Leonard

«Ich wusste nicht, ob ich dieses  Spiel noch mitmachen soll»

Seit 40 Jahren ist Leonard als Schlagersänger unterwegs. Doch die gegenwärtige Entwick­lung in der Musikbranche stimmte ihn derart unzufrieden, dass er sich überlegte, aufzuhören. Sein herziger Hund Willi­bald tröstete ihn während dieser frustrierenden Zeit.

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Leonard und Willibald: Seit Februar des letzten Jahres lebt der Mischlingshund beim Sänger und bei dessen Partner ­Roger. Joseph Khakshouri

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Letztes Jahr feierte ­Leonard sein 40-Jahr-Bühnen­jubiläum. Während seiner langen Kar­riere durfte er in unzähligen TV-Shows im gesamten deutschsprachigen Raum auf­treten und konnte dank Liedern wie «Doreen», «Ein kleines Lied» oder «Ich schenk Dir die Sterne» auch international Hits landen. Mittlerweile gehen 28 Alben und über 100 Singles auf das Konto des 62-jährigen Urner Sängers, der bürgerlich Carlo ­Schenker heisst und sich nebenbei auch als Moderator von SRF-Sendungen wie «Schlag auf Schlager» einen Namen machte.
Die letzten Monate waren jedoch nicht einfach für Leonard. «Ich stand vor dem Aus», gesteht er nachdenklich. Die ­jüngste Entwicklung in der Unterhaltungsbranche würde ihn regelrecht zermürben. Die Gründe dafür sind vielschichtig – und ­betreffen fast alle Künstler. Das Hauptproblem ist, dass kaum mehr Tonträger verkauft werden, es auch kaum mehr Fachgeschäfte gibt, in denen CDs oder Schallplatten gekauft werden können.
Die meisten Menschen konsumieren Musik heute nur noch über Streamingdienste wie Spotify. «Wegen dieser neuen Hörgewohnheit verdienen wir nur noch sehr wenig Geld», sagt Leonard, der Teilzeit noch als Moderator beim SRF-Sender ­Musikwelle arbeitet. Er erklärt: «Die ­Abrechnung meiner Spotify-Auszahlung ist zwar jeweils so dick wie ein Telefonbuch, aber der Betrag, der mir tatsächlich gut­geschrieben wird, reicht höchstens, um dieses ausgedruckte Papier zu ­bezahlen.»
Der schweizer Schlagersänger und Moderator Leonard live bei der 19 Schlagernacht in Luzern Schweiz
Seit 40 Jahren steht Leonard als Musiker und ­Moderator auf der Bühne.imago images/imagebroker
Der schweizer Schlagersänger und Moderator Leonard live bei der 19 Schlagernacht in Luzern Schweiz
Seit 40 Jahren steht Leonard als Musiker und ­Moderator auf der Bühne.imago images/imagebroker
Was Leonard zusätzlich zum Verzweifeln bringt: In den sozialen Netzwerken wie Tiktok, Facebook oder Instagram wird den Fans täglich neue Musik präsentiert, von der man nicht wisse, ob sie von echten Menschen oder mittels künst­licher Intel­ligenz komponiert und dar­geboten werde. «­Viele dieser Lieder wirken total seelenlos, aber das scheint den Konsumenten heute ­offenbar egal zu sein. Hauptsache, sie ­werden von irgendeiner Art von Musik ­berieselt.» Dieser Trend sei für Künstler wie ihn, die viel Herzblut in ihre Lieder stecken, extrem frustrierend.
Ausgerechnet in diesem Moment der Unzufriedenheit lief sein Vertrag mit ­seiner langjährigen Plattenfirma aus. «Ich wusste plötzlich nicht mehr, wie ich ­meine Musik unter die Leute bringen kann», sagt Leonard. «Denn das hat bislang ja ­immer meine Plattenfirma für mich getan.» Jetzt auf einmal ohne eine solche dazustehen, sei für ihn wie der berühmte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen ­gebracht habe. «Ich fragte mich ernsthaft, ob ich dieses Spiel überhaupt noch mit­machen soll.» Er habe sich überlegt, für längere Zeit zu pausieren. «Ich dachte ­sogar daran, gleich ganz aufzu­hören mit der Musik.»

