Mal im schwarzen Anzug, mal im eleganten Smoking: Wenn Kris Kremo (75) auf der Bühne mit Hüten, Bällen oder Schachteln hantiert und sich alles dreht und kreist, ist dies Jonglierkunst der eleganten Art. Schon seit Jahrzehnten wird Kremo «Gentleman-Jongleur» genannt, weil er der Handwerkskunst einen eigenen Glanz verschafft hat. Bei ihm sieht alles so leicht aus, als würde er es aus dem Handgelenk schütteln.
Im Urania Spiegelpalast in Köln (D) gibt es derzeit Abend für Abend begeisternden Beifall für den Schweizer Artisten im Stück «Der Jongleur von Notre-Dame – Die Kris Kremo Story». Mit dabei ist auch Sohn Harrison (26), der längst in Papas Fussstapfen getreten ist und den jungen Kremo gibt. «Es gibt nichts Schöneres, als mit dem Sohn gemeinsam auf der Bühne stehen zu können», sagt er zur GlücksPost. «Es ist für mich immer das absolute Highlight.»
Auftritt vor der Queen
Und artistische Höhepunkte gab es im Leben von Kris Kremo nicht wenige. Am 10. November 1975 tritt er im Palladium-Theater in London an einem Wohltätigkeitsanlass auf. In der Empore sitzen Queen Elizabeth II. (1926–2022) und Prinz Philip (1921–2021). Zu Hause sind über 20 Millionen Briten vor dem Bildschirm. Die Jonglage des charmanten, blonden Jünglings aus der Schweiz wird umjubelt, die Queen gratuliert persönlich. Der Auftritt ist der Türöffner für eine Weltkarriere. Engagements im Lido in Paris folgen. Zwischen barbusigen Tänzerinnen jongliert er zweimal am Tag mit Bällen, Hüten und Zigarrenkisten. Dann ruft Las Vegas – Kris Kremo bleibt zwölf Jahre in der Spielerstadt und jongliert allabendlich im Stardust Casino. «Es war damals eine Welt voller verruchter Verlockungen und Mafiabossen in den Chefetagen.» Kremo freundet sich mit Entertainer Sammy Davis Jr. an. In den Garderoben des «Caesars Palace» plaudern und trinken sie. Der Schweizer kauft sich in der Wüste eine Farm mit Pferden und verdient sich mit dem Verkauf von Make-up an die Artisten etwas dazu. «Ich fahre noch immer jedes Jahr für ein paar Wochen nach Vegas und besuche dort Freunde und Bekannte», sagt er. «Aber die Millionenstadt erstickt vermehrt im Stau. Wo immer ich hin will, brauche ich nun mit dem Auto eine Stunde.»
Kremo, der insgesamt fünfmal mit dem Circus Knie unterwegs war, versprüht auch heute mit weissen Haaren noch immer die Aura eines Gentlemans. «Die Pirouetten sind zwar weniger geworden», sagt er lachend. Witz und Charme aber sind geblieben. Weihnachten 2028 will er im Zirkus Conelli auftreten. Da kann man nur den Jonglage-Hut ziehen!