Sängerin Linda Fäh ist mit einem Mami aufgewachsen, das stets zu Hause war. «Die Zeit war früher eine andere», erinnert sich Brigitte Fäh und erzählt im Rahmen des Muttertages, warum sie sich um ihre Tochter nie Sorgen machen musste.
«Mami ist der Ruhepol»: Linda Fäh, die soeben einen Prix Walo in der Kategorie Schlager gewonnen hat, und Mutter Brigitte sehen sich oft und unternehmen auch mal einen Städtetrip zusammen. Diana Kottmann
Der dreijährige Lio ist daheim in Einsiedeln SZ in die Küche verschwunden. Er darf bei der Kaffeemaschine den Knopf drücken und seinem Mami Linda Fäh (38) eine Tasse rauslassen. Das kurze Zeitfenster nutzt die Schlagersängerin, um wiederum mit ihrem Mami Brigitte (72) für die GlücksPost-Fotografin zu posieren, denn am 10. Mai ist Muttertag.
«Mami, fertig!» Schon ist Lio zurück und will mit aufs Foto, etwas anderes interessiert ihn nicht. «Ich erkenne ab und zu in meinem Enkel Linda wieder», sagt Brigitte. «Meine Tochter wusste auch schon früh, was sie will, und liess sich nicht davon abbringen. Für mich als Mutter war das manchmal etwas streng, das merkt Linda jetzt auch.» – «Schon als ich so klein war?», fragt die Miss Schweiz 2009 und muss lachen. Sie weiss, dass ihr Sohn hartnäckig sein kann. «Keine Sorge, das hat auch Vorteile», beruhigt Brigitte sie. «Du weisst noch immer, was du willst, und kannst dich auch wehren.»
Es kommt schon gut – oftmals sind es diese Worte, die Linda Fäh hört, wenn sie Brigitte für einen Rat konsultiert. «Sie ist in Mamifragen meine Anlaufstelle und mein grosses Vorbild», sagt sie. «Ich habe sie als unglaublich geduldige Mutter in Erinnerung, die nie laut wurde. Mami ist der Ruhepol. Ich bin da etwas anders, denn ich habe die Unruhe und Ungeduld meines Vaters in mir und halte in der Erziehung sehr an Strukturen und Regeln fest.» Denn werde einmal eine Ausnahme gemacht, sei der Kleine sehr schlau und wisse genau, wie er diese ein weiteres Mal einfordern könne.
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Idyllische Kindheit verewigt
«Wir sind als Mütter tatsächlich ziemlich verschieden», sagt Brigitte Fäh. Unter anderem lese ihre Tochter auch Ratgeber, sie wiederum habe früher vor allem intuitiv erzogen. «Die Zeit war früher aber auch eine andere. Die Kinder sind heute viel viffer, lernen schnell und bekommen mehr Eindrücke mit. Damals hatte man auch nicht so viel Geld für Ausflüge und Spielzeuge.» Wie zu jener Zeit ganz normal, blieb Brigitte Fäh zu Hause bei den Kindern Linda, Fabio (40) und Sina (35), ihr Mann Franzruedi (73) verdiente das Geld. «Das habe ich mega genossen und es mir auch so gewünscht», sagt die heutige zweifache Oma. Erst als auch die Jüngste in die Oberstufe kam, fing sie wieder an, im Altersheim zu arbeiten.
Zweimal in der Woche schaut Brigitte in Einsiedeln auf Enkel Lio, damit Tochter Linda in Ruhe arbeiten kann.Diana Kottmann
Zweimal in der Woche schaut Brigitte in Einsiedeln auf Enkel Lio, damit Tochter Linda in Ruhe arbeiten kann.Diana Kottmann
Aufgewachsen ist Linda Fäh mit ihren Geschwistern in einem Einfamilienhäuschen im Grünen, im 3000-Einwohner-Dorf Benken SG. «Wir waren oft draussen und hatten sehr viele Gspändli.» Ihre tief verwurzelte Heimatliebe hat sie nun auch musikalisch verarbeitet: Kurz vor dem Muttertag veröffentlichte die Schlagersängerin, die bislang Hochdeutsch gesungen hat, mit «I mim chline Dorf» ihr allererstes Mundartlied überhaupt. Darin singt sie unter anderem «I mim chline Dorf entstönd grossi Gschichte». So hat Linda im Nachbarskind Sandra nicht nur ihre erste Freundin gefunden, sondern «eine Freundschaft fürs Leben». Auch im Video zum Lied schliesst sich der Kreis: Es zeigt die Orte, die Lindas Kindheit prägten und die nun auch Sohn Lio mit seinen Grosseltern für sich entdeckt.
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Wünsche und Werte
«Au mini Chind werdet da mal alt» lautet eine weitere Zeile im Lied, das von Marco «Bligg» Bliggensdorfer (49) geschrieben und produziert wurde. Tatsächlich dachten Linda Fäh und ihr Mann Marco Dätwyler (42) lange daran, in Benken ein Eigenheim zu bauen, was sich aber bis heute nicht ergeben hat. «Zudem fühlen wir uns mittlerweile richtig wohl in Einsiedeln, haben auch einen grossen Garten. Und durch Lio, der hier in die Spielgruppe geht, lernen wir immer mehr Familien kennen.» Ob auch die eigene Familie noch wachsen wird, lässt das Paar offen. «Lio ist ein absolutes Wunschkind, ich spürte den Wunsch damals intensiv. Solange ich nicht dasselbe Gefühl wieder habe, sind wir sehr glücklich zu dritt.»
Hinzu kommt, dass Linda mit ihrem Mundart-Projekt gerade eine strenge Phase hinter sich hat und sich nun auf mehr Mami-Tage mit ihrem Sohn freut. «Ihn aufwachsen zu sehen, ist wunderbar. Das will ich nicht verpassen. Manchmal wünschte ich mir nur zwei Minuten die Unbeschwertheit eines Kindes zurück.»
Brigitte Fäh schaut zweimal pro Woche auf ihren Enkel. «Zu sehen, wie sehr meine Mutter mein Kind liebt, geniesse ich», sagt Linda Fäh dankbar. Dankbarkeit war denn auch ein Wert, der ihren Eltern wichtig war, den Kindern vorzuleben und mitzugeben. «Auch Ehrlichkeit und Selbstständigkeit», sagt Brigitte. «Bei meinen Kindern musste ich nie Angst haben.»
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Noch haben Linda Fäh und ihr Mami keine konkreten Pläne für den Muttertag. Für Brigitte Fäh ist es zwar das Schönste, die Familie zusammenzuhaben, aber an welchem Tag im Jahr spielt ihr keine Rolle. «Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Kinder mit einem selbstgemachten Geschenk oder einem Blumensträusschen von der Wiese kamen», sagt sie. «Ich finde es deshalb einen schönen Tag für junge Eltern. Linda soll nun all diese Gefühle erleben, wie ich sie jahrelang erleben durfte.»