Manu und Michèle Burkart

Die neuen Rollen des Ehepaars

Der Alltag ihrer Familie wird immer wieder auf den Kopf gestellt. Während Michèle Burkart neu als ­Maklerin durchstartet, packt «Divertimento»-Komiker Manu Burkart den Koffer für Dreharbeiten auf Gran Canaria. Die längste Trennung als Familie steht bevor.

Aurelia Robles

Manu und Michelle Burkart
Komiker Manu Burkart und Michèle leben mit ihren drei Kindern in einem alten Bauernhaus im Zürcher ­Oberland. Siggi Bucher

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An diesem Mittwochmorgen ist bei Familie Burkart alles anders als ­geplant – und deshalb genau wie immer: Während das Ehepaar Michèle (42) und Manu Burkart (48) die GlücksPost in ihrem Zuhause im Zürcher Oberland empfängt, hat das Schicksal den Zeitplan bereits umgeworfen. Sohn Josh (13) liegt krank auf dem Wohnzimmer-Sofa. Tochter Alya (15) und Sohn Joan (8) sind in der Schule. In der Waschküche dreht die ­Maschine. Draussen fährt der automa­tische Rasenmäher. Die «Poschti-Lischte» wartet seit Tagen darauf, erledigt zu werden. Mittendrin sollte Manu seinen Koffer packen. Am nächsten Tag fliegt der Komiker für die Dreharbeiten zum ersten Film (Kinostart Herbst 2027) mit seinem «Cabaret Divertimento»-Partner Jonny ­Fischer (46) nach Gran Canaria. «Sieben Wochen werde ich weg sein», sagt Manu nachdenklich. «So lange war ich noch nie von meiner Familie getrennt.»
«Ich bin froh für Manu, aber auch für uns, dass es endlich losgeht», sagt Michèle. Das Proben und Lernen der Texte haben ihren Mann seit Dezember stark beansprucht. «Wenn es intensiv wird mit Divertimento, ist Manu daheim wenig belastbar, was ich als Erste merke und ­tragen muss.» Manu pflichtet seiner Frau bei. «Ich brauche viel Energie für den Job. Wenn ich da am Leiden oder Hadern bin, habe ich zu Hause kein Nervenkostüm mehr, was die Familie spürt.» Insbesondere das Textlernen liege ihm gar nicht, und davon gab es für seine erste Filmrolle viel. «Immerhin fand ich so oft andere Tätigkeiten und Pflichten spannender und habe mehr Dinge rund ums Haus abgearbeitet», meint er lachend.
Manu und Michelle Burkart
Manu und Michelle Burkart
Vollgas im Beruf, etwas mehr Chaos daheim: Michèle ist neu als Immobilienmaklerin ­tätig, Komiker Manu steckt mit «Divertimento» in der Realisierung des ersten Kinofilms.Siggi Bucher
Vollgas im Beruf, etwas mehr Chaos daheim: Michèle ist neu als Immobilienmaklerin ­tätig, Komiker Manu steckt mit «Divertimento» in der Realisierung des ersten Kinofilms.Siggi Bucher
Das Familienleben mit drei Kindern – zwei mitten in der Pubertät –, Haus, Umschwung und Tieren fordert vollen Einsatz. «Wir wohnen wunderschön, aber sehr abgelegen, sodass unsere Kinder abends nicht immer alleine heimkommen können und wir sie oft fahren», sagt Michèle ­Burkart. Tochter Alya kickt in der Selek­tion von GC, Sohn Josh ist begeisterter Eis­hockeyaner – beide trainieren mehrmals pro Woche. Da Manu und Michèle von ­ihren Eltern früher bedingungslos unterstützt wurden, wollen sie diesen Rückhalt auch ihrem Nachwuchs bieten. Manu gesteht jedoch ehrlich: «Ohne Unterstützung von aussen könnten wir die vielen Fahrdienste logistisch nicht mehr bewältigen.»

Ausbruch aus der klassischen Rolle

Geprägt durch ihre Eltern, entschieden sich die beiden, die seit 20 Jahren ein Paar sind, anfangs für ein traditionelles Familienmodell. «Ich stehe dazu, dass ich es wertvoll finde, wenn ein Elternteil mehrheitlich für die Kinder da ist», betont Manu. Auch Michèle, wie ihr Mann ausgebildete Lehrerin, sah das so. Zwar habe sie stets ein bis zwei Tage im Beruf gearbeitet und diese «Inseli» auch gebraucht, wie sie sagt, doch sie spürte dann irgendwann doch den Wunsch nach Veränderung. «Vor drei Jahren sagte ich, dass ich unseren Familien­alltag so nicht mehr alleine stemmen kann und mehr Hilfe benötige», sagt sie. «Manu wertschätzt meine Arbeit daheim sehr, aber ich habe auch gemerkt, dass ich noch eine andere Herausforderung brauche und jetzt mit Ü40 noch die Möglichkeit dazu habe.»

