«Das, was bei mir kaputt ist, kann keine Therapie flicken»
Wegen gesundheitlicher Probleme musste der Musiker von Oesch’s die Dritten eine Zwangspause einlegen, viele Konzerte der Familiengruppe wurden abgesagt. Im Interview mit der GlücksPost erzählt «Vätu» Oesch, wie es ihm wirklich geht.
Aurelia Robles
«Es blieb ein bisschen mehr Zeit für mich und meine Frau», sagt Hansueli Oesch daheim in Schwarzenegg. Mit Frau Annemarie steht er mit Oesch’s die Dritten bald wieder auf der Bühne. Remo Naegeli
Auf der Bühne ist er bei der erfolgreichen Volksmusikgruppe Oesch’s die Dritten die «Rampensau». Doch 2026 begann für «Vätu» Hansueli Oesch (67) mit einer mehrwöchigen Zwangspause. Der Schwyzerörgeli-Spieler leidet seit längerer Zeit an Bandscheibenproblemen im Rücken- und Halswirbelbereich sowie an Abnutzungserscheinungen und Arthrose. Am 19. Februar will der Berner nun aber wieder auf der Bühne stehen.
GlücksPost: Hansueli Oesch, wie geht es Ihnen?
Hansueli Oesch: Danke, es geht mir ein bisschen besser. Und doch ist nicht alles gut. Das, was bei mir kaputt ist, kann keine Therapie flicken. Aber meine Situation ist zum Aushalten und nicht zum Jammern. Es gibt viele Menschen, die viel schlimmer dran sind.
Woran leiden Sie genau?
Ich habe Bandscheibenprobleme im Rücken- und Halswirbelbereich, und zwar zwischen dem zweiten und dem dritten Wirbel. Hier ist eine Operation, so wie es mir erklärt wurde, nicht gerade das Einfachste. So weit oben wird es filigran und könnte auf beide Seiten gehen, Nerven könnten beschädigt werden. Davor habe ich nicht die grösste Angst, aber weil nach einer Operation auch viel Zeit für die Genesung nötig wäre, will ich noch nicht «schnäflä». Deshalb probiere ich es jetzt zuerst mit Alternativmethoden, Atlaslogie, Biokinematik und was es alles gibt. Ich habe von unseren Fans, Freunden und Ärzten enorm viele Tipps bekommen, kann aber nicht alles gleichzeitig probieren.
Werbung
Wie äussern sich Ihre Schmerzen?
Es ist wie ein Brennen, das über die Schultern hinausgeht. Es kommt und geht – wann und wieso, das habe ich für mich noch nicht herausgefunden. Vor zwei Jahren schlief mir der ganze Arm bis zu den Händen ein, und ich wusste nicht mehr, ob ich ein Instrument in den Fingern halte oder nicht. Teilweise konnte ich die einfachsten Melodien nicht mehr spielen, weil die Finger einfach nicht mehr mitgegangen sind. Das habe ich heute nur noch sehr, sehr selten. Seit November weiss ich von neurologischer Seite her, dass glücklicherweise keine Nerven abgeklemmt werden. Es macht mich auch ein bisschen stolz, dass ich diese doch positivere Ausgangslage mit meinen Übungen und meiner Therapie so hinbekommen habe.
Was machen Sie für eine Therapie?
Ich mache diverse Übungen der Biokinematik und habe in den vergangenen zwei Jahren einen für mich guten Erfolg erzielt. Dabei versucht man – sehr vereinfacht erklärt –, mit Übungen die Muskeln in die Länge zu ziehen. Da bin ich jeden Tag dran. Auch vor diesem Gespräch habe ich noch Übungen gemacht.
Brauchen Sie Schmerztabletten?
Ich hätte welche, aber nehme sie nur, wenn es besonders schlimm ist. Die Kortison-Infiltration, bei der gegen die Schmerzen und die Entzündung in die Wirbelsäule gespritzt wird, hat bei mir beim zweiten Mal nicht mehr viel genützt.
Werbung
Das hört sich an, als würden Sie selbst nicht sofort zum Arzt gehen.
Es braucht schon viel. Kontrolluntersuchungen mache ich natürlich, aber fast mehr wegen meines Umfelds. Ich bin da nicht so ängstlich. Ich weiss, dass jederzeit etwas passieren kann.
Wann fingen die Beschwerden an?
Das liegt schon länger zurück. In meinen jungen Jahren sagte ich stets, dass ich das selbst hinbringe, auch wenn ich nicht der sportlichste Typ bin (lacht). Über Jahre ging das nun gut. Auf dem MRI hat sich sogar gezeigt, dass sich mein Rücken beim 5. und 6. Wirbel natürlich versteift hat und ich dort zum Glück keine Beschwerden mehr habe. Doch die Schmerzen wanderten weiter nach oben, und seit zwei Jahren wurden sie «gäng» je mehr. Ich gestand mir lange nicht ein, dass sie nach einem Konzert und vor allem nach mehreren Konzerten am Stück am schlimmsten sind.
