Der erfolgreiche Nidwaldner Skifahrer Marco Odermatt erzählt, wie er mit seiner Familie gerne feiert, woran er glaubt und worauf er sich freut, wenn er dereinst seine Karriere beenden wird.
Diesen Winter läuft es bei Marco Odermatt (28) rund: Erst war er der Hauptdarsteller einer Ski-Doku, dann erschien seine Biographie, und zum Jahresende wurde er zum zweiten Mal in Folge von der GlücksPost zum schönsten Schweizer des Jahres gekürt. Doch jetzt zählt für ihn nur noch das Skifahren. Und da stehen drei Höhepunkte des diesjährigen Olympia-Winters vor der Tür: die legendären Weltcuprennen in Adelboden BE, Wengen BE und Kitzbühel (A). Bevor es losgeht, konnte ihn die GlücksPost zum Interview treffen.
GlücksPost: Marco Odermatt, Sie siegen auch abseits der Piste: Zum zweiten Mal in Folge sind Sie im GlücksPost-Ranking zum schönsten Schweizer gekürt worden, herzliche Gratulation! Dabei geht es um Persönlichkeit, Erfolg und Ausstrahlung. Was bedeutet Ihnen diese wiederholte Auszeichnung?
Marco Odermatt: Die Auszeichnung freut mich natürlich. Normalerweise bekommt man Preise, die sich vor allem auf die sportlichen Leistungen beziehen. Dass offenbar auch noch andere Eigenschaften von mir gut bei den Menschen ankommen, ist schön. Es zeigt, dass ich offenbar auch neben der Piste nicht alles verkehrt mache.
Der Weltcup-Kalender ist eng getaktet und lässt kaum Zeit für Besinnlichkeit. Haben Sie es trotzdem geschafft, Weihnachten zu feiern?
Ja, am 24. Dezember habe ich mit meiner Familie gefeiert, aber für weitere Feste im erweiterten Familienkreis reichte es nicht. Wir haben nicht gross Ferien und somit kaum Zeit für dieses schöne Fest, was ich bedauere. Aber das ist «Part of the Game» und irgendwann werde ich mehr Zeit dafür haben. Mit dem Swiss-Ski-Team reisen wir jedes Jahr bereits am 25. Dezember nach Bormio (IT), dieses Jahr geht es nach Livigno (IT).
Pflegen Sie bestimmte Weihnachtstraditionen?
Bei uns gibt es meistens ein klassisches Fondue chinoise. Früher haben wir stets zu viert gefeiert, in den letzten Jahren waren noch die vierköpfige Familie meines Cousins und mein Grossvater dabei.
Glauben Sie an Gott?
Grundsätzlich ja. Nicht, dass ich sehr religiös wäre und in die Kirche gehen würde, um zu beten, aber ich glaube an eine höhere Kraft. Wenn ich mal bei einer Kapelle vorbeikomme, beim Spazieren oder in anderen schönen Momenten, kann ich schon ein bisschen in mich hineingehen und besinnlich sein. Aber es muss nicht immer in einer Kirche sein, und ich habe dabei kein klares Bild vor mir.
Wie gross ist Ihr Wunsch, eine Familie zu gründen?
Ich sehe mich nicht in naher, aber in weiterer Zukunft schon mit einer Familie. Aber dieses Thema ist für mich noch weit weg, solange ich mit diesem Pensum Skirennen bestreite. Auch für meine Freundin, die noch viel vor sich hat in ihrem Leben (Anm. d. Red: Stella Parpan hat Medizin studiert und arbeitet derzeit als Assistenzärztin).
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An wen geht der erste Anruf nach einem Rennen?
An meine Freundin oder an meinen Vater.
Starke Familienbande: Vater Walter, Mutter Priska und Schwester Alina (von links) strahlen mit Marco Odermatt um die Wette.Keystone
Starke Familienbande: Vater Walter, Mutter Priska und Schwester Alina (von links) strahlen mit Marco Odermatt um die Wette.Keystone
Welchen Glücksbringer haben Sie im Gepäck, wenn Sie an ein Weltcuprennen fahren?
