Als erfolgreiche Alphorn-Solistin bereist Lisa Stoll die ganze Welt und steht oft im Mittelpunkt. Umso wichtiger ist für die Musikerin ein Rückzugsort, der ihr guttut. Bei ihren Bienen findet die Hobby-Imkerin zu sich selbst.
Doris Zimmermann
Lisa Stoll betreut vier eigene Bienenvölker. Fürs Foto verzichtete sie auf ihre Schutzkleidung. René Ruis
Bei gutem Wetter zieht es Lisa Stoll (30) vor, in der freien Natur statt im Proberaum zu üben. Eine idyllische Waldlichtung in der Nähe von Seon AG ist dann in den Morgenstunden erfüllt von klaren Alphorntönen. Sie liebe es, draussen zu spielen und am Waldrand klinge es besonders schön, mit einer Art Echo, schwärmt die Musikerin. In der Nähe ihres Lieblingsplatzes am Waldrand stehen auch die Bienenkästen der Hobby-Imkerin.
Die Klettgauerin wuchs auf einem Bauernhof in Wilchingen SH auf und ging schon als Kind einem Imker zur Hand. Lange waren Bienen kein Thema mehr, aber nach dem Umzug ins aargauische Seetal bot sich Lisa dann wieder die Möglichkeit zum Imkern. Während dreier Jahre stand ihr ein Imker hilfreich zur Seite, und in einem Kurs eignete sie sich das nötige Fachwissen an. Nun betreut sie selbständig ihre eigenen vier Bienenvölker. Sie ist fasziniert von den kleinen emsigen Tieren und ihrer grossen Leistung, weiss auch, wie unverzichtbar und überlebenswichtig die Bienen für unser ganzes Ökosystem sind. Im Frühling, wenn ihr Hobby am aufwendigsten ist, nimmt sich Lisa Stoll gerne die nötige Zeit. Später sei der Unterhalt unkomplizierter, meint sie.
Regelmässige Stiche
Jedes Mal, wenn sie volle Honigwaben in die Schleuder hängt und den Honig dann in Gläser abfüllen kann, ist ihre Freude besonders gross. Und nein, sie verkaufe ihn nicht, sie fände im Familien- und Freundeskreis genügend Abnehmer. Und klar, gebe es bei ihr täglich Honig zum Frühstück. Wird sie auch gestochen? «Ja, regelmässig», sagt sie. Sie trage zwar Schutzkleidung, aber an Armen, Beinen und Händen sei es halt schnell passiert. Wichtig sei es, das Gesicht gut zu schützen. Und zum Glück sei sie nicht allergisch auf Bienenstiche, erzählt sie.
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An ihrem Hobby schätzt sie vor allem die Ruhe in der Natur. «Als Musikerin treffe ich viele Leute und muss stets präsent sein. Das mache ich gerne, aber ich brauche auch den Ausgleich», sagt sie. Bei den Bienen sei sie alleine, müsse mit niemandem sprechen. Ihre Aufmerksamkeit gehöre nur den Tieren und ihr selbst. «Diese Momente sind wichtig und tun mir gut.»
Seit kurzem hat sie eine weitere Freizeitbeschäftigung in der Natur gefunden: das Fischen. «Mein Freund ist Hobbyfischer. Ich habe ihn ein paar Mal begleitet und gemerkt, wie viel Spass das auch mir macht», sagt Lisa Stoll. Am liebsten geht das Paar in Bergseen fischen, meistens Forellen. Es sei schön, ein gemeinsames Hobby zu haben, aber auch zu zweit sei nicht garantiert, dass es zum Abendessen Fisch gebe, scherzt sie.
Gemeinsame Auftritte mit Partner
Seit acht Jahren ist Lisa Stoll mit dem klassischen Trompeter Didier Gasser (34) zusammen, wohnt mit ihm in Seon AG in einem älteren Haus mit grossem Garten. Ab und zu gibt es auch gemeinsame Auftritte der beiden Profimusiker. Eigentlich sei es egal, mit wem man auf der Bühne stehe, wichtig sei, dass man sich gut verstehe. «Aber natürlich ist es umso schöner, wenn es auch zwischenmenschlich harmoniert», schwärmt Lisa Stoll.
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Seit acht Jahren ist Lisa Stoll mit dem Trompetenspieler Didier Gasser zusammen. Ab und zu gibt es auch gemeinsame Auftritte des Paars.zVg
Seit acht Jahren ist Lisa Stoll mit dem Trompetenspieler Didier Gasser zusammen. Ab und zu gibt es auch gemeinsame Auftritte des Paars.zVg
Vor ein paar Wochen feierte die erfolgreiche Alphorn-Solistin ihren 30. Geburtstag. Ein Grund, ihre Lebensplanung privat oder beruflich deshalb zu überdenken, war dies jedoch nicht. Sie plane bewusst nicht gerne weit voraus, ausser bei Auftritten oder Konzerten, die sie privat besuche, wie kürzlich das der Toten Hosen oder im August von Lenny Kravitz. Sie habe gerade eine Rockphase, gesteht sie und lacht. «Ich nehme alles vorzu», stellt sie klar. Sie sei dankbar für das, was sie bisher schon erlebt habe. Die Musik bringe sie auf der ganzen Welt an Orte, an die sie sonst nie gekommen wäre. Und überall bekomme sie einmalige, authentische Einblicke. Aber egal, wo Lisa Stoll auch auftritt, sie trägt dabei immer die Schaffhauser Sonntagstracht. Es sei wie ein Ritual, sobald sie die Tracht anziehe, komme sie in den Modus der Musikerin, sei bereit für den Auftritt. «Ich bin auch stolz, dass ich im offiziellen neuen Schweizer Trachtenbuch als Vertreterin des Kantons Schaffhausen in meiner Tracht abgebildet bin», erzählt sie. Aber bei Temperaturen von über 30 Grad, wie sie jetzt gerade herrschten, sei sie nicht unglücklich, wenn sie privat wieder in T-Shirt und Jeans schlüpfen könne.