DJ Tatana

«Das Wichtigste im Leben ist Liebe»

Die letzten Jahre war es eher ruhig um DJ Tatana. Mit bald 50 will die einstige Schweizer Techno-Pionierin nun aber neu durchstarten. Gleichzeitig führt sie mit ihren Söhnen ein beschauliches Leben auf dem Land. Wie geht das zusammen?

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Die Söhne Lenny (l.) und Anthony sind elf und acht Jahre alt: «Heute ist das Mami bei ihnen weniger gefragt als früher», sagt Tatana Sterba. Philippe Rossier

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Was für ein Gegensatz: Seit nunmehr drei Jahrzehnten tritt ­Tatana Sterba (49) als DJ Tatana in Clubs auf der ganzen Welt auf. Jetzt aber spaziert sie mit den beiden Söhnen Lenny (11) und Anthony (8) über die saftigen Wiesen des St. Galler Linthgebiets. Seit zehn Jahren wohnt Tatana in dieser ­Gegend. «Wir gehen praktisch jeden Tag spazieren, und die Eier hole ich beim Bauern.» Dank der Kinder kenne sie alle, sie habe sogar an der Schulfasnacht aufgelegt. Das schätzt die Musikerin. Doch weil sie in der ganzen Schweiz auftritt, wäre ihr ein zentralerer Wohnort eigentlich etwas ­lieber. «Aber ich muss auf die Kinder ­Rücksicht nehmen, darum leben wir im ­Moment und schauen, wohin es uns ­verschlägt.»
Musikalisch, so hofft sie, geht es nach oben. Soeben ist ihr Album «Aurum» ­erschienen. Auf dem ist sie ihrem Stil, melodiö­sem Trance, treu geblieben. Die Lieder thematisierten Schlüsselmomente aus ihrem Leben. Ende der 90er-Jahre, noch während ihrer Banklehre, startete ihre DJ-Karriere. Ihre Street-Parade-­Hymne «More than Words» schlug riesig ein; Tatana trat in Peru vor 13 000 Tanzenden auf und in Polen gar vor 50 000.
2008 erlitt sie ein Burnout, und mit der Geburt ihrer Kinder verschoben sich die Prioritäten. «Ich habe immer aufgelegt und von der Musik gelebt, aber die letzten zehn Jahre war ich nicht mehr kreativ», sagt sie. Nun aber würden die Ideen ­wieder fliessen. Und: «Ich bin jedes Wochenende ausgebucht.» Ein Lied mit Wiedererkennungswert ist die «Jass Hymne»: Vor einem Jahr ist sie damit im «Samschtig-Jass» aufge­treten. «Seither warteten viele Menschen auf die Veröffentlichung.»

Besuch von der Grossmutter

Nach dem Spaziergang geht es in die ­heimische Stube, wo Grosi Antonie (75) das Zvieri auftischt. Deren Leben ist ­gerade wieder einmal im Umbruch: In den 80er-Jahren ist Familie Sterba von der Tschechoslowakei in die Schweiz ausgewandert. Zuletzt lebten Tatana und ihre Söhne mit ihren Eltern Tür an Tür. Doch Tatanas Papa wollte den Lebensabend in der alten ­Heimat verbringen. «Uns blieben in Tschechien nur anderthalb Jahre, dann ist mein Mann überraschend gestorben», sagt ­Antonie Sterba. Heute pendelt sie zwischen beiden Welten. Ist sie in der Schweiz, unterstützt sie Tatana im Haushalt.
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Tatana und ihre Familie: Ihre Mutter Antonie Sterba (l.) begleitete Tatana früher oft an die Auftritte.Philippe Rossier
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Tatana und ihre Familie: Ihre Mutter Antonie Sterba (l.) begleitete Tatana früher oft an die Auftritte.Philippe Rossier
«Unsere Wohnung ist oft voller Kinder», sagt Tatana. Beide Söhne verbringen gern Zeit mit Freunden oder mit Computerspielen. Anthony, der Jüngere, ist künst­lerisch talentiert, während bei Lenny eine Hochbegabung festgestellt wurde: Besonders Mathe und Sprachen liegen dem ­Elfjährigen.
Tatana sei kein strenges Mami, bekräf­tigen die Kinder. Sie sagt: «Das Wichtigste im Leben ist, Liebe zu spüren, zusammen Zeit zu verbringen und ein Zuhause zu ­haben.» Vom Vater der Söhne trennte sie sich kurz nach Anthonys Geburt. Sie würden aber regelmässigen Kontakt ­pflegen und auch gemeinsame Ausflüge unternehmen.

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«Es gibt Momente, da wünsche ich mir einen Partner», sagt Tatana. Es sei jedoch nicht einfach, jemanden zu finden, der ihre zwei Kinder und ihr Leben in der Öffent­lichkeit akzeptiere. Ausserdem frage sie sich oft, woher sie überhaupt Zeit für einen Partner nehmen solle.

Die Lust ist immer noch da

Seit sie Mami ist, meditiert Tatana jeden Tag. Das habe ihr geholfen, ruhiger zu werden. Und: «Dank der Meditation konnte ich vieles vergeben.» Dinge zu verarbeiten und hinter sich zu lassen, gehöre zum ­Älterwerden. Die Zeit nimmt sie sich, wenn die Söhne in der Schule sind. Abends meditiert sie auch mit Lenny. Von sich aus habe ihr Älterer angefangen, jeweils vor dem Einschlafen ein Gebet zu sprechen, in dem er um Gesundheit für alle Menschen und Tiere bitte. «Danach schläft er jeweils super ein», erzählt sie.
Im Herbst feiert Tatana ihren 50. Geburtstag. «Das stresst mich nicht, ich ­hoffe einfach, dass ich gesund bleiben kann.» Ein Wunsch, der dringlicher ­geworden ist als noch mit 20. Manchmal frage sie sich, ob eine 50-jährige Frau noch als DJ akzeptiert werde. Doch die Antwort gibt sie selbst: Die Szene sei offener als früher, und der französische Star-DJ David ­Guetta sei ja auch schon bald 60.

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«Lust habe ich jedenfalls unverändert.» Einen grossen Traum will sich die Musikerin möglichst bald erfüllen: Im Zürcher Hallenstadion will sie einen «riesigen und besonderen Auftritt» hinlegen, um ihr 30-Jahr-Bühnenjubiläum standesgemäss zu feiern.
Über die Autoren
Andrea Butorin
Als Reporterin ist Andrea Butorin für die GlücksPost in der ganzen Schweiz unterwegs.

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