Ich habe keinen Glücksbringer, führe auch keine speziellen Rituale oder Tricks durch vor einem Rennen. Ich bin nicht abergläubisch. Dafür gibt mir Routine Sicherheit und Vertrauen.
Was ist für Sie der allergrösste Luxus im Leben?
Gesundheit und Zeit haben. Gesundheit mag die langweiligste Antwort auf diese Frage sein. Aber wenn du nicht gesund bist, bringen dir weder Zeit noch finanzieller Wohlstand etwas. Ein Luxus ist auch das Privileg, das wir alle haben, in der Schweiz zu wohnen und jede Möglichkeit zu haben.
Worauf freuen Sie sich am meisten nach Ihrem Karriereende als Skirennfahrer?
Dass ich mehr Zeit haben werde, um meine Freizeit flexibel und proaktiv gestalten zu können. Mein jetziges Leben ist schon stark an viele Fixtermine gebunden.
Macht Ihnen der Gedanke Angst, dass die Karriere irgendwann zu Ende sein wird?
Nein. Vielleicht auch deshalb nicht, weil es noch relativ weit weg ist. Das passiert sicher nicht schon in einem oder in zwei Jahren. Irgendwann einmal wird der Moment kommen. Aber ich weiss, dass ich gut aufgestellt bin mit meinem Umfeld und in meinem Leben. Auch besitze ich genug Begeisterung für andere Dinge. Wenn es irgendwann einmal so weit ist, wird es mir nicht langweilig werden.
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Was macht Ihnen generell Angst?
Relativ wenig. Es gibt natürlich Themen, die man nicht selbst in der Hand hat, wie die Gesundheit, ob die eigene oder jene der Liebsten. Auch in einem Spinnenbad müsste ich nicht baden, oder wenn man nachts allein durch den Wald läuft, ist es vermutlich allen nicht zu 100 Prozent wohl. Das sind, glaube ich, normale, menschliche Dinge.
Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Wenn man etwas macht, dann richtig und mit Freude.
Sie machen vieles richtig! Dank Ihrer Erfolge kennt die ganze Schweiz den Nidwaldner Dialekt und findet ihn sympathisch. Sind Sie stolz darauf?
Ja, denn ich bin schon etwas patriotisch, würde ich sagen. Ich bin froh, dass ich in Nidwalden aufwachsen durfte und immer noch da lebe.
Vor kurzem ist Ihre zehnbändige Biographie «Marco Odermatt. Meine Welt» auf den Markt gekommen. Warum erscheint sie gerade jetzt und nicht erst nach dem Karriereende?
Es ist gewiss nicht ein typischer Zeitpunkt, um meine Biographie zu veröffentlichen. Mein Manager Michael Schiendorfer hatte diese Idee bereits vor zwei, drei Jahren an mich herangetragen. 2024 erschien ein Buch über mich auf dem Markt, ohne dass wir darüber Bescheid wussten. Deshalb fanden wir, dass wir gescheiter selber etwas richtig Cooles machen.
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In manchen Kapiteln geben Sie sehr viel von sich preis. War das schwierig für Sie?
Das Schwierigste und Persönlichste waren die Auszüge aus meinem Tagebuch (siehe Seite rechts). Ich habe lange gewerweisst, ob ich das so wirklich zeigen will. Ich fand aber: Wenn ich schon ein Buch veröffentliche, muss ich auch etwas von mir geben, das nicht alle schon geschrieben haben. Auch die Eltern oder die Freundin so zu Wort kommen zu lassen oder abzubilden, war aus meiner Sicht, aber sicher auch für sie nicht ganz einfach.
Inwiefern hatten Sie gerade beim Abschnitt über Ihre Tagebücher den Gedanken im Hinterkopf, dass diese Informationen auch für Ihre Konkurrenten interessant sein könnten?
