch nach seinem runden Geburtstag voller Ideen und Pläne. Er ist aktiver denn je und fühlt sich in seinem Unruhestand so richtig zufrieden.

Doris Zimmermann

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Gerne sitzt Michel Villa in Leuk in der Gasse vor seiner Wohnung und trinkt Kaffee. Zum Jubeltag machte er auch den Fotospass mit. Doris Zimmermann

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Beim Spaziergang mit Michel Villa (70) durch seinen Geburtsort hört man an jeder Ecke ein freundliches «­Tagwohl» oder «Salü». Der prominente Einwohner von Leuk VS liebt seine ­Heimat. Er lebt dort allein und bescheiden im Erdgeschoss seines ehemaligen Lokals in einer Mini-Wohnung, neben der früheren Restaurantküche, die er fürs Catering nutzt.
Vor wenigen Wochen wurde Villa 70 Jahre alt. Bewusst verzichtete er auf eine ­grosse Party. «Es ist nur eine Zahl, und ich habe den Kilometerzähler mit 40 ab­gestellt», scherzt er. Früher, ja, da habe er ­seine Geburtstage gerne gefeiert. Und noch viel lieber habe er jeweils für seine Liebsten ein Fest ausgerichtet, für den ­Bruder, den Papa und vor allem für seine Mama. Aber inzwischen seien alle gestorben. «Ein Fest hätte für mich deshalb nicht gestimmt», so Villa traurig. «Ich vermisse alle so sehr.»
Noch ist der Tod seiner geliebten Mutter am 17. Februar 2022 für ihn sehr präsent. Wie immer hätten sie die Wintermonate in seinem Ferienhaus am Lago Maggiore verbracht. Er habe ihr noch Kaffee gemacht, ein Erdbeertörtli serviert und sei dann mit Bekannten zum Essen gegangen. «Als ich nach Hause kam, lag sie tot auf dem Sofa.» Michel Villa kommen die Tränen, als er sich an diesen Moment erinnert. Mama sei im Kopf noch voll da gewesen, nicht aber körperlich. Michel agierte als ihre private Spitex, hat alles für sie gemacht. «Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben», erzählt er leise.

Grosse Dankbarkeit gegenüber Liedermacher Peter Reber

Freude und Abwechslung ins Leben des Sängers und Entertainers bringen nun ­seine vielen verschiedenen Aktivitäten. Noch immer singt er mit Spass seinen grössten und zugegeben auch einzigen Hit «Dr Tiifel isch gschtorbu» an unterschiedlichen Anlässen. Dieser Titel sei für ihn ein Segen, und er empfinde grosse Dankbarkeit gegenüber Komponist Peter Reber (77). «Er hat an mich geglaubt und war überzeugt, dass der Song in Walliser Dialekt funktioniert.» Rückblickend ist ­Villa froh, dass er den Hit 1977 relativ früh in seiner Karriere hatte und darauf auf­bauen konnte.
Im nächsten Jahr feiert dieser Schweizer Klassiker sein 50-Jahr-Jubiläum! Weil ­Michel Villa aus eigener Erfahrung ­wusste, wie schwer es für Walliser Künstler aufgrund mangelnder Auftrittsmöglichkeiten in ihrem Kanton ist, gründete er das ­Walliser Schlagerfestival, das über viele Jahre erfolgreich durchgeführt wurde. Eine der Siegerinnen, Ursula Bellwald (60), machte später als Sina im ganzen Land Karriere. Im Rahmen seines Festivals kreierte Michel Villa zudem die «Kinderhitparade». Zu jener Zeit war gerade ­Marijke Amado (72) mit der RTL-Kindersendung «Mini Playback Show» angesagt. Doch auf Michels Bühne musste immer live gesungen werden. Er habe stets auf grosse Versprechungen verzichtet, der Plausch am Singen sei im Zentrum ge­standen.

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«Kinderhitparade» als Herzensprojekt

Michel Villa präsentiert die «Kinderhitparade» bis heute mit viel Herzblut drei- bis viermal pro Jahr. «Ich hatte stets einen guten Draht zu Kindern, kann sie motivieren und mitreissen», stellt er fest. Auch noch als Siebzigjähriger? «Aber sicher!», antwortet er. Denn das Alter sei relativ. Er werde zwar nie mehr eine CD aufnehmen, das sollen die jungen Musikerinnen und Musiker machen, aber bei der Kinderhitparade bleibe er dran, verspricht er, der von 1986 bis 1991 im Schweizer Fernsehen die Jugendsendung «Mikado» moderierte.
Und dran bleibt der Tausendsassa auch als Event-Planer mit seinem «Senior-­Catering» sowie als Hochzeitsplaner. Nach dem Organisieren von 750 Hochzeiten habe er aufgehört zu zählen, meint der ­gelernte Koch. Er habe immer einen Rundum-Service geboten, sodass die Braut­paare sich ganz auf ihren schönsten Tag hätten konzentrieren können. «Ich hatte immer grosse Phantasie und viel Liebe zum Detail», erzählt Villa. «Solange die Nachfrage da ist, bei mir die Freude und die Gesundheit stimmen, werde ich weiter­machen.» Dazu gehören auch seine beliebte Tavolata und die Feste für Ukrainer/-innen in Leuk, für die er sich ­engagiert.
Und so müssen seine herbeigesehnten Reisen, unter anderem nach Berlin und Hamburg, halt eben noch etwas warten. Denn «dr Tiifel» hat in seiner Heimat noch immer viel zu tun.

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