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Hund Willibald sorgt für Freude

In dieser frustrierenden Zeit voller Zweifel über seine Zukunft konnte sich der Sänger glücklicherweise auf seinen Hund Willibald verlassen, der ihm mit seiner Treue und seiner Tollpatschigkeit zwischendurch gleichwohl noch Momente der Freude bescherte. Leonard und sein langjähriger Partner Roger (50) haben den einstigen Strassenhund aus Rumänien fest in ihr Herz geschlossen. Der Hund ist ungefähr anderthalb Jahre alt und lebt seit Februar 2025 beim Paar. Als «Teenager» habe er noch Flausen im Kopf, aber er ­lerne jeden Tag dazu. «Ich weiss nicht, was wir ohne dieses herzige Kerlchen tun würden», sagt Leonard. «Haustiere sind ein Segen für inneren Frieden. Sie bringen einen auf andere Gedanken, wenn man traurig ist. Sie muntern einen auf und ­bereichern den Alltag», schwärmt er.
Und plötzlich lichteten sich auch die dunklen Wolken in Leonards Berufsleben. In den vergangenen Wochen hat er gleich mehrere Angebote von Plattenfirmen ­bekommen. Entschieden hat er sich für eine deutsche Firma, die auch Sängerin Stefanie Hertel (46) und die Schauspie­lerin Caroline Beil (59) unter Vertrag hat. Der Frust über die fehlenden Einnahmen aus den CD- und Plattenverkäufen ist zwar geblieben. Dafür will sich Leonard nun vermehrt auf Konzerte konzentrieren. Denn da seien gestandene Künstler wie er nach wie vor gefragt und würden nicht so sehr in Konkurrenz stehen mit den zahlreichen Internet-Stars, meint er.

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In den letzten Monaten hatte er kaum mehr Lust darauf, neue Musik zu kom­ponieren. «Aber jetzt, wo wieder alles im Lot ist, sprudeln die Ideen regelrecht», sagt er erfreut. Voller Elan sei er bereits ­dabei, ein neues Album zu produzieren. «Ich bin überzeugt, dass ich auf der ­Bühne schon bald wieder vielen Menschen ­Freude bereiten werde. Und das wiederum wird auch mir viel Freude be­reiten», so ­Leonard zuversichtlich.

Fünf Gründe, warum Haustiere guttun:

  1. Mentale Gesundheit und Stress­abbau: Hunde und Katzen senken das Stresslevel, verringern Einsamkeit und fördern das emotionale Wohlbefinden. Schon das Beobachten von Fischen oder das Schnurren einer Katze wirkt beruhigend.
  2. Körperliche Fitness und Immun­system: Besonders Hundebesitzer sind aktiver, da sie bei jedem Wetter raus­gehen. Dies stärkt das Herz-Kreislauf-System sowie das Immunsystem, ­insbesondere bei Kindern.
  3. Soziale Kontakte und Struktur: Ein Haustier gibt dem Tag Struktur ­(füttern, Gassi gehen) und fungiert als «Eisbrecher» für Gespräche mit ­anderen Menschen, was eine soziale Isolation verringert.
  4. Entwicklung bei Kindern: Kinder lernen Verantwortung, Empathie und Respekt vor Lebewesen, wenn sie mit Tieren aufwachsen.
  5. Begleitung im Alter: Sie bieten Gesellschaft, Trost und geben einem das Gefühl, gebraucht zu werden.
Über die Autoren
Andrea Butorin
Als Reporterin ist Andrea Butorin für die GlücksPost in der ganzen Schweiz unterwegs.

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