Georges Bregy

«Meinen Lebenstraum habe ich mir erfüllt»

Mit seinem Traum-Freistoss sorgte der WM-Held von 1994 für das berühmteste Tor der Schweizer ­Fussball-Geschichte. Auch 32 Jahre nach seinem Kunstschuss wird der Walliser noch ehrfürchtig darauf ange­sprochen – wie unser Besuch bei Georges Bregy zeigt.

Thomas Wälti

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Das alte WM-Trikot passt wie angegossen: Georges Bregy präsentiert sich 32 Jahre nach seinem Traumtor am Zürichsee in Bestform. Siggi Bucher

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Am 18. Juni 1994 halten 73 425 Fans im Pontiac Silverdome in Detroit (USA) den Atem an. Das Schweizer Fussball-Idol Georges Bregy zirkelt gegen die Gastgeber in der 39. Minute einen ­Freistoss nicht über die Mauer, so wie er das gewöhnlich tut, nein, er überrascht US-Goalie Tony Meola mit einem Kunstschuss in die Torwartecke. Georges Bregys Traumfreistoss ins Lattenkreuz gilt als das berühmteste Tor der helvetischen Fussball-Geschichte. Es war der erste Treffer nach ­einer 28 Jahre langen WM-Abstinenz der Schweizer.
«Es war ein Blitzgedanke, in die Torwartecke zu schiessen», sagt Georges Bregy (68) heute über seinen Prachtschuss im WM-­Eröffnungsspiel gegen die USA (1:1). Die Amerikaner hätten seine Freistösse analysiert. Deshalb habe er seinen Plan geändert. «Mein Tor hat Legenden-Status. Jedes Mal, wenn ich die Szene sehe, bekomme ich Gänsehaut. Mein Vater Max hatte an diesem Tag Geburtstag – ich machte ihm sein schönstes Geschenk. Das ist mir aber erst hinterher bewusst geworden.»

Verkäufer, Trainer, Versicherungsberater

Für das Treffen mit der GlücksPost in Thalwil am Ufer des Zürichsees hat Georges Bregy extra das originale WM-Trikot mit der Nummer 6 angezogen. «Weil wir in der Halbzeit die verschwitzten Leibchen wechselten, konnte ich das Trikot behalten.» Am Seeuferweg spazieren in diesem ­Moment Gregor Ulmann (87) und seine Frau Susanne (70). «Isch er s oder isch er s nöd?», fragt der Pensionär aus Gattikon ZH seine ­Gattin. «Är isch sus», antwortet der heute 68-Jährige in breitestem Wallisertiitsch und geht mit einem Lächeln auf das Paar zu. Gregor Ulmann führt mit dem ­berühmten Fuss­baller sofort ein Fach­gespräch. Er erinnert sich noch genau an die Aufstellung der 1994er-Mannschaft: «Bregy, Sforza, Chapuisat ...»
Nach der Fussball-WM 1994 beendete Bregy mit 36 Jahren seine Karriere als Profifuss­baller. Er absolvierte 54 Länderspiele und schoss dabei zwölf Tore. Reich habe ihn das berühmte WM-Tor in der einst prosperierenden US-Auto­metropole Detroit nicht ­gemacht, sagt er. So hat der YB-Meisterspieler von 1986 nach seinem Rücktritt als Sportartikel-­Verkäufer, Profitrainer (FC Lausanne-­Sport, FC Thun, FC Zürich) und Versicherungs­berater weiter­gearbeitet. Vor einem Jahr ist er in Pension ­gegangen.
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Jonglieren vor dem Camper: Dort, wo Georges Bregy sein Wohnmobil parkt, ist er zu Hause.Siggi Bucher
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Jonglieren vor dem Camper: Dort, wo Georges Bregy sein Wohnmobil parkt, ist er zu Hause.Siggi Bucher
«Mein Tor hat mir aber schon geholfen, interessante Aufträge zu erhalten», sagt der NLA-Torschützenkönig von 1983/1984 (21 Treffer). So wird er im Rahmen von Firmen-­Events gerne für Vorträge gebucht, in denen er über Teambildung und Motivation referiert. Für den Schweizer Pay-TV-Sender blue Sport steht er als Fussball-­Experte und Co-Kommentator im Einsatz.
Kultstatus erlangte der Vater von zwei Kindern, Simone (42) und Nicolas (40), auch dank Beni Thurnheer (76). «Es gibt keinen Zweiten wie Bregy», schwärmte der Reporter des Schweizer Fernsehens in ­jenem Spiel. Zwölf Jahre später reiste Bregy als TV-Experte ans WM-Spiel Schweiz ­gegen Frankreich (0:0) nach Stuttgart (D). Rasch entdeckten ihn die 25 000 Schweizer Fans im Gottlieb-Daimler-Stadion. «Als im Chor ‹Es gibt keinen Zweiten wie Bregy› ­angestimmt wurde, berührte mich das sehr», erzählt der gebürtige Raroner.

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Als Grossvater ganz schön auf Trab

Georges Bregy jongliert am Ufer elegant mit dem Ball. Plötzlich fällt der Ball runter. Er lacht: «Meine Beine machen nicht mehr das, was der Kopf will.» Der Freistoss-­Spezialist wirkt topfit. Sein WM-Leibchen passt noch wie angegossen. «Ich trainiere ein- bis zweimal pro Woche mit dem Rennvelo, mache Biketouren mit meiner Frau und schwimme jeden Tag im Zürichsee – auch wenn er 6 Grad kalt ist!» Auch seine drei Grosskinder halten ihn zwei Tage in der Woche auf Trab. Seit kurzem wohnt er in ­einer Terrassenwohnung in Langnau am Albis ZH. Mit Marianne (68) ist er seit 45 Jahren verheiratet. «Wir schauen gut zueinander und akzeptieren uns so, wie wir sind», verrät Georges Bregy das Geheimnis der lang anhaltenden Verbundenheit. Gemeinsame Zeit verbringen sie auch im Wohnmobil. «Zu Hause ist, wo wir parken», sagt er und lacht. «Unser gemeinsamer Traum ist es, eine längere Europareise mit dem Camper zu machen. Ein bestimmtes Ziel haben wir nicht. Im Camper ist es überall schön.»
Welchen lang gehegten Lebenstraum möchte er sich selbst verwirklichen? Georges Bregy antwortet, ohne lange nachzudenken: «Meinen Lebenstraum habe ich mir erfüllt. Als am 18. Juni 1994 die Schweizer Nationalhymne lief, hatte ich Tränen in den Augen.»

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Während der anstehenden Fussball-WM in Kanada, Mexiko und den USA wird Georges Bregy bei den Schweizer Spielen in verschiedenen Funktionen für die UBS ­tätig sein. Er reist nicht nach Übersee. Die Grossbank hat die WM mit einem 250 Quadratmeter grossen XXL-Fantrikot, auf dem ­tausende Fans, Kinder und Prominente Wünsche für die Nati verewigen konnten, lanciert. Auch Georges Bregy schrieb eine persönliche Motivationsbotschaft: «Ich wünsche der Nati viel Glück und viele Tore. Bis dann im Finale!»

WM-Spiele der Nati

Die WM findet vom 11. Juni bis 19. Juli in Nordamerika statt. Die Schweiz spielt gegen Katar (13. Juni), Bosnien-Herzegowina (18. Juni) und Kanada (24. Juni). Die Gruppenspiele beginnen um 21 Uhr Schweizer Zeit.

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