Zogen Sie die Reissleine, oder waren es Ihre Familienmitglieder, die mit Ihnen Oesch’s die Dritten bilden?
(Lacht.) Berechtigte Frage. Ich hätte wohl alle Auftritte durchgezogen. Aber auch die ärztliche Seite sagte mir, dass meine Haltung nicht gerade der Hammer sei. Und dass eine Deutschland-Tournee mit insgesamt 16 Konzerten, je 8 am Stück, tausenden Kilometern im Tourbus und jeden Abend in einem anderen Hotelbett wohl nicht realistisch sei. Da gab ich zu, dass man eine Pause probieren könnte.
Werbung
War sofort klar, dass die ganze Band mit Ihnen pausiert?
Wir hatten ziemliche Diskussionen, weil ich gesagt habe, dass ich jemand anderes einüben könnte. Doch wie aus dem Sprechchor kam: «Ohni di gömer nid.»
Wie war nun die Zwangspause?
Nebst dem organisatorischen Aufwand, für die verschobenen Konzerte Ersatztermine zu finden, blieb natürlich auch ein bisschen mehr Zeit für mich und meine Frau, um Freunde zu treffen oder einen Jass zu klopfen. Das genoss ich sehr. Mit Oesch’s die Dritten waren wir in der Zeit auch kreativ, wir haben viel über neues Songmaterial diskutiert. Ich nahm das Örgeli bei unseren Proben nur zehn Minuten in die Hand und pfiff stattdessen mit der Musik mit. Auch meine Biokinematik-Übungen machte ich natürlich täglich.
Liegt Ihnen diese Disziplin?
(Lacht.) Ich habe schon Disziplin, aber ich werde oft ermahnt von ringsum. Beim Essen schaue ich, dass ich genug Zink, Eisen und Vitamine zu mir nehme. Aber ja, eine Zeit lang liess ich es «tschättärä», das gebe ich zu. Ich will auch nicht abstreiten, dass vermutlich viel Selbstverschulden aus den vergangenen Jahren dabei ist. Aber – und das ist mir wichtig – ich fühle mich keinesfalls wie der Ärmste auf der Welt. Solange ich nachts schlafen kann, ist alles gut. Es gibt zum Glück die Momente, in denen mir gar nichts fehlt.
Werbung
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Dass wir es als Familie und Band nach wie vor sehr schön haben. Und dass es körperlich ein klein bisschen besser ist.
Am 19. Februar geht es wieder mit Konzerten von Oesch’s die Dritten los. Alles wie gehabt?
Nein. Wir haben alle gesagt, dass wir versuchen werden, nicht mehr zu lange Tourneen und nicht mehr zu viele Konzerte am Stück zu spielen.
Was wird für Sie konkret anders?
Ich nehme mir nun als Grossvater heraus, dass ich vermehrt «höckle» auf der Bühne. Früher hatte ich stets das Gefühl, dass sitzende Oesch’s Schlaftabletten sind. Einen Stuhl habe ich bereits, aber noch ohne Rückenlehne (lacht).
Wird das schwierig für Sie?
Gute Frage. Ich weiss nicht, wie lange ich sitzen bleiben werde. Ich freue mich enorm und werde die ersten Konzerte durchziehen, als wäre nichts. Wenn es im Kopf und im Herzen gut ist, ist schon viel gewonnen. Aber ich habe auch Respekt davor und will nicht, dass alle Fortschritte wieder verloren gehen. Ansonsten habe ich noch das Schmerztablettli als Joker und das Publikum, das wie eine Schmerztablette auf mich wirkt.
Persönlich
Ab dem 19. Februar ist Vätu Oesch (2. v. l.) wieder mit der Volksmusikgruppe Oesch’s die Dritten auf «Händmade im Club»-Tour.Pressebild
Ab dem 19. Februar ist Vätu Oesch (2. v. l.) wieder mit der Volksmusikgruppe Oesch’s die Dritten auf «Händmade im Club»-Tour.Pressebild
Am 14. Juli 1958 geboren, wurde Hansueli Oesch die Musik in die Wiege gelegt. Zuerst musizierte der gelernte Landwirt und ehemalige Postangestellte nebenberuflich. Seit 1994 ist der Schwyzerörgeli-Spieler gemeinsam mit Frau Annemarie (63) sowie den Kindern Kevin (35, v. l.), Melanie (38) und Mike (37) als Oesch’s die Dritten unterwegs, zu denen auch Akkordeonist Urs Meier (45, r.) seit 2011 gehört. Das Ehepaar Oesch lebt in Schwarzenegg BE.