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Bänz Friedli

Ein Berner glücklich in Basel

Jungpolitiker, Musikjournalist, Pendler und Hausmann der Nation: Der Kabarettist hatte in seinem Leben schon viele Rollen inne – neu ist der Berner auch Wahlbasler. Vor zwei Jahren zog Bänz Friedli aus «Gwunder» in die «Humor-Hauptstadt» der Schweiz.

Aurelia Robles

Das Basler Münster und die Roche-Türme im Hintergrund: ­Kabarettist Bänz Friedli vor den Wahrzeichen seiner Wahl­heimat Basel.
Das Basler Münster und die Roche-Türme im Hintergrund: ­Kabarettist Bänz Friedli vor den Wahrzeichen seiner Wahl­heimat Basel.Vera Hartmann

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Wieso posiert Bänz Friedli (61) vor der typischen Basler Kulisse mit den Türmen des Münsters und des Pharmariesen Roche? Ganz einfach: Seit knapp zwei Jahren lebt der ­Berner in der Stadt, genau wie seine Berufs­kollegen Emil Steinberger (93) aus Luzern, der Schaffhauser Gabriel Vetter (43), der St. Galler Joachim Rittmeyer (75) und der Italo-Berner Massimo Rocchi (69). «Früher oder später landest du als Kabarettist wohl in Basel, der Humor-Hauptstadt», scherzt Friedli. «Denn die Basler sind dank der Schnitzelbängg an Humor gewöhnt und die hiesigen Politiker warten nur darauf, auf die Schippe genommen zu werden.»
Bänz Friedli ist jedoch nicht nur wegen des Humors nach Basel gezogen, sondern hauptsächlich aus «Gwunder». «Ich habe mich zuerst sozusagen verliebt in die Stadt, vor allem ins Gundeli-Quartier hinter dem Bahnhof», erzählt er. «Dann fand ich, dass mir ein Wechsel ohnehin guttun würde. Ich muss immer wieder Neues ­beobachten können. An meinem früheren Wohnort Zürich hatte ich mich gewissermassen ‹satt beobachtet›.»
Dreissig Jahre, sprich sein mittleres ­Alter, hat Friedli als Journalist und Kolumnist («Pendlerregeln», «Der Hausmann») in Zürich verbracht. Als junger Reporter wurde er damals zum Schweizer Fern­sehen gelockt, wo er eine fünfwöchige «TV-Schnellbleiche» gemeinsam mit ­den damaligen «10 vor 10»-­Moderatoren Walter «Zeigefinger der Nation» Eggenberger (82) und Jana Caniga (66) sowie «Rundschau»-Urgestein Hannes Britschgi (71) durchlief. «Ich merkte aber rasch, dass ich nicht primär ein visueller Mensch bin, sondern vielmehr ein Wortmensch.» Danach stiess er als Musikjournalist zum inzwischen eingegangenen Magazin «Facts» und gründete mit seiner Partnerin eine Familie.

Mit der grossen Schnurre

Als die Kinder klein waren, blieb Friedli für ein paar Jahre Vollzeit daheim, schrieb im «Migros-Magazin» über sein abwechslungsreiches Dasein als Hausmann. «Dann kamen die Kinder in die spannenden, aber auch heiklen Jahre, also hörte ich auf mit der Kolumne, um ihre Privatsphäre zu schützen.»
Die damals erlangte Bekanntheit spürt Friedli bis heute als Kabarettist. Als solcher tourt er durch die ganze Deutschschweiz, von Murten FR bis Falera GR. «Ich komme überall hin, das gefällt mir extrem», sagt er. «Ich bin immer wieder überrascht, wie vielseitig unser Land ist. Dies stets von neuem erfahren zu dürfen, geniesse ich sehr an meinem jetzigen Beruf.»
Berufe hat Bänz Friedli schon einige ausgeübt. Als Bendicht Niklaus Friedli geboren und in Uettligen BE aufgewachsen, trat er nach der ­Matura bereits als 19-jähriger Jungpolitiker in die Öffentlichkeit. Sein Anliegen: ein Jugendhaus vor dem Abriss zu retten. «Ich war der mit der grossen Schnurre», erinnert er sich. «Das Haus steht noch heute. Das einzige Überbleibsel meiner vierjährigen politischen Karriere im Gemeinderat. Denn ich war aufmüpfig.»

Friedli im Fernsehen

Sein Interesse an Politik ist beruflich wie familiär weiterhin vorhanden. So kandidierte Tochter Anna Luna (28) schon als Gemeinderätin, zudem nimmt Friedli in seinen Programmen die Bundespolitik auseinander. «Es wird bei mir nicht nur lustig, die Zuschauer werden auch mit ernsten Themen konfrontiert», sagt er. «Umso mehr ist es ein Geschenk, dass sie mir zuhören.» Soeben hat das Schweizer Fernsehen Teile des jüngsten Programms «Bänz Friedli räumt auf» ausgestrahlt. Bis im April 2027 ist er damit noch unterwegs, bevor er wie immer nach Montpellier (F) zum Schreiben eines nächsten Programms fährt, das er 2028 vorstellen will.

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Richtig aufräumen musste Bänz Friedli auch vor seinem Umzug nach Basel. «Das ging mir zum Teil nah, war aber auch cool.» Einen Lagerraum gefüllt mit Leben aus 30 Jahren, unendlich viel Papier, VHS-Kassetten und einer 12 000 Exemplare umfassenden Vinyl- und CD-Sammlung. «Von den CDs habe ich mich getrennt, von den Platten noch nicht», gesteht der Liebhaber italienischer Musik und erklärt sein Ziel frei nach Büne ­Huber (64), dem Sänger von Patent Ochsner: «Am Schluss sollte alles in einer Schuhschachtel Platz haben.»
Seinen Herbst des ­Lebens verbringt Bänz Friedli nun in Basel, wo er eine Atelierwohnung hat. «Als die Kinder auszogen und ihr eigenes Leben begannen, bot mir das auch Gelegenheit, mein Leben noch gleichsam neu zu erfinden.»
Seit 2011 ist er als Kabarettist unterwegs und erhielt 2015 den Salzburger Stier, 2024 den Schweizer Kabarettpreis Cornichon. Dieses Metier sei das erste, in das er nicht «inegstoglet» sei, sondern das er bewusst gewählt habe.

Freunde im ganzen Land

Coiffeur, Haus- und Zahnärztin hat Friedli inzwischen in die neue Heimat verlegt. «Ich habe nun Verwandtschaft in Bern, Familie in Zürich und im ganzen Land Freunde», sagt er, der sich als ruhe- und rastlos bezeichnet. Weshalb er heute manchmal die Anwesenheit kleiner Kinder vermisse, die bedingungslos im Jetzt seien und einem ein anderes Verhältnis zu Zeit schenkten. Dennoch liebt er seinen aktuellen Lebensabschnitt. «Ich bin so nahe bei mir selbst wie noch nie», sagt er. Dies auch dank ­seines derzeitigen Berufs: «Egal ob als Journalist, Hausmann, Politiker oder Pendler – ich habe immer dasselbe getan: Ich beobachte, mache mir Gedanken und erzähle diese dann weiter.» Nur etwas ist jetzt neu: Als Kabarettist tut er das mit Humor. «Und damit erreicht man die Menschen doch immer am besten», sagt Friedli.

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Über die Autoren
Aurelia Robles
Aurelia Robles
Seit 2023 arbeitet Aurelia Robles bei der GlücksPost als Stv. Chefredaktorin mit Fokus auf Unterhaltungsthemen.

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