Ein Stück weit schon. Andererseits habe ich nie ein Geheimnis um irgendwelche Dinge gemacht. Wenn mich jemand danach fragt, gebe ich Auskunft. Dass ich Renntagebücher führe, ist kein Geheimnis. Wenn das ein Konkurrent nun liest, muss er es ja erst auch noch umsetzen können. Eine Linie sehen oder sie im Kopf haben ist das eine, das schafft man schnell einmal. Sie aber auch zu fahren, ist eine andere Geschichte.
Und wo haben Sie bei persönlichen Informationen die Grenze gezogen?
Nirgendwo. Ich habe nichts zu verheimlichen und habe mich noch nie verstellt. Ich bin, wie ich bin, und das konnte ich eigentlich immer möglichst authentisch vermitteln. Darum muss ich grundsätzlich nicht sehr früh eine Grenze ziehen.
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Haben Sie in den Texten, in denen Ihr Umfeld zu Wort kommt, neue Sachen über sich selbst erfahren?
Komplett neue Sachen nicht. Die Trainer haben gesagt, dass ich Neues rasch aufnehmen und umsetzen kann. Zwar war mir schon bewusst, dass das nicht schlecht funktioniert. Aber dass es aus ihrer Sicht so etwas Spezielles ist, hatte ich vorher nie bewusst wahrgenommen.
Lesen Sie Bücher?
Ich bin ehrlich gesagt keine Leseratte. Aber ich habe auch schon Biographien über andere Sportler gelesen, aber die lassen sich an einer Hand abzählen: etwa über Roger Federer, Marcel Hirscher, Arno Del Curto oder Dario Cologna.
Im Band «Meine Top 3» Ihres Buches verraten Sie, dass Sie fast jedes Lied des Mundart-Rockers Gölä auswendig können und Popsängerin Lana Del Rey mögen. Haben Sie unterdessen neue Musik entdeckt?
Nein, ich habe weder einen speziellen Musikgeschmack noch eine Lieblingsband. Auch gehe ich nicht oft an Konzerte. Das war schon immer so. Ich höre zwar sehr gern Musik, aber nur, wenn ich nicht den DJ spielen und die Boxen bedienen muss, sondern einfach mithören kann; dann passt es für mich.
Haben Sie ein «heimliches Laster», sei es beim Fernsehen oder beim Essen?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe keine Geheimnisse. Wenn ich auf etwas Lust habe, dann mache ich das, egal, ob es ums Essen geht oder um einen Kinderfilm, den ich wieder einmal schauen möchte. Da muss ich niemandem etwas vorspielen.
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Nun gibt es von Ihnen ein Buch, auch im Kino waren Sie kürzlich in «Downhill Skiers» zu sehen. Was kommt als Nächstes?
Es war viel los. Deshalb ist es gut, dass ich jetzt nur noch Skifahren im Kopf habe und nicht noch an sieben anderen Orten sein und andere Projekte planen muss oder darf. Mir wird nie langweilig, und sicher wird irgendwann einmal wieder etwas Neues kommen. Das Coole am Booklet-System der Biographie ist ja, dass noch ein paar Bände Platz darin haben. Wer weiss, was es in den nächsten Jahren in meinem Leben Spannendes zu erzählen gibt.
Persönlich
Marco Odermatt (28) wächst in Buochs NW auf. Seine ersten Schwünge zieht er mit zwei Jahren auf der Klewenalp. Im Skiclub Hergiswil und an der Sportmittelschule Engelberg reift er zum künftigen Skistar heran. Bei der Junioren-WM 2018 in Davos räumt Odi innerhalb einer Woche fünf Goldmedaillen ab. Später wird er Olympiasieger, dreimal Weltmeister, gewinnt 50 Weltcuprennen (Stand 31. Dezember 2025) und viermal den Gesamtweltcup. Zu seinen Hobbys gehören Sport allgemein (Fussball, Wassersport, Powdern) und Freunde treffen. Marco Odermatt wohnt mit seiner Freundin Stella Parpan in Ennetbürgen NW.