Nach fünf Monaten in den Bergen sind Stephanie (52) und Ruedi Müller (58) vor kurzem wieder zu Hause im Aargau angekommen und packen noch fleissig Kisten aus. Die Hüttenwartin erzählt: «Ich freue mich jetzt auf die Zeit, in der weniger los ist und ich mich mit Freundinnen treffen und wieder in die Musikprobe gehen kann.»
Hinter dem Ehepaar liegt ein intensiver Sommer im Berggasthaus Tschingelhorn im Berner Oberland: Weil das Wetter gut mitspielte, seien sie ständig auf Trab gewesen. Die Tage begannen morgens um sechs Uhr und endeten erst am späten Abend – regelmässig waren sie 16 Stunden im Einsatz. «Irgendwann kommt man in so einen Rhythmus hinein», sagt Ruedi Müller. Solange alles gut gehe, sei es eine sehr erfüllende Arbeit. Richtig stressig werde es erst, wenn etwas nicht funktioniere oder Gäste spezielle Wünsche haben, die nicht erfüllt werden können.
Seilbahn sorgte für Probleme
Ein Punkt, der im Alltag der beiden immer wieder für bange Momente sorgt: die Materialseilbahn, die Essenslieferungen zur Hütte auf 1678 Meter über Meer bringt. Bei «SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten» (freitags um 20.10 Uhr auf SRF 1) erzählen sie davon, dass diese regelmässig ausgefallen sei. «In diesem Jahr hatten wir aber Glück: Es hat dank einer Revision alles geklappt», sagt Stephanie Müller. Ihre beiden Katzen, die sie stets auf den Berg hoch begleiten, tragen sie trotzdem gewohnt zurück ins Tal. «Die Bahn wäre auch zu laut für sie.»
Trotz der strengen Arbeit und all der Entbehrungen, die das Leben in der Höhe mit sich bringt, zieht es das Paar jeden Sommer wieder hinauf aufs Tschingelhorn. «Wir schätzen die Ruhe in den Bergen. Schon jetzt merke ich wieder, wie laut es zu Hause eigentlich wirklich ist», meint Ruedi Müller.
«Wenn du den Kaffee vorbereitest, der Duft vom Holzofen in die Nase steigt und du nach draussen auf die Berge schaust, realisierst du: Wir haben es gut hier», erzählt Stephanie Müller. Selbst das Wäscheaufhängen sei für sie dank der Sicht auf das Jungfrau-Massiv eine schöne Arbeit.
Buchungen dank TV-Sendung
Für «SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten» wurden sie im Alltag mit der Kamera begleitet. Nach anfänglicher Nervosität hätten sie sich schnell an das TV-Team gewöhnt. Der Lohn der Mühe: Bereits jetzt gehen erste Buchungen für das nächste Jahr ein. Eine über 80-jährige Frau erkannte am Bildschirm gar die Hütte aus ihrer Kindheit wieder und rief voller Freude an. Für Stephanie und Ruedi Müller ist klar: Nächsten Sommer ziehen sie erneut auf ihr geliebtes Tschingelhorn.