Isabelle Flachsmann und «Die Ex-Freundinnen»

«Wir sind ein vierblättriges Kleeblatt»

Seit 14 Jahren begeistern die «Ex-Freundinnen» die Schweiz und landen mit ihrem Bühnenprogramm «fast im Kino». Die vier Künstlerinnen über gute Kommunikation, Organisation und wie sie mit Lotto ihren Traum jagen.

Aurelia Robles

Isabelle Flachsmann
Die Zuger Musical­darstellerin Isabelle Flachsmann ist aktuell mit den «Ex-Freundinnen» auf Tour. Remo Eisner

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Gelächter ist aus der Künstlergarderobe des Eventlokals Elefanten­huus in Liestal BE zu vernehmen. Am Abend treten hier «Die Ex-Freundinnen» mit ihrem Comedy- und Musik­kabarett-Programm «fast im Kino» auf, mit dem sie aktuell auf Tour sind. Isabelle Flachsmann (52), die mit ihrem elfjährigen Sohn und ihrem Mann in Rüfenacht BE lebt, hat ihre drei Bühnenfreundinnen für das Gespräch mit der GlücksPost schon etwas früher bestellt. «Unser Leben ist richtig durchgeplant, damit wir aus ­allen Richtungen für Proben und Auftritte zusammenkommen können», meint sie. Denn alle «Ex-Freundinnen» ­haben Familie und eigene Engagements.
Kennengelernt haben sich die Künstlerinnen bereits vor Jahren «und übers Kreuz gut verstanden», wie Ani­kó Donáth (54) erzählt. Vor 14 Jahren beschliessen sie, dass sie lieber miteinander statt gegeneinander auf den Schweizer Bühnen unterwegs sind. Und so wurde aus Musicaldarstellerin Isabelle Flachsmann («Billy Elliott»), Sängerin Martina Lory (44), Multi-Instrumentalistin Sonja Füchslin (42) und Schauspielerin Ani­kó Donáth die ­aktuell langlebigste ­weibliche Showtruppe der Schweiz. «Wir sind fast wie verheiratet und sehen uns öfter als unsere Partner», meint Flachsmann lachend.

Zuständigkeiten sind verteilt

Waren zu Beginn alle noch für alles zuständig, fanden sie schnell heraus, dass dies eher zu Chaos führt statt zu Effizienz. «Wir haben gelernt, die ­positiven Fähigkeiten jeder Einzelnen zu nutzen. Und diese ergänzen sich sehr gut. Jede ist in ihrem Gebiet ­heldenhaft», sagt Sonja Füchslin, die mit ihrem Mann und dem 17-jährigen Pflegesohn in Egolzwil LU lebt. Unter anderem ist die Musikerin für die Arrangements, musikalische Leitung, Buchhaltung und jegliche Art von Administration wie Verträge zuständig. «‹Die Ex-Freundinnen› sind für mich ein Herzensprojekt und deshalb will ich möglichst das Beste für uns raus­holen.» – «Wir sind wie ein vierblättriges Kleeblatt. Aber ohne Sonja wären wir schon lange pleite gegangen», meint Flachsmann, Choreographin und mit ­Ani­kó Donáth verantwortlich für das Schreiben der Stücke und für die Presse­arbeit.
Die Ex-Freundinnen auf der Bühne (von links): Musikerin Sonja «Füchsli» Füchslin, Martina «Gelbi» Lory, Anikó «Rösle» Donáth und Isabelle «Brownie» Flachsmann.
Die Ex-Freundinnen auf der Bühne (von links): Musikerin Sonja «Füchsli» Füchslin, Martina «Gelbi» Lory, Anikó «Rösle» Donáth und Isabelle «Brownie» Flachsmann.Rene Tanner festhalter
Die Ex-Freundinnen auf der Bühne (von links): Musikerin Sonja «Füchsli» Füchslin, Martina «Gelbi» Lory, Anikó «Rösle» Donáth und Isabelle «Brownie» Flachsmann.
Die Ex-Freundinnen auf der Bühne (von links): Musikerin Sonja «Füchsli» Füchslin, Martina «Gelbi» Lory, Anikó «Rösle» Donáth und Isabelle «Brownie» Flachsmann.Rene Tanner festhalter
Auf einen möglichen schönen Geld­segen hoffen «die Ex-Freundinnen» bei ­jedem ihrer Auftritte. Gemeinsam mit dem Publikum füllen sie jeweils pro Abend inter­aktiv einen Lottoschein aus. Immerhin 20 Franken haben sie bisher gewonnen. «Anikó ist diejenige von uns, die ­solche kreativen Ideen hat und uns auch mit ­ihrer Energie stets mitzieht. Geht nicht, gibt es bei ihr nicht», sagt Sonja Füchslin über ihre rothaarige Kollegin. Sollten sie tatsächlich mal einen grösseren Betrag ­gewinnen, würden sie diesen in ihren Traum einer eigenen Serie, an der sie seit Jahren schreiben, investieren. «Das wäre die allertollste Geschichte überhaupt», träumt Flachsmann.

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Gute Kommunikation

«Gelbi», «Brownie», «Rösle» und «­Füchsli» – wie in vielen Beziehungen ­haben die vier Kosenamen füreinander. Und wie in jeder Ehe ist auch bei ihnen eine gute Kommunikation das A und O. Dafür hat insbesondere Martina Lory innerhalb der Truppe gesorgt und klare Kommunikationskanäle und -regeln (so sind emotional aufgeladene Nachrichten verboten) definiert. Als Leiterin der Sing Academy mit ­84 Lehrpersonen und ­Mutter zweier Töchter (10 und 12) ist für die in Burgdorf wohnhafte Bernerin eine gute Organisation ein Muss. «Und Martina ist auch oft unser Zünglein an der Waage, weil sie stets den Überblick über alles hat», sagt Füchslin. «Ja, ich fange nicht ­gerne von null an, dafür liebe ich es, be­stehende ­Dinge zu vernetzen», gesteht Martina Lory. Kein Wunder, ist sie auch für die ­Probe- und Anfahrtspläne zuständig.
Doch wie in allen guten Familien gibt es auch bei den vier Frauen mal das eine oder andere Missverständnis. «Wir führen ein Unternehmen zusammen, das ist nicht zu unterschätzen», findet Martina Lory. Durch ihre jahrelange Zusammenarbeit wissen sie mittlerweile genau, weshalb es bei ihnen dennoch funktioniert: «Wenn es ein Problem gibt, räumen wir dieses schnellstmöglich aus dem Weg. Wir haben eine lösungsorientierte Kultur und haben auch gelernt, einander zuzuhören», erklärt Donath, die mit ihrem 14-jährigen Sohn in Zürich-Oerlikon lebt und gemäss den anderen auch eine «­perfekte Gastgeberin und Meisterin des Entrümpelns» ist.

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«Ein Erfolgsrezept ist auch, dass wir ­verschiedene Standbeine und nicht nur ­einander haben», sagt Martina Lory. «Wir brauchen uns für unsere Karrieren nicht, sondern wählen uns bewusst.» Denn nicht zuletzt sind die «Ex-Freundinnen» privat längst zu Freundinnen geworden. «­Unsere Kinder kennen sich sehr gut und sind seit Beginn unserer Reise dabei. Sie kommen uns auch schauen und finden uns sogar ­super», erzählt Anikó Donáth. Auch die Partner unterstützen die vier Künstle­rinnen, wie es nur geht, damit sie auf der Bühne – aktuell sogar als Superheldinnen – für Höhenflüge sorgen können. Für das ­Publikum, aber immer auch für sie selbst.

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