George

Adi ist sein grösster Fan

Der Mundart-Musiker hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Davon erzählt er auch auf seinem neuen Album. Inzwischen ist der Seeländer aber sehr glücklich und geniesst viel Zeit mit seinem Nachbarn, einem begeisterten Jodler.

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Adi Winkelmann (l.) und der Seeländer Sänger George Schwab kennen sich seit vielen Jahren. Mindestens einmal pro Woche schaut Adi bei George vorbei. Andrea Butorin

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Das Lied «Hie bini deheim» mit der Zeile «Wenn d’Sunne hingerem Jura ungergeit ...» von Sänger George (59) ist seit über 20 Jahren ein viel gespielter Hit. Und das nicht nur in seiner Heimat, dem Berner Seeland, sondern in der ­gesamten Deutschschweiz.
«Deheim» ist George Schwab im Grossen Moos: aufgewachsen in Kallnach BE, lebt er nun schon länger in einem Bauernhaus im Nachbardorf Siselen BE. Als die GlücksPost eintrifft, sind seine langjährige Partnerin Carmela Begert (49) und Adi Winkelmann zu Besuch. Der 42-Jährige mit Down-Syndrom lebt ebenfalls in ­Siselen. «Ich bin Georges grösster Fan», sagt er.
Adi Winkelmann arbeitet in der Küche einer sozialen Einrichtung. Sein Traumjob wäre allerdings «Chef oder Trainer beim SC Bern», seinem Lieblings-Eishockeyclub. Seit 25 Jahren singt Winkelmann ­zudem in einem Jodlerklub mit. Und mindestens einmal pro Woche schaut er bei George vorbei. Dann trinken sie ein Feierabendbier und erzählen sich das Neuste.

Am Ziel angekommen

Das Neuste bei George heisst «Mis wahre Gsicht» – sein neuntes Album. Und das verrate sehr viel über ihn, sagt er. Das Lied «Am Ziel» hört sich an wie eine komprimierte Version seines Lebens voller Höhen und Tiefen. Am Anfang seiner Musiker­karriere feierte George Schwab grosse ­Erfolge: Sein Album «Buuregiel» war vor 16 Jahren ganze 23 Wochen in der Hitparade und wurde für über 15 000 Verkäufe mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Zwei Jahre später begann sein Absturz. Er trennte sich von seiner Band und erlitt einen Zusammenbruch; Medikamente und Alkohol taten das ihre. «Ich konnte mit dem Erfolg nicht umgehen», sagt er heute dazu. Auch Carmela Begert zog damals die Notbremse und zog aus.
Eine Therapie half George wieder auf die Beine. «I bi ändlich a mim Ziel acho», singt er nun, zwölf Jahre später. Im Gespräch präzisiert er: «Jetzt, mit fast 60, habe ich die beste Zeit meines Lebens.» Musikalisch verspüre er keinerlei Zwang mehr, könne tun, was er wolle: «Natürlich freue ich mich, wenn meine Musik gefragt ist, aber ich muss niemandem mehr etwas ­beweisen.»
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Carmela Begert, George Schwab und Adi Winkelmann vor Schwabs Bauernhaus im Berner Seeland.Andrea Butorin
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Carmela Begert, George Schwab und Adi Winkelmann vor Schwabs Bauernhaus im Berner Seeland.Andrea Butorin
Auch in der Liebe ist er wieder erfüllt. George und Carmela haben sich nach ­einem Jahr Auszeit versöhnt. Seine Liebe zu ihr besingt er im Lied «D’Rose vo mim Härz». Zu Beginn der Beziehung wohnte das Paar zusammen. Seit der temporären Trennung leben sie in unterschiedlichen Haushalten. «Das ist für unsere Beziehung das Beste», sagt Carmela Begert. Dank des Freiraums würden sie es umso mehr geniessen, Zeit zusammen zu verbringen. Sie kochen, gehen spazieren oder im ­Sommer im Hagneck-Kanal schwimmen. Carmela Begert arbeitet Teilzeit als Büroangestellte und kümmert sich um das ­Management von George.
Aus einer früheren Beziehung ist George Schwab Vater eines bald 16-jährigen ­Sohnes. Lange hatten die beiden kaum Kontakt. «Auch mit dieser Situation war ich damals überfordert», erinnert sich George. Heute stünden sie sich zum Glück wieder näher: «Wir pflegen ein Verhältnis auf kollegialer Basis. Es ist keine klassische Vater-Sohn-Beziehung, das finde ich gut so.»

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Zur finanziellen Absicherung arbeitet George seit 34 Jahren Teilzeit in derselben Firma als Landschaftsgärtner. «Mittler­weile spüre ich meinen Körper schon etwas, aber es ist ein guter Ausgleich zur Musik.» Ausserdem ist er noch Leadsänger bei der Band George & The Midnight ­Special, wo er Lieder von Creedence Clearwater Revival covert, einer US-Rockband aus den 60er- und 70er-Jahren.

Besonderes Seeländer Fest

Adi Winkelmanns liebstes Lied von George ist dessen Klassiker «Buuregiel»: Weil er einst genauso wie der Sänger auf dem elter­lichen Hof mitanpacken musste, während die Schulgspändli ihre Nachmittage in der Badi ver­bringen konnten. Auf dem neuen Album mag er «Die alte Poete» besonders gern: In der melancholischen ­Ballade singt George, wie er seine alten Helden wie Polo Hofer (†72) oder Hanery Amman († 65) und deren Hits vermisst.
George freut sich sehr, dass seine Platten­taufe in der legendären Mühle Hunziken in Rubigen BE rasch ausverkauft war: «Das haben wir in all den Jahren zum ersten Mal so schnell geschafft.» Von den bevorstehenden Auftritten wird jener an der Eichenfuhr in seinem Heimatdorf ­Kallnach Ende Mai ein Höhepunkt. Dieses von der örtlichen Jungmannschaft organisierte Fest mit einem grossen Umzug gibt es im Seeland nur gerade in Kallnach und in Siselen, und zwar alle 20 respektive 10 Jahre. «Wir werden wie schon vor 20 Jahren einen eigenen Wagen haben und live spielen», kündigt George an.

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An diesem Fest wird natürlich auch Adi Winkelmann mit dabei sein. Er freut sich darauf und sagt: «George ist ein cooler Mann. Er wird ein Superstar!»
Über die Autoren
Andrea Butorin
Als Reporterin ist Andrea Butorin für die GlücksPost in der ganzen Schweiz unterwegs.

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