Abo
Michael Moser

Ein Muni ist ihm nicht genug

Der Emmentaler gehört zu den erfolgreichsten Schwingern. Daneben bauert Michael Moser, drückt die Schulbank und verbringt so viel Zeit wie möglich mit seiner Freundin.

Michael Moser hat diese Saison schon sechs Schwingfeste gewonnen. Hier mit dem Siegermuni am Oberaargauischen Schwingfest.
Michael Moser hat diese Saison schon sechs Schwingfeste gewonnen. Hier mit dem Siegermuni am Oberaargauischen Schwingfest.Keystone

Werbung

Spätestens seit 2024 gehört Michael Moser (21) bei jedem Schwingfest zum Favoritenkreis. Diese ­Saison ging er schon sechs Mal als Festsieger vom Platz – jüngst am Südwestschweizer Schwingfest in Freiburg – und gewann acht Kränze. Moser gilt als offensiver Schwinger und liebt es, dem Gegner seine Schwingweise aufzuzwingen. Doch wie tickt der junge ­Emmentaler, der seine Gegner gerne ins Sägemehl wirft, ­eigentlich privat?
Michael Moser und seine Schwester Laura (19) sind in Biglen BE auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Es ist ein etwas grösserer, typischer Emmen­taler Betrieb», erzählt er. ­52 Milchkühe und ein paar ­Hühner stehen im Stall, zum Hof gehören auch viel Grasland und etwas Wald.
Obwohl es durchaus in die ländliche Szenerie gepasst ­hätte, hat in Mosers Familie niemand geschwungen. Als knapp Fünfjähriger verfolgte Michael im Jahr 2010 erstmals begeistert das Eidgenössische Schwingfest am Fernseher, packte dann kurzerhand seinen Teddybär, den «Kämpf­bäru», und legte ihn auf den ­Rücken. Ab da wusste er: «Ich will schwingen!»

Viele Tiere gewonnen

Dank seinen Erfolgen hat er den heimischen Betrieb schon um so manches lebende Tier erweitert: «Als Jungschwinger fing es mit Kaninchen an. ­Danach gab es die eine oder ­andere Ziege, gefolgt von ­Rindern und Munis.» Den ­Lebendpreis nahm er aber nicht jedes Mal mit nach ­Hause: «Zu unseren Kühen passt nicht jeder Muni», erklärt Moser, der zusammen mit ­seinem Vater auch Viehzucht betreibt.
Als gelernter Landwirt ar­beitet er zu 60 Prozent auf dem Betrieb seiner Eltern. Im Moment lässt er sich zum Betriebsleiter ausbilden, damit er den Hof später einmal übernehmen kann. «Bislang habe ich alles zusammen gut unter einen Hut gebracht», so Moser. Der Schulstoff gehe ihm zum Glück relativ rasch in den Kopf, aber er sei «alles andere als ein Sechser-Schüler».

Es funkte im Ausgang

Er sei generell ein ziel­strebiger Typ. «Wobei meine Freundin diese Frage vielleicht ­anders beantworten würde», ergänzt Moser lachend. «Für mich ist klar: Das Schwingen muss im Mittelpunkt stehen.» Er wolle schon noch ein paar Jahre aktiv schwingen. Darum habe die Betriebsübernahme keine Eile, sofern es seinem ­Vater gesundheitlich weiterhin gut gehe. «So, wie ich den Sport aktuell betreibe, könnte ich nebenher keinen Betrieb führen.»
Etwas ungewohnt gibt es im Schwingkalender vor dem zweitletzten grossen Fest der Saison, dem Schwägalp-Schwinget, eine dreiwöchige Pause. Diese nutzt Michael Moser für ein paar Tage Ferien mit seiner Selina (20). Eigentlich kennen sich er und die ­Medizinische Praxisassistentin schon lange: «Ich war früher oft bei ihrem Nachbarn zu Besuch, einem Schwinger. Gefunkt hat es dann vor knapp vier Jahren im Ausgang», erzählt er. Seit diesem Mai lebt das Paar ­zusammen in einem alten ­Bauernhaus, das Michael ­Moser und seine Familie vor ­einigen Jahren gekauft und umgebaut haben.

Werbung

Für Michael Moser fungieren Selina und seine Eltern an den Schwingfesten als eine Art Glücksbringer: «Sie sind fast ausnahmslos dabei, und das gibt mir ein gutes Gefühl», sagt er. An den Festen sei Selina ­immer mit einer Gruppe von Freunden zusammen und habe den Plausch. «Dass ich oft weg bin, bemängelt sie nie, ­obwohl ich das manchmal ­verstehen könnte», so Moser über seine Liebste.

Spontane Ausflüge mit Freundin

Seiner Freundin sei er dankbar, dass sie ihn ab und zu aus seinem «Schwinger-Film» herausnehme: «Dann fahren wir spontan in die Berge, an ­einen See, oder wir gehen zusammen essen.» Im Herbst und Winter gehe er auch gern gelegentlich in den Ausgang – wobei es auch nach einem Schwingfest lustig zu- und ­hergehen könne. Eine gute ­Ablenkung sei zudem die Arbeit auf dem Hof. «Und manchmal bin ich an einem Abend auch gern einfach daheim.»
«Irgendwann einmal eine Familie zu haben, wäre schön», meint er über die gemeinsame Zukunft mit Selina. Doch zunächst hat er einige konkrete sportliche Ziele im Fokus: Eines davon ist es, am 5. September das Kilchberger Schwinget zu gewinnen. «Und natürlich möchte ich irgendwann einmal Schwingerkönig werden.»
Über die Autoren
Andrea Butorin
Als Reporterin ist Andrea Butorin für die GlücksPost in der ganzen Schweiz unterwegs.

Werbung