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Auf der Plattform «Rent a Rentner» fand Manu Burkart einen hockeybegeisterten Pensionär aus dem Dorf, der neben den ­Eltern von Michèle nun seit drei Jahren Fahrdienste für Sohn Josh übernimmt. «Zwischen den beiden ist mittlerweile eine Freundschaft entstanden», erzählt Burkart. Vor zwei Jahren begann Michèle Burkart dann ihre Ausbildung zur Immobilienmaklerin, die sie kürzlich abgeschlossen hat. Die Branche hatte sie schon immer interessiert, da ihr Vater ein Bau­unternehmen hatte und ihre Mutter eine Immobilienfirma. «Nun war der richtige Zeitpunkt. Doch die beiden wöchentlichen Abendkurse und das Lernen waren taff, aber ich wollte meinen Kopf wieder füllen und würde nun am liebsten beruflich richtig Vollgas geben.» Manu versteht ihren Wunsch nach einer neuen Herausforderung und spürt, wie gut diese seiner Frau tut. Er gibt aber auch unumwunden zu: «Ich merke natürlich sofort, was daheim liegenbleibt. Wenn beide berufstätig sind, bringt das mehr Unruhe. Wir haben definitiv mehr Feuerwehrübungen im Alltag.»

Zusammen und doch jeder für sich

Beruflich wie familiär stecken die Burkarts in einer intensiven Phase. «Das kennen alle Eltern mit Teenagern. Schulwechsel stehen an, alles wird emotionaler», so das Paar. Ausgerechnet jetzt bleibe die Partnerschaft manchmal auf der Strecke. Selbst für ihre geliebten «Love Weekends» zu zweit fehlte ­zuletzt die Zeit. «Für die Zweisamkeit wurde es schwieriger», gesteht Manu offen. «Ich hatte das ­erste Mal das ­Gefühl, dass wir in einem Fahrwasser sind, in dem wir zwar nicht auseinander-, aber doch ­spürbar aneinander vorbeileben.» Als Paar sei es deshalb wichtig, stets im ­Austausch zu bleiben. Kürzlich schafften sie es wenigstens für eine Übernachtung zu zweit weg. «Wir ­finden zum Glück ­immer schnell wieder zueinander und zu guten Gesprächen», sagt Manu.

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Manu und Michelle Burkart
Manu und Michelle Burkart
Neben zwei Hängebauchschweinen haben die Burkarts auch Hühner, einen Hund, eine Katze und eine Kornnatter.Siggi Bucher
Neben zwei Hängebauchschweinen haben die Burkarts auch Hühner, einen Hund, eine Katze und eine Kornnatter.Siggi Bucher
Anders als die vielen Jahre zuvor, hat ­Michèle durch ihre neue berufliche Leiden­schaft auch weniger Zeit, an den Projekten ihres Mannes teilzuhaben. «Ich habe noch nicht einmal das Drehbuch ­gelesen», sagt sie. «Er hat jetzt im Film auch eine Frau, aber das kümmert mich nicht. Ich habe die Kapazität nicht, mir darüber Gedanken zu machen.» – «Ja, ich wollte dir die Schauspielerin zeigen, aber du hattest nicht grosses Interesse. Früher hatten wir eher Eifersuchtssituationen. Heute kennen wir Eifersucht kaum mehr, worüber ich sehr froh bin.» Michèle nickt gelassen. «Ich habe Vertrauen in unsere Ehe. Wir sind 20 Jahre zusammen – ohne Manu, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.» Er blickt sie gerührt an: «­Dieses Urvertrauen teile ich.»
Und nun sollte Manu Burkart wirklich die Koffer packen. Dennoch will er noch kurz einen Blick in die Zukunft werfen. Seine grosse Wunschvorstellung: Wenn der Film im Herbst 2027 erschienen ist und auch die Abschiedstournee mit Diverti­mento vorbei ist, möchte er für ein, zwei Jahre den Haushalt allein schmeissen und dadurch seiner Frau den Rücken freihalten. Michèle lacht laut auf: «Das werden wir ja dann sehen!»
Bei den Burkarts kommt es halt meist anders als geplant. Und das ist für sie ganz normal.

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Über die Autoren
Aurelia Robles
Aurelia Robles
Seit 2023 arbeitet Aurelia Robles bei der GlücksPost als Stv. Chefredaktorin mit Fokus auf Unterhaltungsthemen..

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