20 Jahre nach ihrer Krönung zur Miss Schweiz 2006 blickt Christa Rigozzi dankbar zurück. Die Tessiner Moderatorin erzählt von ihrer Karriere und ihren Liebsten, aber auch über schmerzhafte Erfahrungen.
Soeben sind im Tessin die zweimonatigen Sommerferien zu Ende gegangen, und für Christa Rigozzi und ihre Familie beginnt wieder der Alltag. «Die Mädchen haben sich auf die Schule gefreut», erzählt die 43-Jährige, frisch zurück aus den Ferien. Während die Zwillingsmädchen Alissa und Zoe (9) und Gatte Giovanni Marchese (48) nun einem strukturierten Tagesablauf in Monte Carasso TI nachgehen, hat die Moderatorin einen solchen seit Jahren nicht mehr. In ihrem Leben ist jeder Tag anders, ihr Arbeitsort ändert sich ständig. Doch eines bleibt gleich: «Wenn ich nach Hause komme, rennen mir die Mädchen entweder entgegen oder ich hole sie von der Schule ab.»
Am 9. September jährt sich zum 20. Mal der Tag, der Christas Leben komplett verändert hat. An jenem Samstagabend im Jahr 2006 wurde die Tessinerin zur neuen Miss Schweiz gekürt – und, wie sich später herausstellte, auch zur erfolgreichsten aller Zeiten. «Ich war jung, offen, neugierig und vielleicht ein bisschen naiv bezüglich der Show-Welt, die ich noch nicht kannte», beschreibt sie sich rückblickend. «Ich machte mit, weil ich etwas erleben wollte.»
Seite an Seite mit Gio
Seither hat Christa Rigozzi reichlich an Erfahrung gewonnen. «Die 20 Jahre sind vorbeigeflogen! Manchmal vergesse ich, was ich alles erlebt habe. Es ist verrückt», sagt sie. «Ich bin dankbar für so viel: meinen Beruf, meine zwei gesunden Kinder und meinen Mann, der noch immer an meiner Seite ist.» Giovanni Marchese – seit 1998 sind sie ein Paar, seit 2010 verheiratet – hat seine Partnerin bei ihrer Teilnahme an der Schönheitswahl unterstützt. «Gio meinte: ‹Mach mit.› Er kam an die Show, ich habe gewonnen, und ab da haben wir das alles zusammen erlebt und gelernt, wie fast jeden Schritt in unserem Leben. Die Studienzeit, das Elternsein – wir sind stetig mehr zusammengewachsen.» Sie sagt klar: «Ohne Wurzeln wäre ich wohl verloren gewesen. Die Tatsache, dass du nach Hause kommen kannst, zu deinem Partner, zuvor zu meinen Eltern und jetzt zu meinen Kindern, ist so wichtig.» Daheim könne sie 100 Prozent sie selbst sein, werde ehrlich für das beurteilt, was sie ist.
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Seit 1998 gehen Christa und Giovanni gemeinsam durchs Leben.Rolf Edelmann
Seit 1998 gehen Christa und Giovanni gemeinsam durchs Leben.Rolf Edelmann
Besonders zu Beginn musste sie als frisch gekürte Miss schnell selbständig werden. Die damalige Studentin der Politik- und Medienwissenschaften sowie Kriminologie ging nach der Wahl allein auf Reisen und verbrachte unzählige Nächte in Hotelzimmern. «Ich lernte meine neue Rolle schnell. Aber alle um mich herum haben Zeit mit Freunden verbracht. Damals beneidete ich jene, die scheinbar 100 Freundinnen hatten», gesteht sie. Heute denkt sie anders darüber. «Meine Zeit ist Luxus, die will ich selber gestalten, und ich brauche dafür nicht 100 Leute. Ich bin beruflich von so vielen Menschen umgeben, dass ich zu Hause Ruhe und wenige Leute um mich will. Orte, die nicht laut sind.» Ihre wichtigsten Personen seien im Tessin: Gio, die Kinder, ihr Bruder Christian (46), ihre Eltern Fausto (71) und Lorenza Rigozzi (68). «Und meine beste Freundin bin ich selbst.»
«Sei authentisch, sei du» – diesen Ratschlag hat sich Christa Rigozzi von Tag eins an als Miss Schweiz zu Herzen genommen. «Ich habe nie eine Rolle gespielt, was die beste Entscheidung war und auch bei allen gut ankam.» Als «Dickkopf» habe sie sich stets auf den eigenen Instinkt verlassen und gemacht, was sie wollte. «Aber klar gab es zu Beginn ein, zwei Events, die ich lieber nicht gemacht hätte, und ich habe auch zu offen vieles von mir erzählt und allen vertraut», sagt sie. «Ich bin noch heute ehrlich und freundlich, werde dies auch nicht ändern. Aber im Beruf vertraue ich nie zu 100 Prozent, das habe ich gelernt.» Seit sie sich 2011 selbständig gemacht hat, entscheidet sie alles allein.
