Fast zehn Jahre lang hat Matute auf das Engagement beim Circus Knie gewartet. Nun ist der gebürtige Chilene am Ziel angekommen, doch der Erfolg erfordert Opfer.
Clown Matute braucht keine Worte und keine rote Nase, um die Besucher im Circus Knie zu begeistern: Doch wer den Menschen hinter den Lachern kennenlernt, trifft auf einen reflektierten und zurückhaltenden Profi. «Ich bin sehr ruhig», sagt Matute (35), der bürgerlich Omar Alvarez heisst.
Sein Weg in die Manege war mit jahrelanger harter Arbeit verbunden. «Mein Vater führt in unserer Heimat, Chile, zwar einen Zirkus, doch ich bin dort nicht aufgewachsen», erzählt der Knie-Clown. Er sah sich zuerst in einem anderen Bereich und besuchte eine Theaterschule. «Vor 15 Jahren bin ich dann aber als Clown doch noch zum Zirkus gekommen», sagt Matute. Von der Schauspielausbildung profitiere er bis heute – auch wenn er während den Auftritten nicht spricht, sondern lediglich mit tollpatschiger Mimik und Gestik für Lacher sorgt.
Ein weiterer bewusster Verzicht: Matute trägt keine klassische Clownsnase. «Sie wäre mir zu unbequem», sagt er lachend. Zudem wolle er mit dem klassischen Bild eines Clowns brechen: «Ich will meine Figur ohne solche klischeehaften Hilfsmittel gestalten.»
Mit seinem Äusseren bricht Matute mit den Clowns-Klischees.Anna Stuppia
Mit seinem Äusseren bricht Matute mit den Clowns-Klischees.Anna Stuppia
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Omar Alvarez tritt seit mittlerweile zehn Jahren in Europa auf, wo er mit den grössten Produktionen auf Tournee ging. Dass er jetzt mit dem Circus Knie unterwegs sein dürfe, erachte er als Krönung seiner Karriere. «2017 sass ich noch im Publikum, nun stehe ich in der Manege.» Auf dieses Engagement habe er lange gehofft.
Die Zusammenarbeit mit den Knies beschreibt Matute als sehr direkt. «Géraldine Knie beobachtet fast jede Vorstellung ganz genau.» Stimmt etwas nicht, würde sie sofort Rückmeldung geben. «Das schätze ich, dadurch kann ich mich verbessern.»
Viel Selbstkritik
Nach der Vorstellung fällt das Abschalten oft schwer. Während das Publikum schon auf dem Heimweg ist, kämpft er noch mit dem Adrenalin: «Es ist schwer, nachts nach einer Show direkt einzuschlafen.» In solchen Momenten sei er oft sein härtester Kritiker: «Ich frage mich immer wieder: War ich gut genug?»
Ausgleich zu seiner Arbeit in der Manege findet er beim Zeichnen, in der Fotografie oder beim Sport. Er geht regelmässig ins Fitnessstudio und joggt viel, um für die fünf Einsätze pro Show fit zu bleiben. Denn trotz der Leichtigkeit seiner Auftritte weiss er: «Zirkus ist echte Knochenarbeit».
Ein «wunder Punkt» bleibt jedoch das Privatleben auf Tournee. Da der Freundeskreis fast jährlich wechselt, zieht es ihn immer wieder zurück nach Chile zu seiner Familie und den alten Freunden. «In meiner Muttersprache bin ich noch viel lustiger», sagt er. Es schmerzt ihn manchmal, dass das europäische Publikum diese persönliche Seite von ihm nicht voll erleben kann.
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Ob er eines Tages den Zirkus seines Vaters übernehmen wird? «Sicher wäre das eine Option». Doch er lasse die Dinge lieber auf sich zukommen. «Ich lebe im Moment.»