«Mit diesen Festen geben wir den Jungen Halt»

Die umtriebige Bündnerin freut sich auf das Eidgenössische Jodlerfest in Basel. Nicht nur in ihrer Funktion als höchste Jodlerin der Schweiz, sondern auch als dreifache Teilnehmerin. Danach dürfte der Terminkalender von Karin Niederberger-­Schwitter aber etwas leerer werden.

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Als Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands vertritt Karin ­Niederberger-Schwitter die drei Sparten Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen. SRF/Gian Vaitl

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Sie ist zielstrebig und voller Tatendrang, sei es als Sechsfach-Mama, als höchste Jodlerin der Schweiz, als Gemeindepräsidentin von Churwalden GR oder als einstige ­Sennin. All dies und vieles mehr zeichnet die Bündnerin Karin Niederberger-­Schwitter (56) aus.
Aufgewachsen ist sie in Malix GR, und als Kind verbrachte sie die Sommer mit ihren Eltern, Grosseltern und den Tieren auf dem Maiensäss. Auch als Erwachsene ging sie elf Sommer lang z Alp. Ihre vier Jüngsten hatte sie im Schlepptau, während Ehemann Ruedi Niederberger (52) daheim in Churwalden auf seinem Landmaschinenbetrieb zum Rechten schaute. Als die Kinder ins Schulalter kamen, wurde ihr das Leben als Sennin aber zu kompliziert.

Höhepunkt in der Agenda

Zudem ist sie 2009 zur Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands (EJV) gewählt worden. Das Jodeln gehörte ­immer schon zu ihrem Leben, das änderte sich trotz voller Agenda nie. Seit 2022 ist sie in einem 70-Prozent-Pensum Gemeindepräsidentin von Churwalden. Dazu kommen rund 30 Prozent als EJV-Präsidentin.
«Jodeln ist für mich Erholung, und ­meine Stimme habe ich überall dabei», sagt sie. Sie jodelt aber nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern amtet auch als Dirigen­tin des Jodelclubs Hochwang Landquart. «Nebst dem Proben pflegen wir auch die Geselligkeit. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt», sagt sie weiter.
Ende Juni findet in Basel das Eidge­nössische Jodlerfest statt (siehe Box). Für Karin Niederberger-Schwitter ist dieses alle drei Jahre stattfindende Fest ein besonderer Höhepunkt. So ist sie von Amtes wegen im OK und wird vor Ort einige repräsen­tative Aufgaben übernehmen.
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Karin und Ruedi Niederberger-Schwitter geniessen mit Sennenhündin Hanna den Blick in die Bündner Berge.Fabienne Bühler
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Karin und Ruedi Niederberger-Schwitter geniessen mit Sennenhündin Hanna den Blick in die Bündner Berge.Fabienne Bühler
Sie ist aber auch ganz normale Fest-Teilnehmerin, und zwar gleich mit drei Vorträgen. Der Jury stellt sie sich einerseits mit ihrem Jodelclub, andererseits als Solojodlerin. Und drittens tritt sie als Teil des Alphornduos Piz Alun auf, denn am Jodlerfest werden auch Alphornblasen und Fahnenschwingen dargeboten. «Meine Vorträge werden mich inmitten des ganzen Trubels wieder auf den Boden bringen», sagt sie. Seit 1999 war sie an jedem Eidgenössischen dabei. «Die allerschönsten Erlebnisse waren für mich als Mama die Teilnahmen mit unserem Familien­chörli, letztmals 2017 in Brig.»

«Gässlen» und jutzen

In Vorfreude auf das dreitägige Fest wird Karin Nieder­berger-Schwitter ganz emotional. Nach der Anspannung der Vorträge werde jeweils bis tief in die Nacht «gegässlet», also spontane Platzkonzerte darge­boten, und der sonntägliche Festakt sei auch für die Besucherinnen und Besucher beeindruckend. So seien die vielen Trachten und die verschiedenen Sparten eine Wohltat für Auge und Ohren.

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Selbst trägt sie meist eine Schanfigger Festtagstracht. Traditionen empfindet ­Karin Niederberger-Schwitter als etwas sehr Wichtiges. Besonders in einer gefühlt aus den Fugen geratenen Welt: «Mit Traditio­nen und Festen wie dem Jodlerfest geben wir den Jungen Halt und zollen den Vorfahren Respekt.» Gleichzeitig könne man auch neue Traditionen entwickeln, das stehe nicht im Widerspruch dazu.
«Unsere Kultur muss wachsen», sagte Karin Niederberger-Schwitter bei ihrem Amtsantritt 2009. Das sieht sie heute ­anders. Zwar hat das Jodeln jüngst einen Aufschwung erfahren: In der Schweiz kann man das Fach mittlerweile studieren, und im Dezember ist das Brauchtum in die Unesco-Liste des immateriellen Welterbes aufgenommen worden.
«Wichtiger als das Wachstum ist für mich, dass man hinter der Philosophie steht und mithilft, diese zu tragen und zu leben.» Das erfordere auch von den Jungen ehrenamtliches Engagement und dass sie für die nächste Generation denken, statt bloss für sich selbst das Beste herauszu­holen. «Nur so können wir unsere Gesellschaft zusammenhalten.»

Verband steht vor Herausforderungen

Wie viele Vereinsstrukturen steht auch der Eidgenössische Jodlerverband vor ­diversen Herausforderungen. Noch will Karin Niederberger-Schwitter kein ­genaues Datum nennen, aber allzu lange will sie dem Verband nicht mehr vorstehen. Das Eidgenössische in Basel dürfte somit ihr letztes als Präsidentin werden.

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Auf ihre Zukunftspläne angesprochen, antwortet sie: «Am wichtigsten ist es, gesund zu bleiben, machen zu dürfen, was man gern tut, und die Familie zu geniessen, alles andere wird sich ergeben.» Ihre sechs Kinder sind unterdessen zwischen 19 und 36 Jahre alt, und Nieder­berger-Schwitters haben zwei Enkel (3 und 5 Jahre alt).
Bleibt freie Zeit, geht die Bündnerin gern Ski fahren oder mit ihrer Berner Sennenhündin Hanna wandern. Innerhalb der Schweiz reise sie gern – wie bald nach ­Basel –, aber nach einiger Zeit ziehe es sie wieder heim: «Meine Umgebung, die ­Berge und das Tal geben mir Halt.»
Über die Autoren
Andrea Butorin
Als Reporterin ist Andrea Butorin für die GlücksPost in der ganzen Schweiz unterwegs.

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