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In Mamas Fussstapfen
Ihre Töchter Alissa und Zoe haben die Ära von Schönheitswahlen verpasst. Wie ihre Mama jedoch bekannt wurde, wissen sie. «Sie haben den Moment meiner Krönung mal angeschaut. Als kleine Mädchen fanden sie es am Anfang sehr komisch, mich am Bildschirm zu sehen, und fragten, wie ich denn in den Fernseher komme», erinnert sich Christa lachend. «Wenn ich nun eine Moderation habe, wollen sie eher wissen, wie ich angezogen bin.» Die Zwillinge, die wie einst Christa den Ballettunterricht besuchen, träumen bereits von einer Karriere, jedoch singend und tanzend. «Mit ihren Freundinnen wollen sie eine Band gründen.» Rigozzi sagt: «Wenn sie mich aber fragen, ob sie davon werden leben können, sage ich nicht einfach Ja, auch wenn sie erst bald zehn sind. Sie wissen, dass ich neben den Tätigkeiten als Miss noch studiert habe. Ich bin da realistisch, auch wenn ich sie gleichzeitig fördern möchte.»
Sie selbst sei auch ein selbstsicheres Mädchen gewesen. «Ich wollte in den Ferien immer zu Grosi, Tante oder Freundinnen schlafen gehen, war als Kind unabhängig.» Ihre Kindheit beschreibt sie als harmonisch. Mit ihrem Bruder konnte sie bei Papa und Mama in einem sicheren Umfeld aufwachsen. «Meine Eltern haben mir gezeigt, dass man arbeiten muss, um etwas zu bekommen. Dass man beendet, was man beginnt.»
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Privater Wendepunkt mit 40
Moderatorin, Markenbotschafterin, Unternehmerin – Christa Rigozzi ist längst als Person eine Marke. «Heute habe ich das Gefühl, die Leute kennen mich wie eine Freundin oder Nachbarin. Sie fragen immer süss und anständig: ‹Hoi Christa, wie geht es deinen Kindern?›» In den sozialen Medien lässt sie ihre Fans bewusst nicht nur am Berufsleben teilhaben. So hat sie Fotos aus den Sommerferien geteilt, zeigt sich mal ungeschminkt oder beim Erledigen der Hausarbeit, beim Pasta- und Sugokochen, Wäschewaschen oder Bügeln. «Ich teile 90 Prozent von Christa mit der Öffentlichkeit. Das wirklich Private, wie intime Gedanken, und was im Leben meiner Liebsten passiert, behalte ich für mich», erklärt sie. «Ich teile nicht, wenn ich mit den Kindern im Spital bin oder es mir schlecht geht. Ich will die Leute nicht mit meinen Problemen unterhalten. Sie haben bereits ihre eigenen. Weshalb sollten sie an meine denken?»
Ohne grosse Vorstellungen, aber mit Lust auf Neues nahm Christa Rigozzi 2006 an der Miss-Schweiz-Wahl teil – und gewann.Peter Klaunzer
Ohne grosse Vorstellungen, aber mit Lust auf Neues nahm Christa Rigozzi 2006 an der Miss-Schweiz-Wahl teil – und gewann.Peter Klaunzer
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Christa Rigozzi die richtige Balance zwischen Berufs- und Privatleben gelernt. Als Wendepunkt nennt sie ihren 40. Geburtstag, denn in jenem Jahr sei viel passiert: So wurde bei ihnen ins Haus eingebrochen, ihr geliebter Hund Joker verstarb, und Christas engste Freundschaft ging in die Brüche. Zudem trennten sich die Wege mit ihrem langjährigen Manager. Durch all die Veränderungen und Ereignisse habe sie verstärkt gemerkt, was wichtig für sie sei. «Ich sage ab und an zu Gio, dass ich froh bin, dass ich damals nicht böse oder verbittert geworden bin. Auch wenn es mir schlecht ging oder selbst wenn ich krank war, hatte ich manchmal Angst, etwas abzusagen.»
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Auf die 20 Jahre blickt die Miss Schweiz 2006 voller Dankbarkeit: «Ich habe unglaublich viel erlebt, gewonnen, aber auch gelernt – und Menschen verloren. Heute weiss ich viel besser, was wirklich zählt: meine Familie, meine Wurzeln, gesund zu sein und mir selbst treu zu bleiben.» Zwar hat sie sich auch verändert, «aber ich bin immer noch die Christa von damals – nur reifer, bestimmter und stärker. Und vor allem: Ich habe noch immer unglaublich Lust auf alles, was kommt.»